Deutschland

Heimatbasis und Sicherheitsnetz, Teil 1

03.01.2017

Die Missionsprokur der Steyler Missionare in Deutschland feiert am 13. Januar 2017 ihr 50-jähriges Bestehen als eigenständige gemeinnützige Rechtsperson. Der erste Teil unseres großen Rückblicks.

Bruder Karl Schaarschmidt erinnert sich dankbar daran, wie sehr ihn die Steyler Missionsprokur in Sankt Augustin in seinen Pioniertagen in Kenia unterstützt hat. (Foto: SVD)
Bruder Karl Schaarschmidt erinnert sich dankbar daran, wie sehr ihn die Steyler Missionsprokur in Sankt Augustin in seinen Pioniertagen in Kenia unterstützt hat. (Foto: SVD)

Als Bruder Karl Schaarschmidt 1985 als einer der drei ersten Steyler in den Norden Kenias ging, gab es dort: Nichts. Keine Kirche. Kein Missionshaus. Dafür ziemlich viel Halbwüste.

„Wir brauchten Wasser, wir brauchten Licht“, blickt Bruder Schaarschmidt zurück. „Wir brauchten Baumaterial, um ein Wohnhaus für die Patres, Brüder und Schwestern zu errichten, und später Handwerker- und Hauswirtschaftsschulen für die Jugendlichen aus der Region. Für die Schulen wiederum brauchten wir Maschinen und Werkzeuge, Näh- und Strickmaschinen.“

Dankbar erinnert sich Bruder Schaarschmidt daran, wie sehr ihn die Steyler Missionsprokur in Sankt Augustin in diesen Pioniertagen unterstützt hat. „Die Prokur hat uns alles besorgt, was wir brauchten, und dann in Containern nach Kenia verschifft“, erzählt er. „Sie war eine große Unterstützung bei unserer Arbeit – und sie ist es heute noch. Als Bindeglied zwischen Heimat und Mission hilft sie uns enorm bei unserem Einsatz vor Ort.“

"Ohne die Missionsprokur wären die Kirche und die Welt ein ganzes Stück ärmer", sagt der Steyler Generalsuperior Pater Heinz Kulüke SVD. (Foto: Heinz Helf)
"Ohne die Missionsprokur wären die Kirche und die Welt ein ganzes Stück ärmer", sagt der Steyler Generalsuperior Pater Heinz Kulüke SVD. (Foto: Heinz Helf)

Was ist das für eine Einrichtung, von der Bruder Reiner Theißen in Steyl meint, sie baue „Brücken zwischen Ländern und Kulturen, von A wie Angola bis Z wie Zambia“? Von der Pater Franz-Josef Eilers auf den Philippinen schreibt, sie sei für die weltweite Gemeinschaft der Steyler Missionare „so wichtig wie der Mutterboden für die Pflanze“? Und die den aktuellen Steyler Generalsuperior Pater Heinz Kulüke in Rom feststellen lässt, Kirche und Welt seien ohne sie „ein ganzes Stück ärmer“?

Die Steyler Missionsprokur, die 2017 feiert, dass sie seit 50 Jahren eine eigene gemeinnützige Rechtsperson ist, hat im Wesentlichen drei Aufgaben. Erstens sorgt sie für jene Missionare, die in anderen Teilen der Welt im Einsatz sind. Zweitens generiert sie finanzielle Unterstützung für deren vielfältige missionarische Anliegen – egal ob pastoraler oder sozialer Art. Drittens hält sie durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit den missionarischen Gedanken wach.

Seit 1967 ist sie eine eigenständige Rechtsperson - doch die Anfänge der Missionsprokur liegen wesentlich weiter zurück. (Foto: SVD)
Seit 1967 ist sie eine eigenständige Rechtsperson - doch die Anfänge der Missionsprokur liegen wesentlich weiter zurück. (Foto: SVD)

Nicht immer war Sankt Augustin Sitz der Missionsprokur. Ihre Anfänge führen an den Gründungsort der Ordensgemeinschaft: ins niederländische Steyl. Hier setzte Arnold Janssen 1886 Pater Johannes Schaaf als ersten Vorsteher der Missionsprokur ein, bis ihm 1893 mit Pater Hermann auf der Heide jener Missionsprokurator folgte, der sein Amt am Längsten ausübte: stattliche 37 Jahre lang.

Fritz Bornemann beschreibt in seiner Arnold-Janssen-Biografie, wie die Missionsprokur in Steyl unter Pater Hermann auf der Heide aufblühte: „In der Missionsprokur wurden die Gelder der einzelnen Missionsgebiete verwaltet, neue Geldquellen erschlossen und Sammlungen organisiert. An sie wandten sich die Oberen der überseeischen Gebiete und die einzelnen Missionare mit ihren Wünschen, vom Bleistift bis zur Druckmaschine, vom Hammer bis zum Kirchenfenster. Nur große Objekte kamen vor den Generalsuperior und seinen Rat. Hunderte von Kisten, später Tausende, wurden jedes Jahr gepackt und verschifft. Die Korrespondenz zählte mehrere 10.000 Stücke. Zur Zeit der Ausfahrt der Priester, Brüder und Schwestern war die Missionsprokur die meistgesuchte Stelle in Steyl.“

„Wie ungeheuer ist die Aufgabe, welche der Prokur obliegt!", schreibt Arnold Janssen, in der Steyler Ordensgründer. in einem seiner Briefe.
„Wie ungeheuer ist die Aufgabe, welche der Prokur obliegt!", schreibt Arnold Janssen, in der Steyler Ordensgründer. in einem seiner Briefe.

