Philippinen

Gedemütigt, geohrfeigt und verprügelt

22.10.2012

Am kommenden Samstag jährt sich zum 70. Mal der gewaltsame Tod von Bischof Wilhelm Finnemann SVD. Der Steyler Missionar wird auf den Philippinen als Märtyrer verehrt, weil er der Lokalbevölkerung in der Zeit der japanischen Besatzung Beistand geleistet hat.

Bischof Wilhelm Finnemann SVD
Bischof Wilhelm Finnemann SVD

Der 21. Februar 1942: Er war ein verhängnisvoller Tag für die philippinische Insel Mindoro. Am Morgen noch hatten viele Menschen die heilige Messe in der Hauptstadt Calapan besucht. Mittags zerreißen das wilde Geknatter von Maschinengewehren und das dumpfe Wummern von Artillerie die Stille. Die Japaner sind gelandet.
Schnell machen Gerüchte die Runde, dass die Besatzer Frauen und Mädchen vergewaltigen und jeden töten, der sich ihnen in den Weg stellt. Viele Filipinos flüchten panisch in die Berge. Einer jedoch tritt den Japanern mutig in den Weg: Ein 60-jähriger Missionsbischof. Wilhelm Finnemann ist sein Name.

Als junger Mann kam der gelernte Schuster aus der Lippe-Gemeinde Hultrop zu den Steyler Missionaren
Als junger Mann kam der gelernte Schuster aus der Lippe-Gemeinde Hultrop zu den Steyler Missionaren

Finnemann ist Deutscher: Er stammt aus dem Kreis Soest, aus der Lippe-Gemeinde Hultrop. Dort erlernt er zunächst das Schusterhandwerk, bevor er sich entschließt, Missionar zu werden. Arnold Janssen, der Gründer der Steyler Missionare, fördert ihn. Nach seiner Priesterweihe 1911 wird Finnemann in die Abra-Mission auf die Philippinen gesandt. Er wirkt als Seelsorger, Baumeister und Arzt, bis er 1929 zum Weihbischof von Manila ernannt wird.
1936 wird Wilhelm Finnemann Apostolischer Präfekt von Mindoro, der siebtgrößten Insel der Philippinen. Eine große Herausforderung: Die Sonntagsmessen in den maroden Kirchen auf der Insel sind wenig besucht, es gibt kaum Religionsunterricht, Schisma und Sekten sind verbreitet. „Es fehlt hier an allem“, schreibt Finnemann an seine Verwandten. „Mindoro ist zwei Drittel so groß wie Westfalen und zählt ungefähr 120.000 Einwohner. Es könnte leicht eine Million aufnehmen. Ich muss hier ganz von vorn anfangen.“

Der Bischof im Kreise von Mitbrüdern
Der Bischof im Kreise von Mitbrüdern

Finnemann ist von morgens bis abends beschäftigt und lässt sich trotz aller Arbeit nicht bedienen. Seine Kleidung wäscht der Steyler Missionar selbst – und er duldet nicht, dass reiche Bevölkerungsschichten den Ärmeren vorgezogen werden. Als einmal ein angesehener Bürger verlangt, dass sein Kind in der Kathedrale von Calapan vor dem Hochaltar unter Musikbegleitung getauft werden soll, entgegnet ihm Finnemann: „Gewiss werde ich dein Kind taufen, aber es wird geschehen wie mit allen anderen Kindern auch. Denn das Sakrament ist für alle dasselbe.“

Heute erinnert ein Denkmal auf der Insel Mindoro an den Märtyrertod des Steyler Missionarszoom
Heute erinnert ein Denkmal auf der Insel Mindoro an den Märtyrertod des Steyler Missionars

Bischof Finnemann wird für sein freundliches und bescheidenes Wesen bekannt. Die Menschen mögen ihn. Als die Japaner die Insel einnehmen, flüchtet er nicht, sondern stellt sich entschieden hinter die bedrängte Zivilbevölkerung – und sieht sich deshalb bald einer Welle der Verunglimpfung ausgesetzt. Die Soldaten beschlagnahmen kirchliche Gebäude und verjagen die Heilig-Geist-Schwestern aus ihrem Haus. Als Bischof Finnemann sich weigert, ihnen die Schule und das Schwesternhaus zu übergeben, gibt es kein Halten mehr: Unter dem haltlosen Verdacht der Spionage für Amerika wird Finnemann verhaftet. Die Entdeckung eines kleinen Radios dient als Vorwand.

Auf einem Gedenkstein in Calapan, der Hauptstadt Mindoros, ist Finnemanns Name auf der Liste der verstorbenen Abra-Missionare vermerktzoom
Auf einem Gedenkstein in Calapan, der Hauptstadt Mindoros, ist Finnemanns Name auf der Liste der verstorbenen Abra-Missionare vermerkt

Gedemütigt, geohrfeigt und verprügelt wird der Steyler Missionar abgeführt, in einen dunklen Raum gesperrt. Tagsüber bindet man den Bischof an ein Eisentor vor der Höheren Schule, in der die japanische Garnison stationiert ist. So wird Finnemann den halben Tag lang der brennenden Sonne des tropischen Klimas ausgesetzt. Dann treibt man ihn mit anderen Gefangenen in einen Klassenraum der Schule.
Unter dem Vorwand, ihn zum Verhör in die philippinische Hauptstadt überführen zu wollen, bringen die Besatzer den von Misshandlungen gezeichneten Bischof am 26. Oktober 1942 schließlich auf ein Militärboot. Auf halber Strecke hält das Boot an, der Kapitän und die Besatzung werden von den Japanern unter Deck gebracht und eingeschlossen. Der Bischof wird gefesselt und mit Gewichten aus Eisen beschwert. Dann stößt man ihn ins Wasser.

In Calapan hat man Straßen und Gebäude nach Bischof Wilhelms Finnemann SVD benanntzoom

Der gewaltsame Tod des Steyler Missionars erschüttert nicht nur die Menschen von Mindoro, sondern die gesamte katholische Welt. Bis heute wird auf den Philippinen Wilhelm Finnemanns und seines Einsatzes für die Menschen gedacht. Am 26. Oktober eines jeden Jahres fährt ein Boot von Calapan in Richtung Batangas. Etwa vierzehn Meilen vom Ufer entfernt verstummen die Motoren. Die Passagiere halten inne, ein Blumenkranz wird ins Meer gelassen.
Zum Gedenken an einen Steyler Missionsbischof aus Westfalen, der bis zu seinem Tod für die Rechte der ihm Anvertrauten eingetreten ist.

Markus Frädrich

Verwandte Themen & Beiträge

 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
+49 (0) 2241 / 2576-438
presse@steyler-mission.de

 

Datenschutz  |  Kontakt  | Sitemap  |  Impressum  |  Suche