Deutschland

Weihnachtspost aus aller Welt 2015

17.12.2015

Weihnachtszeit ist die Zeit besonderer Briefe in der Steyler Missionsprokur. Brüder und Patres aus vielen Steyler Wirkungsländern wünschen gesegnete Feiertage – und blicken auf das Jahr 2015 zurück.

„Unser Christkind ist schon angekommen“, schreibt Bruder Bernd Ruffing aus dem thailändischen Nong Bua Lamphu. Dann erzählt er von Bay Foern, einem kleinen, HIV positiven Mädchen, das am Freitag vor dem zweiten Advent von Mitarbeitern des Jugendamtes zum „Mother of Perpetual Help Center“ der Steyler Missionare gebracht worden ist. „Da hatte Bay Foern schon eine lange ‚Herbergssuche‘ hinter sich“, so Bruder Ruffing. „Zwei staatlich geführte Kinderheime hatten sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustands abgelehnt.“ Mit ihren 12 Jahren bringt Bay Foern gerade mal 12 Kilo auf die Waage. „Aber ihre großen Augen drücken aus, dass sie leben will“, schreibt Bruder Ruffing. „Es war gar keine Frage, dass wir ihr die Tür geöffnet haben.“

Selbst zum Sprechen ist Bay Foern zu schwach. Wenn man sie fragt, wie es ihr geht, reckt sie ihren Daumen entweder nach oben oder nach unten. „Seit einer Woche zeigt sie ihren Daumen wieder nach oben“, freut sich Bruder Ruffing. „Wir sagen dann jedes Mal ‚Kop khun prachauw‘, das bedeutet ‚Gott sei Dank‘ – und entlocken ihr damit ein Lächeln.“

Pater Hugo Tewes kritisiert die Hetzbotschaften der ‚Erweckungskirchen‘ im Kongo und sieht in ihnen eine Ursache für die Straßenkinderproblematik in Kinshasa. (Foto: SVD)zoom
Pater Hugo Tewes kritisiert die Hetzbotschaften der ‚Erweckungskirchen‘ im Kongo und sieht in ihnen eine Ursache für die Straßenkinderproblematik in Kinshasa. (Foto: SVD)

Geschichten wie jene von Bay Foern prägen die vielen Weihnachtsbriefe, die in diesen Tagen in der Steyler Missionsprokur eintreffen. In Karten und Rundschreiben aus aller Herren Länder lassen Steyler Missionare das ausklingende Jahr Revue passieren und berichten davon, was sie besonders bewegt hat.

Dazu gehören auch traurige Ereignisse. „Der Krieg im Osten des Landes nimmt immer noch kein Ende und die allgemeine Sicherheitslage lässt sehr zu wünschen übrig“, schreibt Pater Hugo Tewes aus dem Kongo. „Viel Elend verursachen auch die sogenannten ‚Erweckungskirchen‘. Sie spalten Familien und tragen dazu bei, dass wir in Kinshasa so viele Straßenkinder haben. Denn die Pastöre dieser Sekten bezichtigen viele Kinder der Hexerei, woraufhin diese von ihrer Familie verstoßen werden.“

Der Chile-Missionar Bruder Paul Oden erinnert sich immer noch mit Schrecken an das große Erdbeben im vergangenen Jahr, das große Schäden in den Einrichtungen der Steyler Missionare von Iquique verursacht hat. „Den Huellitas-Kindergarten mussten wir ganz abreißen“, schreibt Bruder Paul. „Aber wir wollen nicht mutlos werden und schauen mit Freude in die Zukunft: Voller Hoffnung, Begeisterung und mit neuen Plänen für die Kinder und Jugendlichen in unserer Obhut.“

Pater Mariusz Pacula freut sich über neue Matratzen für das Jugendwohnheim, das er im Norden Ghanas betreut. (Foto: SVD)zoom
Pater Mariusz Pacula freut sich über neue Matratzen für das Jugendwohnheim, das er im Norden Ghanas betreut. (Foto: SVD)

Überhaupt: Aus vielen Weihnachtsbriefen spricht Freude und Optimismus. Der Steyler Missionar Mariusz Pacula freut sich über neue Betten und Matratzen für das Jugendwohnheim, das er im Norden Ghanas betreut. Pater Nicholas Arul Anand berichtet begeistert von seiner frisch renovierten Kirche. Bewohnerinnen eines Mädcheninternats im indischen Bundesstaat Tamil Nadu bedanken sich für neue Solarzellen auf dem Dach.

