Deutschland

Weihnachtspost aus aller Welt 2013

17.12.2013

Weihnachtszeit ist die Zeit besonderer Briefe in der Steyler Missionsprokur. Beinahe täglich sind in der Adventszeit in Sankt Augustin Karten und Rundschreiben aus aller Herren Länder eingetroffen. Zum Christfest fassen die Missionare zusammen, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben – und sagen Dank für die Unterstützung ihrer Arbeit. Auch im Namen all jener, denen durch die Großzügigkeit von Wohltätern aus Deutschland geholfen worden ist.

Auf den Taifun „Haiyan“ haben die Steyler Missionare haben mit einer ihrer größten Nothilfekampagnen reagiert
Auf den Taifun „Haiyan“ haben die Steyler Missionare haben mit einer ihrer größten Nothilfekampagnen reagiert

„Haiyan“: Der Name des Taifuns, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 350 Kilometern pro Stunde über die Philippinen hinweg gejagt ist, steht für eine der größten Naturkatastrophen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Seine verheerenden Folgen haben die Fernsehbilder der vergangenen Wochen bestimmt. Die Steyler Missionare haben mit einer der größten Nothilfekampagnen ihrer Geschichte reagiert – und auch die Insel Bohol nicht vergessen, die erst wenige Wochen zuvor von einem starken Erdbeben erschüttert worden war. „Weihnachten ist nahe“, schreibt Pater Eduardo Rocha SVD aus dem Krisenteam der Steyler in Cebu City. „Der Gedanke an Christi Geburt erfüllt die Menschen hier wahrhaftig – durch die aufrichtigen Bemühungen aus aller Welt, das Leid jener mitzutragen, die von den beiden Naturkatastrophen betroffen sind.“

Der Vulkan der indonesischen Insel Palue ist seit einiger Zeit wieder aktiv und zwingt hunderte Menschen zur Flucht
Der Vulkan der indonesischen Insel Palue ist seit einiger Zeit wieder aktiv und zwingt hunderte Menschen zur Flucht

Die Philippinen: Der verheerendste, aber nicht der einzige Schauplatz, an dem sich die Ordensleute 2013 mit der Macht der Natur konfrontiert sahen. Nach einem Vulkanausbruch auf der Nachbarinsel Palue hat sich Pater Heinrich Bollen SVD auf der indonesischen Insel Flores zum Beispiel um Hilfe für die rund 3.000 Flüchtlinge bemüht. „Wir haben mit Lebensmitteln, Fischernetzen und Geräten für den Ackerbau geholfen“, schreibt der Steyler Missionar in seinem Weihnachtsbrief nach Sankt Augustin. „Oft haben uns die Flüchtlinge auch gebeten, das Schulgeld oder die Studienkosten für ihren Nachwuchs zu übernehmen.“

In einer Steyler Pfarrei in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa riss ein gewaltiger Sturm Teile des Wellblechdachs von der Kirche und entwurzelte einen Baum. „Ein Mädchen, das seinen kleinen Bruder aus der Schule abholen wollte, wurde von einem Wellblech getroffen, das sich von einem anderen Haus gelöst hatte, und war sofort tot“, berichtet Pater Methew Thekkeyil SVD. „Die Christen der Pfarrei, die gerade eine Hilfsaktion für die Philippinen gestartet hatten, erlebten - wenn auch in geringerem Maße - eine ähnliche Katastrophe am eigenen Leibe".