Arnold Janssen schreibt selbst in einem seiner Briefe: „Wie ungeheuer ist die Aufgabe, welche der Prokur obliegt! Es werden circa 1.000 meist ziemlich große Kisten in die Missionen verschickt. Zwei Schreiner sind ununterbrochen damit beschäftigt, diese Kisten herzustellen. Welch kolossale Arbeit für die Prokur, sich die Dinge zu verschaffen, die in jene Kisten gehören.“

Pater auf der Heide wird als kleiner, stiller und oft kränklicher Mann beschrieben, der seine Aufgabe mit großer Bescheidenheit und Gelassenheit erledigte. „Er arbeitete pünktlich und zuverlässig“, heißt es im Steyler Missionsboten 1929/30. „Bei ihm lag alles in guten Händen. Unermüdlich war er tätig, mit unzähligen Bittbriefen den Missionaren neue Freunde und Wohltäter zu werben und für eingegangene Gaben zu danken. Stunde um Stunde konnte man ihn Tag für Tag an der Schreibmaschine finden, während Briefe auf Briefe sich neben ihm anhäuften. Es war kaum zu begreifen, wie rasch und doch still er arbeitete.“ Im Sommer und Herbst, wenn sich in Steyl mehr als hundert Priester, Brüder und Schwestern zur Ausreise rüsteten, sei es in der Missionsprokur wie in einem Bienenstock zugegangen, heißt es im Missionsboten weiter. „Unter der Leitung Pater auf der Heides klappte immer alles vorzüglich.“

Das rheinische Sankt Augustin. (Foto: SVD)
Das rheinische Sankt Augustin. (Foto: SVD)

Pater auf der Heide behielt sein Amt bis zu seinem Tod am 21. Januar 1930. Dann wurde seine Arbeit zunächst von Pater Anton Balkenhol fortgeführt, der allerdings 1936 vom damaligen Generalsuperior Josef Grendel beauftragt wurde, die Interessen der Steyler Missionare gegenüber staatlichen Stellen in Berlin zu vertreten. So übernahm Pater Heinrich Meyer das Amt, der bis dahin Rektor des Steyler Gymnasiums St. Xaver in Bad Driburg gewesen war. Im Rahmen der Dezentralisierungsbeschlüsse beim Generalkapitel 1947 keimte der Plan auf, die Missionsprokur ins rheinische Sankt Augustin zu verlagern. Mit der Umsetzung beauftragte man Pater Paul Jung. Der Steyler Missionar hatte bereits zuvor einige Jahre lang eine zweite, improvisierte Missionsprokur in Sankt Augustin geleitet. Grenzschwierigkeiten und Devisenfahndung hatten ihre Errichtung auf deutschem Boden notwendig gemacht.

Pater Jung, der als Theologen-Präfekt maßgeblich am Wiederaufbau des Missionspriesterseminars in Sankt Augustin beteiligt gewesen war, musste zunächst ein ganz wesentliches Problem lösen: Er hatte keine Belegschaft, denn die Druckerei in Steyl band alle alten Kräfte der Missionsprokur. Hilfe fand Jung unter den heimkehrenden Chinamissionaren, aber schnell war klar: Es bedurfte der Verstärkung von „außen“. So stellte die Prokur, in der bisher ausschließlich Steyler Missionare gearbeitet hatten, die ersten bezahlten Laienkräfte an: Sekretärinnen. Eine damals nicht unumstrittene Entscheidung.

Pater Jung hatte es bereits in den Kriegsjahren 1939 und 1940 mit viel Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick geschafft, die Ausreise und Ausrüstung mehrerer hundert Missionare zu organisieren: über Sibirien nach China, Ostasien und sogar nach Südamerika. Die Kontakte von damals kamen ihm nun, im außenpolitisch völlig isolierten Nachkriegsdeutschland, sehr zugute. Die Wirtschaftsgesetze der Alliierten erschwerten den Kontakt mit den Missionen. Dennoch fand Pater Jung Möglichkeiten, Neu-Missionare zu entsenden und erste Geldsendungen in die Mission zu leiten.

Unter Pater Nottebaum wird die Missionsprokur zur eigenständigen gemeinnützigen Rechtsperson. (Foto: SVD)
Unter Pater Nottebaum wird die Missionsprokur zur eigenständigen gemeinnützigen Rechtsperson. (Foto: SVD)

1959 übernahm Pater Adam Nottebaum die Missionsprokur in Sankt Augustin. Als er seinen Dienst antrat, befand sich die Missionsprokur in einem Zwei-Zimmer-Häuschen im Klosterpark. Als er 1967 abtrat, war aus der Prokur ein zweistöckiges Bürohaus geworden – und ein Dienstleistungsbetrieb für die Mission. 

Obwohl er nie Finanzwissenschaft studiert hatte, war Pater Nottebaum ein Macher und Visionär, der sich unermüdlich für „seine Missionare“ und deren Versorgung einsetzte und von dem wesentliche Impulse für den Aufbau und die Organisation der heutigen Prokur ausgingen: Seine Unterschrift und die Namen seiner Mitbrüder Gebhard Schnetz, Wilhelm Fließgarten und Paul Henke besiegelten am 12. Januar 1967 das Dokument zur Errichtung einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Die „Steyler Mission – Gemeinnützige Gesellschaft für Auswärtige Missionen mbH“. Gemeinnützig war die Missionsprokur bereits seit 1927 gewesen, als Teil des Steyler Unternehmens „Soverdia GmbH“. Nun gliederte man sie – wie einige Jahre zuvor das Steyler Missionssparinstitut St. Augustin, dessen Gründung ebenfalls von Pater Nottebaum ausging, und die „Stiftung Haus der Ruhe“ – aus der Soverdia aus. Die Missionsprokur wurde zur eigenständigen gemeinnützigen Rechtsperson.

Markus Frädrich

Die Fortsetzung dieses Artikels erscheint in der kommenden Woche.

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Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
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