Deutschland

Weihnachtspost aus aller Welt

19.12.2012

Weihnachtszeit ist die Zeit besonderer Briefe in der Steyler Missionsprokur. Beinahe täglich sind in der Adventszeit in Sankt Augustin Karten und Rundschreiben aus aller Herren Länder eingetroffen. Zum Christfest fassen die Missionare zusammen, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben – und sagen Dank für die Unterstützung ihrer Arbeit. Auch im Namen all jener, denen durch die Großzügigkeit von Wohltätern aus Deutschland geholfen worden ist.

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Wieder einmal hat sich viel getan, in den rund 70 Wirkungsländern der Steyler Missionare rund um den Globus. Das Kindersozialzentrum im russischen Mamonowo etwa, in dem derzeit 30 Mädchen und Jungen betreut werden, ist in neue, größere Räumlichkeiten gezogen. „Die Kinder wollen gar nicht mehr nach Hause gehen“, berichtet Pater Eduard Prawdzik SVD nach einem Besuch seiner früheren Wirkungsstätte. „Vieles hat sich zum Guten verändert.“ Im philippinischen Dorf Maoay freuen sich die Bewohner über einen neuen Tiefbrunnen. „Das ganze Dorf hat nun endlich genügend Wasser für Mensch und Tier“, schreibt Bruder Valentin Grüner SVD. „Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen man kilometerweit zur nächsten Quelle laufen musste.“

Von der indonesischen Insel Flores berichtet Maria Mediatrix Mali, die Direktorin der von Pater Heinrich Bollen SVD mitgegründeten Sozialstiftung YASPEM, unter anderem von erfolgreichen Projekten zur Prävention von Malaria. „Durch unser Engagement haben viele Grundschulen im Sikka-Distrikt begonnen, lokale Informationsveranstaltungen über die Krankheit zu veranstalten“, schreibt sie. „Wir haben sogar ein kleines Buch mit dem Titel „Mengenal Malaria“ herausgegeben, mit dem Kinder an mehr als 90 Schulen über Malaria aufgeklärt worden sind.“

Pater Longinus Schmidt freut sich derweil im ecuadorianischen Guayaquil über die jährliche Kleiderspende der Frauengruppe „Sandkörnchen“. „Seit 1973 bringen mir die Damen kurz vor Weihnachten rund 120 Ausstattungen für Neugeborene – Pakete mit Windeln, Hemdchen, einer Decke, Trinkflaschen und vielem mehr“, schreibt er nach Deutschland. „Diese Geschenke – sozusagen als Gabe für das neugeborgene Jesuskind selbst – leite ich dann an die werdenden Mütter unserer Pfarreien weiter, die in materieller Not sind.“ 3.500 Schwangeren konnte Pater Schmidt auf diese Weise schon ein Weihnachtsgeschenk machen. Dieses Jahr werden wieder einige dazukommen.

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Schwester Clementina Kujur, die Generaloberin des „Social Welfare Centres“ im indischen Indore, das die Steyler Mission seit vielen Jahren unterstützt, schildert in einem Brief, wie sie im Sommer gemeinsam mit 51 Leprakranken das Lepra-Rehabilitationszentrum in Nagpur besucht hat. „Ziel dieser Tage war es, die Kranken fühlen zu lassen, dass sie und ihre Familien nicht alleine und für die Gesellschaft wichtig sind.“ Das Zentrum mit seinem Motto „Gib ihnen eine Chance, nicht Almosen“ habe alle nachhaltig inspiriert. „Es war eine bereichernde Erfahrung“, bilanziert Schwester Clementina. „Der Lebensstil und Optimismus der Menschen dort hat auch unsere Kranken beflügelt.“

Voran geht es auch in der Mangyanenmission auf den Philippinen. Der Steyler Missionar Heribert Lohrengel berichtet in seinem Weihnachtsbrief von einem ausgedehnten Bildungsprogramm, das den Ureinwohnern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen soll. „In 15 Grundschulen hilft die Mangyanenmission der Regierung, indem sie 28 Lehrer zur Verfügung stellt“, schreibt er. „Sie lehren die Kultur und die Bräuche, die Gesetze und die Schrift ihrer Vorfahren.“ Über 250 junge Leute konnten dank des Bildungsprogramms einen anerkannten Abschluss erreichen und arbeiten heute als Grundschullehrer, Elektriker, Krankenschwester oder Anwalt.

Beim allem Erreichten tun sich für die Steyler Missionare auch immer neue Herausforderungen auf. Etwa in Argentinien, wo sich Bruder Hugo Castro um das kleine Dorf Yvy Poty in der Nähe von San Ignacio bemüht. „Die Menschen dort – allesamt Guaranis – leben ohne Wasser und Strom“, berichten Manfred Brauner und Christel Theissen vom Bildungs- und Förderungswerk Pater Josef Marx SVD. „Es gibt dort auch viele Kleinkinder, die unterernährt und krank scheinen.“ Inzwischen habe man immerhin einen Klassenraum errichtet, in dem die Kinder des Dorfes unterrichtet werden können, dazu würden die Guaranis im Bereich der Bienenhaltung geschult. Doch es bleibt noch viel zu tun, um den Familien nachhaltig ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.

