Zum Gedenken an Bruder Paul Oden

In Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserem Chile-Missionar

Bruder Paul Oden SVD
* 23.07.1928 Pirmasens, Speyer
+ 13.01.2017 in Iquique, Chile


Bruder Paul Oden wurde in Pirmasens als Sohn von Jakob und Henriette Oden geboren und blieb sein Leben lang seiner pfälzischen Heimat verbunden. Von Kindesbeinen an war er Pfadfinder und engagierte sich in der kirchlichen Jugendarbeit seiner Pfarrei St. Pirmin. Nach der Volksschule begann er eine Bäcker- und Konditorlehre, die er durch Kriegseinwirkungen immer wieder unterbrechen musste. In diese Zeit fiel auch seine Entscheidung, Missionsbruder bei den Steyler Missionaren zu werden. Am 1.10.1946 wurde er Postulant in St. Wendel. Nach Postulats- und Noviziatszeit legte er am 8. September 1949 die ersten Gelübde ab. Auf den Tag genau sieben Jahre später band er sich in Santiago de Chile an Gott und die Gemeinschaft der Steyler Missionare durch die Ewigen Gelübde.

1954 begann Bruder Paul Oden (rechts) seine missionarische Arbeit in Chile.
1954 begann Bruder Paul Oden (rechts) seine missionarische Arbeit in Chile.

Über Rom nach Chile

1951 führte ihn die erste Arbeitsbestimmung nach Rom, wo er in der Ordenszentrale der Steyler Missionare seine jungen Kräfte einsetzte. 1953 erhielt er eine Arbeitsbestimmung für Indien. Diese wurde geändert und er trat am 1. Oktober 1954 seinen Dienst in Chile an. Die ersten Jahre verbrachte er in Santiago am „Licéo Alemán del Verbo Divino“. Hier begann seine Arbeit mit den Pfadfindern, die sein ganzes Leben mitbestimmen sollte. 1972 wurde er in den Süden Chiles entsandt, 1000 km von Santiago entfernt. Hier startete er mit dem Aufbau der ersten Jugendzentren und -herbergen und zwar in Puerto Varas, Osorno, Fresia und Ensenada. Diese Zentren wurden die Geburtsstätte der heutigen Kinderheime der Steyler Missionare in Chile mit Sitz in Puerto Varas, Valdivia, San Pablo, Buin und Villa Alemana. Ab 1991 leitete Bruder Paul in Valdivia das Programm „Ahora", auf Deutsch „Jetzt". Dieses wurde später von einem selbstständigen Verein übernommen.

„Kindern auf der Spur“

1996 führte ihn seine Berufung nach Iquique. Dort begann er mit dem Bischof der Diözese und einigen seiner ersten Pfadfinder von Santiago sowie mit den Mitgliedern des Jugendzentrums von Puerto Varas die Arbeit für die Straßen-kinder von Iquique. Bischof Vera schreibt über diese Zeit: „Als er (Paul Oden) vom Süden in den Norden kam, sah er nicht nur eine mächtige, sich modernisierende Stadt, sondern leider auch viele Kinder, die stark litten.“ So gründete er den Verein „Niños en la Huella" (Kindern auf der Spur). In wenigen Jahren baute er eine Organisation und eine Infrastruktur auf, in der Kinder aller Altersstufen aus sozial benachteiligten Familien gefördert und betreut werden: Kindergärten, Tagesstätten, Heime für Jungen und Mädchen, zwei Krabbelstuben und ein Tagesheim für Straßenkinder zwischen zwölf und achtzehn Jahren. Bruder Paul sah sich ganz in den Fußstapfen seines Pirmasenser Landsmannes Paul Josef Nardini (1821-1862). Dessen Seligsprechung am 22. Oktober 2006 im Speyrer Dom durch Kardinal Wetter erleben zu dürfen, war für ihn ein großer Ansporn und ein tiefes, religiöses Erlebnis. Wie sein Landsmann in Pirmasens einst auf eine Not- und Elendssituation geantwortet hatte, so hatte Bruder Paul in Chile eine ähnliche Notwendigkeit bei den Straßenkindern vorgefunden.

Zu Besuch bei Chiles Regierungschef Sebastián Piñera.
Zu Besuch bei Chiles Regierungschef Sebastián Piñera.

Vom Regierungschef geehrt

Am 25. September 2012 wurde Bruer Paul die Ehre zuteil, den Regierungspalast von Santiago de Chile zu besuchen und mit dem chilenischen Staatsoberhaupt und Regierungschef Sebastián Piñera zusammenzutreffen. „Wir haben uns etwa eine halbe Stunde lang herzlich über alle möglichen Dinge unterhalten. Es war ein sehr liebenswürdiger und herzlicher Empfang.“ Piñera war vor seiner politischen Karriere zehn Jahre lang in einer Pfadfindergruppe von Bruder Paul. Zum Abschluss nahm Sebastián Piñera einen speziellen Rucksack in Empfang, den Bruder Pauls Sozialarbeiter bei ihrer Arbeit mit den Straßenkindern in der Diözese Iquique tragen. Entworfen worden war er von Martin Bendorfer aus Österreich, einem der vielen Missionare auf Zeit, die bei Bruder Paul gewirkt haben.

Abschied

Schwer erkrankt schrieb Bruder Paul Oden am 13. November einen Abschiedsbrief an all seine Weggefährten. Lange zitiert er darin eine Predigt von Papst Franziskus über Tod und Auferstehung und endet schließlich mit den Worten: „Auch für mich ist Advent. Die Ankunft in meinem Leben ist gekommen. Ich warte darauf, dass Gott ankommt, um mich mitzunehmen.“ Und er äußert auch eine Bitte an all seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter: „Vergesst nicht, bei den Werken des Herrn mitzuhelfen, die er durch mich erschaffen hat.“

Zu Besuch in Deutschland.
Zu Besuch in Deutschland.

Die Steyler Missionare danken Bruder Paul Oden für seinen engagierten Einsatz unter der Jugend Chiles bis ins hohe Alter. Sie danken auch seiner Familie, seinen Wohltätern und Helfern in der deutschen Heimat und in aller Welt. Sie standen ihm stets treu zur Seite!

Pater Manfred Krause SVD

 

Pater Manfred Krause

+49 (0) 2241 / 2576-333
krause@steyler-mission.de

 

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