Im Briefmarkenapostolat

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Zur gleichen Zeit ein Stockwerk tiefer: Es riecht nach frischem Kaffee, im Briefmarkenapostolat. "In dieses Kästchen kommen die aufgeklebten Briefmarken aus dem Ausland, in das andere kommen die losgelösten", erklärt Ingrid Mathieu. "Ein Sonderkästchen habe ich hier für Marken, die mit Wellenlinie gestempelt sind." Zwei geübte Schnitte mit der Schere – und eine Briefmarke, die gerade noch auf einem Stück Kuvert klebte, landet in einem der bereit liegenden Plastikgefäße. Schon ist die nächste dran.

An einem langen Tisch sitzen Ingrid Mathieu und andere ehrenamtliche Helferinnen, neben der Tür hängen Dankesbriefe und Bilder von Missionaren aus aller Welt. Die Stimmung ist gelöst, beim Schnibbeln wird geschwatzt. "Wir treffen uns einmal die Woche für ein paar Stunden", erklärt die pensionierte Hauptschullehrerin. "Weil’s für einen guten Zweck ist, aber auch, weil die Gruppe so nett ist. Es macht richtig Spaß, hier zu sein."

Schon seit ein paar Jahren ist Ingrid Mathieu mit dabei. Schuld ist Willi Schmitz. Lange Jahre leitete er die Versandabteilung der Missionsprokur, 2002 ging er in Rente und übernahm das Briefmarkenapostolat. "Wir singen im selben Kirchenchor", erklärt Ingrid Mathieu. "Irgendwann fragte er mich, ob ich Lust hätte mitzuhelfen." Es gibt kaum jemanden in seinem Bekanntenkreis, den Willi Schmitz das noch nicht gefragt hat. "Wir können halt jede Unterstützung gebrauchen", sagt er und lächelt schelmisch. "Ich versuche, jeden einzuspannen."

Arbeit genug gibt es. Allein im vergangenen Jahr lieferte die Post 790 Kilo Briefmarken in die Missionsprokur. "Gesammelt von Fachämtern, Missionskreisen, von der Kirchenzeitung und vielen Privatpersonen", erklärt Schmitz. "An uns liegt es dann, sie so zu bearbeiten, dass man sie weiterverkaufen kann." Verschmierte Exemplare oder solche mit kaputten „Zähnen“ wandern ins Altpapier. Gut erhaltene Marken werden sauber ausgeschnitten und sortiert, schließlich zum Verkauf an Sammler freigegeben. Der Erlös geht vollständig an die Hilfsprojekte der Steyler Mission – etwa nach China, Paraguay oder Indien. "Im vergangenen Jahr haben wir so 19.000 Euro erwirtschaftet", sagt Schmitz.

Besonders beliebt: Die so genannte "Klosterware" für 20 Euro – ein schuhkartongroßes Paket voller bunt gemischter Marken. "Eine wahre Fundgrube für Sammler", sagt Willi Schmitz. Den ein oder anderen Markenfreund verschlägt es auch schon mal selbst nach St. Augustin, etwa, um in den Kisten und Sammlungen, die den Steylern aus Nachlässen oder Wohnungsauflösungen zur Verfügung gestellt werden, nach rarem Material zu suchen. "Fast noch begehrter als die nackte Marke aber sind gelaufene Briefe, deren Postweg man nachvollziehen kann", sagt Franz Maria Muckel, der seit zwei Jahren im Briefmarkenapostolat mithilft.

Muckel hat selbst viele Jahre lang Briefmarken gesammelt – aber schon einen großen Teil seiner Sammlung den Steylern überlassen. "Weil die Missionare damit gute Dinge finanzieren können", sagt er. "Außerdem", fügt er leiser hinzu, "hält mich meine Frau immer mal wieder zum Ausmisten an." Eine wirkliche Rarität ist dem Pensionär allerdings bei seiner Arbeit im Briefmarkenapostolat noch nicht begegnet. "Die Blaue Maritius lässt noch auf sich warten", sagt er.

"Wir Frauen träumen ja davon, hier mal diese seltene Marke zu finden, auf der Audrey Hepburn abgebildet ist", verrät Renate Senger, die am Nebentisch emsig Marken zuschneidet. "Aber dieser Traum hat sich bisher noch nicht erfüllt." Ein paar begehrte Fehldrucke habe sie schon mal in der Hand gehabt. "Aber nichts wirklich Wertvolles."

"Naja, die Menge macht’s", sagt Willi Schmitz. Obwohl er selbst kein Sammler ist, kann er sich für Briefmarken begeistern. "Weil sie einem die Welt eröffnen", sagt er. "Man bekommt Einblicke in fremde Länder, lernt was über die Geschichte und berühmte Persönlichkeiten aus aller Welt. Das ist schon interessant."

 
 

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