Seit fast 30 Jahren macht sich Pater Ewald Dinter für die Mangyanen stark
Seit fast 30 Jahren macht sich Pater Ewald Dinter für die Mangyanen stark

Aller Krisen und Katastrophen zum Trotz wissen viele Missionare gute Nachrichten aus ihren Einsatzgebieten zu erzählen. Pater Ewald Dinter, der sich auf den Philippinen seit fast 30 Jahren für die Volksgruppe der Mangyanen stark macht, berichtet von einer erfolgreichen Klage des Stammes der Hanunoo gegen ein Regierungsministerium. „Die hohen Regierungsbeamten mussten zugeben, dass sie gegen das Minderheitengesetz verstoßen haben“, schreibt Dinter nach Deutschland. „Als Wiedergutmachung haben sie dem Stamm zwei Schweine und zehn Säcke Reis geschenkt. Ein Erfolg, der groß gefeiert wurde.“

Wie viele seiner Mitbrüder freut sich auch Bruder Valentin Grüner in seiner Weihnachtspost über Erfolge im Kleinen: In Lacub, einer abgelegenen Pfarrei in den Bergen der philippinischen Provinz Abra, konnte er eine Trinkwasseranlage errichten. „Der Transport der sechs Meter langen Rohre in einem Jeep war schwierig, denn die Straße ist steil und hat viele abenteuerliche Kurven“, schreibt der Steyler Missionar . „Aber gegen Willenskraft und Begeisterung kommt keine noch so schwierige Straße an. Mit der unermüdlichen Hilfe der Lokalbevölkerung konnten wir in fünf Wochen die drei Kilometer lange Leitung verlegen. Als das erste Wasser floss, war das Staunen und die Freude überwältigend.“

Pater Hugo Tewes unterwegs in seiner kongolesischen Pfarrei „Notre Dame d’Afrique“
Pater Hugo Tewes unterwegs in seiner kongolesischen Pfarrei „Notre Dame d’Afrique“

Auch Pater Hugo Tewes hat im Kongo mithilfe von Spendengeldern aus der Heimat wieder viel Gutes bewegen können. „Vieles geht direkt an arme und bedürftige Menschen, die fast täglich bei mir anklopfen“, berichtet er. „Arme und Kranke, körperlich oder geistig Behinderte; alleinstehende Frauen oder Mütter, Leute, die einfach nur Hunger haben; andere, die ihre medizinische Versorgung nicht bezahlen können; Familien oder Einzelpersonen, die Geld brauchen, um die Miete zu bezahlen; Kinder oder deren Eltern, die zu arm sind, um das Schulgeld zu bezahlen; aber auch Arbeitslose, die um einen Kredit bitten, um einen kleinen Handel anfangen zu können.“

Für Tewes war die Wahl von Papst Franziskus eines der Ereignisse, die das Jahr 2013 entscheidend geprägt haben. „Vom neuen Papst war ich im ersten Augenblick enttäuscht, als ich hörte, dass er bereits 76 Jahre alt ist“ schreibt Tewes. „Aber als ich dann las und hörte, mit welch unkonventioneller und unkomplizierter Art er sein Amt angetreten hat und führt, hat er schnell meine Sympathien gewonnen.“

Für Pater Michael Heinz aus Bolivien war indes der eigene Geburtstag eines der schönsten Ereignisse des Jahres – denn feiern durfte er auf 4.100 Metern Höhe, in El Alto, der drittgrößten Stadt Boliviens, wo die Steyler Missionare ein Haus für Straßenkinder unterhalten. „Der Zufall wollte es, dass zwei Mädchen aus dieser Einrichtung – Jessica und Marilyn – am selben Tag Geburtstag hatten“, berichtet Pater Heinz. „So gab es für alle Kinder und Jugendlichen im Haus eine große Geburtstagstorte.“

Zum 100. Geburtstag der Steyler auf der indonesischen Insel Timor ist ein Gedenkstein errichtet worden
Zum 100. Geburtstag der Steyler auf der indonesischen Insel Timor ist ein Gedenkstein errichtet worden

Überhaupt: Geburtstage. Pater Anton Kappler erinnert aus dem indonesischen Maumere daran, dass sich in diesem Jahr das Engagement der Steyler Missionare auf den Inseln Flores, Timor, Adonara, Lembata und Solor zum 100. Mal gejährt hat. „Unser Generalsuperior hat sich am 8. September zu uns auf den Weg gemacht“, berichtet Pater Kappler. „Nicht nur zum Feiern, sondern auch um dafür zu danken, dass die Kirche auf Flores und Timor gute Früchte hervorgebracht hat. Die Kirche lebt: Wir Missionare dürfen neben unserer Arbeit als Seelsorger auf sozialem, erzieherischem und medizinischem Gebiet wirken. Der erste Dank dafür gilt dem Herrn.“