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Während im Osten des Kongo die Lage nach der Einnahme der Stadt Goma durch die M23-Miliz zeitweise so instabil wurde, dass der Steyler Missionar Romy Cagatin ins benachbarte Ruanda fliehen musste, sorgte auf der philippinischen Insel Mindanao der verheerende Taifun „Bopha“ mit Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde für Chaos. „Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen“, schreibt Pater Reiner Franke SVD aus Davao City. „Ich habe beschlossen, die traditionelle Verteilung von Weihnachtspaketen an unsere armen Nachbarn dieses Jahr ausfallen zu lassen. Stattdessen werde ich Reis und Medikamente in die betroffenen Gebiete schicken, denn rund 480.000 Menschen in den betroffenen Gebieten haben buchstäblich nichts zu essen. Sie müssen schnell mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Notunterkünften versorgt werden.“

In einem anderen Teil der Welt scheint sich die Situation nach jahrelangen Unruhen etwas beruhigt zu haben: Der emeritierte Erzbischof Raphael Cheenath SVD lebt inzwischen in Andheri, Mumbai, ist in Gedanken aber noch oft bei seiner alten Wirkungsstätte, dem krisengeschüttelten Bundesstaat Orissa. „Die Gedanken an Kandhamal verfolgen mich wie Schatten“, schreibt er nach Deutschland. Immer wieder werde er an die schrecklichen Leiden der Christen dort in den Jahren 2007 und 2008 erinnert. „Es scheint dort nun Frieden zu herrschen“, berichtet er. „Zwar sind Christen weiterhin Bedrohungen durch hinduistische Fundamentalisten ausgesetzt.“ So würden sie etwa daran gehindert, Wasser aus Brunnen und Teichen zu schöpfen oder im Wald Feuerholz zu sammeln. „Dennoch sind die meisten Christen aus ihren Verstecken in die Dörfer zurückgekehrt“, berichtet der Steyler Missionar weiter. „Ihr Glaube ist stark.“

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Im Verlauf eines Jahres können sich Lebenswege entscheidend verändern – davon kann Pater Heinz Kulüke ein Lied singen. Im Frühjahr noch berichtete er mitten aus seiner Arbeit mit Straßenkindern in Cebu City – unter anderem über das traurige Schicksal des jungen Timoy. „Über zehn Jahre lang habe ich ihn betreut“, erinnert sich der Steyler Missionar. „In diesem Zeitraum war Timoy sicherlich acht Mal im Gefängnis, meist wegen kleinerer Diebstähle, des Hungers wegen. Vor zwei Wochen wurde er wieder einmal entlassen. Ich hatte ihm gerade noch neue Kleider gekauft. Drei Tage später wurde er erschossen.“ Im Sommer ist Heinz Kulüke zum neuen Generalsuperior der Steyler Missionare gewählt worden. Vor seinem Umzug nach Rom hat er auf den Philippinen dafür gesorgt, dass seine langjährige Arbeit auf den Deponien und in den Slums, in den Straßen und im Rotlichtmilieu von Mitbrüdern fortgeführt wird. „Regelmäßige Besuche und die modernen Kommunikationsmittel werden es mir ermöglichen, die Entwicklungsprojekt in Cebu weiterhin zu begleiten“, schreibt er.

Die guten Weihnachtswünsche, mit denen alle Missionare ihre Grüße in die deutsche Heimat beschließen, hat der Philippinen-Missionar Pater Leo Schmitt um eine kleine Anekdote ergänzt. „In unserer Pfarrei San Antonio bete ich jeden Morgen mein Brevier in der Kirche“, schreibt er. „Gewöhnlich bin ich dabei von Kindern umgeben. Kürzlich drehte sich ein Junge zu mir um und frage mich, ob ich denn auch eine Frau hätte. ‚Ja, natürlich‘, habe ich geantwortet. ‚Wie heißt sie denn?‘, wurde ich gefragt. ‚Santa Ecclesia Catholica‘, habe ich geantwortet. Ob ich denn auch Kinder hätte, bohrte der Junge weiter nach. ‚Ja, ungefähr zehntausend‘, habe ich geantwortet. Denn so viele Mitglieder umfasst unsere aktuelle Gemeinde. Nach einem kurzem Moment des Schweigens nahm mich der Junge fest in den Blick und sagte: ‚Pater, dann ist deine Frau aber sehr, sehr alt.‘“

Markus Frädrich

 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
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