Für Bruder Valentin Grüner war die Einweihung einer kleinen Kirche im philippinischen Bergdorf Agsimao-Tineg einer der Höhepunkte des Jahres: „Morgens um 3 Uhr fuhren wir am 7. Mai mit Allradfahrzeugen in die Berge – und waren nach fünf Stunden Fahrt gerade noch rechtzeitig an Ort und Stelle. Es war ein unvergessliches Fest.“

Pater Konrad Kebung freut sich, dass im Priesterseminar Ledalero auf der indonesischen Insel Flores 17 Steyler Neupriester geweiht worden sind. „Außerdem wird hier bei uns Ende des Jahres ein Internat für 30 bis 35 Jugendliche fertig, deren Dörfer zu weit entfernt liegen, als dass sie sonst eine weiterführende Schule besuchen könnten“, schreibt Pater Kebung nach Deutschland.

Pater Michael Heinz auf der Steyler Modellfarm im bolivianischen Osten. 2015 hat die Farm tierischen Nachwuchs bekommen. (Foto: Achim Hehn/SVD)zoom
Pater Michael Heinz auf der Steyler Modellfarm im bolivianischen Osten. 2015 hat die Farm tierischen Nachwuchs bekommen. (Foto: Achim Hehn/SVD)

„Wie auf der Arche Noah“ fühlt sich der Steyler Bolivien-Missionar Michael Heinz: Die Steyler Modellfarm im Osten des Landes verfügt nicht nur über eine stattliche Zahl von Rindern, sondern inzwischen auch über Lämmer, Schafe, Hühner und Enten. „In unserem Jungeninternat ‚Casa San José‘, dem der Erlös aus den Erträgen der Farm zugutekommt, wohnen neuerdings auch drei Schildkröten, die wir vor dem Kochtopf gerettet haben“, berichtet Pater Heinz. „Nicht zu vergessen die drei Kaninchen, die sich recht gut mit den beiden Hunden vertragen.“

Die Dreharbeiten zum Film „Endstation Müll“, für den ein deutsches Filmteam Pater Heinz Kulüke in Cebu City begleitet hat. (Foto: Andreas Kuno Richter)zoom
Die Dreharbeiten zum Film „Endstation Müll“, für den ein deutsches Filmteam Pater Heinz Kulüke in Cebu City begleitet hat. (Foto: Andreas Kuno Richter)

Während sich das Bildungs- und Förderungswerk Pater Josef Marx SVD wieder unermüdlich für die Ernährung, Gesundheit und Bildung von Guarani-Indianern in Argentinien eingesetzt hat, ist Pater Heinz Kulüke dankbar für die große Resonanz, die der Film „Endstation Müll“ gefunden hat. Er lief Mitte des Jahres auf RTL und n-tv und zeigte, wie sich die Steyler auf der philippinischen Insel Cebu für jene stark machen, die am Rand der Gesellschaft stehen. „Wir sind inzwischen in der Lage, jährlich zwischen 1.500 und 2.000 Kindern, die auf der Müllkippe von Cebu City aufwachsen, den Besuch einer Schule zu ermöglichen“, schreibt der Generalsuperior in seinem Weihnachtsbrief. „Schon 60 Euro reichen aus, um ein Kind ein Jahr lang in der Grundschule zu fördern. In der Mittelschule sind es für denselben Zeitraum 100 Euro.“

Pater Ulrich Schlecht wünscht sich, dass Flüchtlinge in Deutschland gut aufgenommen werden. (Foto: SVD)zoom
Pater Ulrich Schlecht wünscht sich, dass Flüchtlinge in Deutschland gut aufgenommen werden. (Foto: SVD)

Ihre Weihnachtswünsche und ihren großen Dank für die Unterstützung, die sie im Jahr 2015 bei ihren Projekten erfahren haben, verbinden viele Missionare mit Zeilen zur aktuellen Flüchtlingskrise in Europa. Pater Hugo Tewes hat seinen Weihnachtsbrief mit einem Bild versehen, das in der Kirche „seiner“ kongolesischen Pfarrei Notre Dame d’Afrique hängt. Es zeigt die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Mit Blick auf die zunehmende Zahl fremdenfeindlicher Anschläge in Deutschland schreibt Tewes: „Herodes stirbt nicht aus. Wenn mir jemand unbequem wird, versuche ich, ihn aus dem Weg zu räumen. Die jüngsten Terroranschläge in Paris und in Bamako, aber auch die Terrorandrohungen in Hannover und Belgien haben die Debatte um die Flüchtlingsproblematik weiter angeheizt. Es ist traurig, dass Menschen zu solchen Gräueltaten fähig sind.“

„Ich hoffe und bete, dass die vielen Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, weiterhin gute Aufnahme finden und ihnen die Hilfe angeboten wird, die sie so dringend brauchen“, schreibt Pater Ulrich Schlecht aus Cebu City – und lobt die herzliche Art, mit der Flüchtlinge vielerorts in Deutschland empfangen worden sind.

Markus Frädrich

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Melanie Pies-Kalkum

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