Philippinen

Siedlungen für Menschen ohne Dach und ohne Rechte

22.08.2011

Seit Jahrzehnten engagiert sich Pater Leo Schmitt aus Grünebach im Landkreis Altenkirchen für einen sozialen Wohnungsbau auf den Philippinen.

Pater Leo Schmitt
Pater Leo Schmitt

Sankt Augustin ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis, benannt nach dem Schutzpatron der hier ansässigen Steyler Missionare, dem Heiligen Augustinus. Sankt Augustin ist aber auch ein Ort auf den Philippinen, nahe der Hauptstadt Manila. Vor 17 Jahren entstanden hier erste Häuser für die arme Bevölkerung des Umlands, die so genannten "Squatters". Und auch hier haben die Steyler Missionare ihre Finger im Spiel.

Er ist das Bindeglied zwischen den beiden Sankt Augustins: Pater Leo Schmitt. Der gebürtige Westerwälder hat in den 1950er-Jahren im rheinischen Sankt Augustin studiert - und später das philippinische "Saint Augustin Village" gegründet. Gemeinsam mit acht weiteren Dörfern, wie "Janssenville" und "San José Freinademetz", deren Namen an die beiden Heiligen des Steyler Ordens erinnern.

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Angefangen hat alles vor 40 Jahren, 1971. Damals sollten 800 Familien aus dem Stadtteil Mandaluyong in Manila vertrieben werden, weil ihnen das Land nicht gehörte, das sie bewohnten. Die Besitzer schalteten das Gericht ein. Mit einer drohenden Räumungsklage im Rücken wandten sich die Familien an Pater Schmitt. "Wir versuchten, mit einem Rechtsanwalt Zeit zu gewinnen, um neues Land zu suchen und die Umsiedlung in Ruhe anzugehen", erinnert sich der Steyler Missionar.

Aber die Besitzer des Grundstückes blieben hart: Am Fronleichnamstag sollte die Räumung vollzogen werden. Pater Schmitt rief befreundete Ordensfrauen in einer Predigt zur Solidarität auf: „Sie können Christus am Altar dienen. Aber ebenso können Sie Christus heute dienen, der auf der Straße lebt, ohne Dach und ohne Rechte." Die Schwestern gingen auf die Straße, nicht zur Prozession, sondern zum Protest. So erreichten sie gemeinsam eine Gnadenfrist von drei Monaten, um die Umsiedlung der Familien zu organisieren. Eine Herausforderung, der sich der Steyler Missionar stellte.

In einer Umfrage ermittelte Schmitt die wichtigsten Bedürfnisse der Bewohner, dann unterstützte er sie dabei, eine neue, solide Siedlung aufzubauen: San Antonio. Die Kirche bauten die Bewohner 1983 gänzlich in Eigenarbeit.

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Der Erfolg des ersten Siedlungsprojektes ermutigte Schmitt, weiter zu bauen. Häuser für Menschen, die bislang auf fremdem Grund in notdürftigen Unterkünften aus Blech hausen mussten, ohne Strom und Wasser. Mit viel Durchsetzungsvermögen stürzte er sich in den Kampf mit Großgrundbesitzern und korrupten Beamten, erstritt sich Genehmigung um Genehmigung. Beim Bau der neuen Siedlungen kamen Betonquader zum Einsatz, die an Legosteine erinnern. "Diese Steine haben eine spezielle Eigenschaft", erklärt Schmitt. "Sie sind im tropischen Klima resistent gegen Regen und Feuchtigkeit. So können die Menschen nach dem Legostein-Prinzip schnell ein- bis zweistöckige Häuser hochziehen."

In den vergangenen Jahrzehnten sind rund um Manila durch die Initiative von Pater Schmitt und seinen Mitbrüdern viele Dörfer dieser Art entstanden. Sie bestehen aus kleinen, aber stabilen und mit allem Lebensnotwendigem ausgestatteten Häusern. Im manchen Siedlungen gibt es auch Ausbildungszentren, in denen Jugendliche einen Beruf oder ein Handwerk erlernen können, sowie Schulen und Kindergärten. "Wir haben den Zuschnitt der Dörfer so gestaltet, dass genügend Raum für öffentliche Veranstaltungen wie Versammlungen und Gottesdienste unter freiem Himmel besteht", sagt der Steyler Missionar.

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Übergeben bekommen die Bewohner ihr neues Heim, wenn es bis auf Fensterhöhe fertiggestellt ist. Umgerechnet 950 Euro kostet das Haus bis dahin. Die "Squatters" bekommen günstige Kredite, um den Kaufpreis binnen 25 Jahren zurückzuzahlen und verpflichten sich, ihr Haus innerhalb von fünf Jahren weiter aufzubauen. Wenn ein Einkommen unverschuldet ausfällt, gibt es einen Nothilfefonds. "So ist das Risiko, die Existenz zu verlieren, abgefedert", erklärt Pater Schmitt.

Mehreren Tausend Menschen haben Schmitt und seine Helfer mit den Bauprojekten zu einem neuen Dach über dem Kopf verholfen – in einem menschenwürdigen Umfeld ohne Kriminalität und Gewalt, in dem sich die Nachbarn gegenseitig helfen. Einst geschmähte Vororte Manilas haben immens an Wert gewonnen: Die Menschen, die in Orten wie "Saint Augustin Village" wohnen, werden Eigentümer einer wertbeständigen Immobilie. Was Pater Schmitt besonders freut: Die philippinische Regierung hat nach seinem Vorbild inzwischen ähnliche Siedlungsprojekte in anderen Landesteilen gestartet. Das Lebenswerk von Pater Schmitt –Steyler Missionar, Bauherr, Architekt, Jurist und Verwalter in Personalunion – hat Schule gemacht.

 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
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