Auch Pater Bernhard Müller berichtet begeistert von den Jubiläumsfeierlichkeiten, bei denen vor allem das Gedenken an vergangene Missionarsgenerationen im Mittelpunkt stand, „die – oft unter großen Kraftanstrengungen – die Fundamente gelegt haben für die heutigen, eigenständigen Kirchen auf Flores und Timor“. Das bunte Volksfest auf der Insel Adonara habe allerdings im Schatten blutiger Ausschreitungen gestanden: Auf der Insel Solor hatte jemand ein Gerücht verbreitet, wonach Christen im benachbarten muslimischen Dorf ein Gebetshaus angezündet hätten. „Ohne dem Gerücht nachzugehen – es war freilich nur ein Gerücht – wurde das christliche Dorf angegriffen, geplündert und gebrandschatzt, wobei ein älterer, behinderter Mann in seinem brennenden Haus umkam“, so Müller. „Humane Werte gehen in einer von unbeherrschten und irrationalen Emotionen aufgeladenen Atmosphäre unter.“

Seit 75 Jahren engagieren sich die Steyler Missionare in Ghana
Seit 75 Jahren engagieren sich die Steyler Missionare in Ghana

Ihren 75. Geburtstag haben in diesem Jahr die Steyler in Ghana gefeiert. „Die Steyler haben zu einer ständigen Entwicklung der hiesigen Kirche beigetragen“, meint Pater Wladyslaw Madziar, Rektor des „Common Formation Centres“ im ghanaischen Tamale. „Wir danken Gott und unseren Helfern und Wohltätern, die diese Entwicklung möglich machten.“ Und noch immer sind die Missionare vor Ort nicht müde, neue Herausforderungen anzugehen: Kumbungu ist der Name einer neuen Pfarrei etwa 15 Kilometer von Tamale entfernt, die sie vor Kurzem eröffnet haben. „Es gibt nur wenige Christen in Kumbungu“, schreibt Pater Madziar. „Dennoch motiviert uns ihr großer Enthusiasmus sehr, mit ihnen den Weg des Glaubens zu gehen.“

Der aktuelle Generalsuperior der Steyler Missionare Heinz Kulüke während seiner Zeit als Philippinen-Missionar in Cebu
Der aktuelle Generalsuperior der Steyler Missionare Heinz Kulüke während seiner Zeit als Philippinen-Missionar in Cebu

Es ist dieser optimistische Ton, der viele Weihnachtsbriefe der Missionare bestimmt – begleitet von aufrichtigem Dank an alle Unterstützer und Förderer , die den engagierten Einsatz der Steyler für Aidskranke und Flüchtlinge, Hungernde und Arme, Straßenkinder und Häftlinge weltweit überhaupt erst möglich machen. Heinz Kulüke, der aktuelle Generalsuperior der Steyler Missionare, blickt in seinem Weihnachtsbrief etwa auf einen Samstagsgottesdienst auf der Mülldeponie in Mandaue City zurück: „Ich frage die etwa 200 Kinder: ‚Wer von euch geht zur Schule?‘ Fast alle Kinder im Schulalter zeigen auf. Die strahlenden Gesichter dabei sprechen für sich. Im Hintergrund stehen die stolzen Eltern. Vor etwa zehn Jahren habe ich einmal dieselbe Frage auf dieser Mülldeponie gestellt. Kaum eines der Kinder zeigte damals auf. Die Großzügigkeiten von Menschen in der Heimat hat uns geholfen, all diesen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Markus Frädrich

Facebook Like aktivieren
 

Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
+49 (0) 2241 / 2576-438
presse@steyler-mission.de

 

Startseite  |  Kontakt  | Sitemap  |  Impressum  |  Suche