Indien

„Mein Ziel ist es, eine 'Family of Families' zu erschaffen.“

14.08.2017

Bischof Chacko Thottumarickal ist Steyler Ordensmann und Bischof in Indore, dem ersten Anlaufpunkt der Steyler in Indien. Mittlerweile besteht die Diözese aus 62 Priestern, 25 Missionaren und etwa 400 Schwestern. Zu Besuch in Sankt Augustin berichtet er von seiner Arbeit und den Problemen, die ihm in Indien begegnen.

Die Steyler gingen, als sie nach Indien kamen, zuerst nach Indore. Spürt man davon noch etwas?

Ja, natürlich. Es fühlt sich an als seien wir das Mutterhaus der Steyler in Indien. Eine Basisstation.

Sie sind Bischof, aber auch Steyler. Was ist anders?
Als Steyler sorgt man sich als erstes um die Steyler und danach erst um die anderen. Im Gegenteil dazu bin ich als Bischof für alle Menschen in meiner Diözese verantwortlich. Der Horizont ist weiter.

Bischof Chacko vor den beiden Schutzheiligen der Steyler Missionare. (Foto: SVD)zoom
Bischof Chacko vor den beiden Schutzheiligen der Steyler Missionare. (Foto: SVD)

Bei den vielen politischen Spannungen auf der Welt zurzeit stellt sich uns nun die Frage, ob sie auch bei Ihnen zu spüren sind. Wie ist die aktuelle politische Situation in Indien?

Ehrlich gesagt ist die derzeitige Lage etwas beunruhigend. Manche Menschen sind sehr unfreundlich gegenüber Christen. Einige kleine Hindugruppen sind arrogant und schaffen dadurch viele Probleme für uns Christen.

Wirkt sich diese Situation auch auf Sie aus? Welche Probleme begegnen Ihnen in Ihrer Diözese?
Ein großes Problem ist die große Schere zwischen arm und reich. Es gibt sehr viele arme Menschen, die auch politisch nicht akzeptiert werden. Insgesamt leben 300 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Unsere Kirche ist für alle da, aber vor allem für die Armen, da sie oft keine weitere Unterstützung bekommen. Einigen denken deshalb jedoch, dass wir diese Menschen nur ausbeuten wollen. Andere hingegen, nutzen bloß unsere Angebote und Vorteile, ohne etwas dafür geben zu wollen.

Sind diese Dinge auch bei Ihrer Arbeit persönlich präsent? Welche Probleme begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit als Bischof?

Tatsächlich eigentlich keine. Die Menschen, die mich umgeben sind sehr glücklich und dankbar für die Hilfe und Zuwendung, die wir ihnen geben. Da tauchen nur ganz selten mal Probleme auf.

Sie haben eben die aktuell politisch kritische Lage in Ihrem Land angesprochen. Wie arbeitet die Kirche mit der lokalen Regierung zusammen, um die Situation in Ihrer Diözese zu verbessern?
Es gibt Programme für arme Menschen, wie z.B. Hausbauprojekte. Außerdem Informieren wir unsere Gemeindemitglieder regelmäßig über Hilfen der Regierung. Wir bieten Unterstützung an für das Ausfüllen von Formularen und Anträgen. Zudem sind wir Träger einiger guter Schulen, die wir auch für Geringverdiener-Kinder öffnen. Auf diese Weise arbeiten wir indirekt mit der Regierung zusammen, indem wir einen Teil ihrer Aufgaben übernehmen bzw. unterstützen. Eine direkte Zusammenarbeit ist von der Regierung nicht erwünscht, da dort immer noch die Auffassung herrscht, unser einziges Ziel sei es, die ganze Bevölkerung zu Christen zu konvertieren.

Was sind die pastoralen Hauptaktivitäten Ihrer Diözese?

Wir haben eine Vielzahl an Programmen, die das Leben unserer Gemeindemitglieder erleichtern soll. Zum einen gibt es einige Projekte für Kinder und Jugendliche. Zum anderen bieten wir aber auch Trainings rund um das Thema Heirat an. Außerdem gibt es natürlich auch Bibelgruppen und spirituelle Sitzungen.

Nun wollen wir einen Blick in die Zukunft werfen: Welche Projekte sollten aus Ihrer Sicht noch gestartet werden?
Zurzeit arbeiten wir an einem neuen Programm, dass die Botschaft Jesu für jedermann hör- und sichtbar wird. Es gibt eine TV-Übertragung in der Landessprache Hindi. Im Moment befinden wir uns noch bei den Aufnahmen. Zu diesem Zweck sollen auch die Talente der Kinder und Jugendlichen mit eingebunden werden, wie z.B. Tanzaufführungen oder Gesangsgruppen.

Des Weiteren sollte in meinen Augen mal ein Projekt gestartet werden, das auch Menschen mit anderen Religionen mit einbindet. Das könnten beispielsweise interreligiöse Feste oder Gebetsrunden sein. So würde die Freundschaft zwischen den verschiedenen Gemeinden gestärkt und der Friede zwischen ihnen gefördert.

Das ist ein schöner Gedanke. Vielleicht ist es eine Idee, die die Steyler Missionare in Zukunft umsetzen können. Haben Sie zusätzlich irgendwelche Wünsche an die Steyler Mission?

Es ist sehr wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und den Austausch untereinander zu fördern. Das sollte mehr hervorgehoben werden. Die Steyler als internationale Familie muss besser vermarktet werden. Außerdem sollten wir mehr füreinander beten.


Das MaZ-Programm gefällt mir sehr gut, da es den Austausch junger Menschen fördert und ihnen die Türen zur Welt öffnet. Außerdem gefällt mir die Missionschronik. Sie verdeutlicht wunderbar das Bild der internationalen Familie der Steyler.

Was ist Ihre Vision für Ihre Diözese?
Meine Vision ist es, alle Menschen als eine Familie zusammenzubringen. Ich möchte sie für Jesus öffnen und dass sie vertrauen in ihn haben. Mein Ziel ist es, eine „Family of Families“ zu erschaffen.

Miriam Heppekausen
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Melanie Pies-Kalkum

Medienredaktion
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