Gebetsmeinung des Papstes - Januar 2018

Januar 2018

Wir beten zu Gott unserem Vater, für die Menschen in Asien, für alle Christen und die religiösen Minderheiten: dass sie ihren Glauben in voller Freiheit ausüben dürfen.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin, Sankt Augustin

Wir alle haben ausreichend Geschichtskenntnisse und wissen, wie die Religionen und Konfessionen in der Vergangenheit miteinander umgegangen sind. Ich meine nicht nur die blutigen Auseinandersetzungen. Mein Professor für Liturgik erzählte immer gerne von den tagtäglichen Feindseligkeiten der unterschiedlichen Konfessionen, wie er sie in seiner Kindheit erleben konnte. Zum Beispiel pflegten die Protestanten in seinem Nachbardorf immer an Fronleichnam Gülle zu fahren, und die Katholiken revanchierten sich dafür am Reformationstag mit ähnlichen Aktionen. Das ist keine 100 Jahre her. Und das waren die „harmlosen“ Sticheleien. Religiöse Traditionen wurden zum Anlass genommen, um sich gegenseitig zu ärgern und zu provozieren. Das hat sich Gott sei Dank – im wahrsten Sinne des Wortes – geändert.

Mit dem Gebetsanliegen für diesen Monat setzt unser Papst eine gute Tradition fort, die die Päpste des vergangenen Jahrhunderts etabliert haben: sich für die Freiheit aller Religionen einzusetzen und gemeinsam mit anderen Religionsführern entschlossen für den Frieden zu arbeiten. Glaube darf kein Grund bzw. keine Ausrede mehr sein, um gewalttätig zu werden.

Unser Papst war vergangenen Monat in Asien, um sich für die Rechte einer nicht christlichen Religion einzusetzen. Er ist zu den politischen und religiösen Führen einer ganz anderen Religion gereist – den Anhängern des Buddhismus –, um dafür zu werben, dass die Mitglieder einer ebenfalls ganz anderen Religion – die Anhänger des Islam – nicht länger verfolgt werden.

Überschreitet er damit nicht seine Zuständigkeit? Er ist ja nicht einmal das Oberhaupt aller Christen, und trotzdem tritt er als überkonfessionelle moralische Instanz auf. Egal wie diplomatisch sie das auch formulieren wollen, gegen religiöse Diskriminierung zu sprechen ist nichts anderes als eine moralische Kritik der politischen und religiösen Führer, die diese Verfolgung wie auch immer dulden. Ganz schön gewagt – oder einfach nur authentisch gelebtes Christentum?

Nicht wenige Menschen haben sich vom Christentum abgewandt, gerade weil Christen in der Vergangenheit im Namen Gottes gewalttätig waren. Es hat der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft nachhaltig geschadet. Ändern wir das. Stellen wir unsere Glaubwürdigkeit wieder her und beten wir für die Freiheit, beten wir dafür, dass niemand wegen seines Glaubens verfolgt wird.


 
 

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