Kenia

"Als Missionare geben wir den Leuten einen Anstoß und machen Mut."

20.11.2017

Seit 30 Jahren lebt Bruder Karl Schaarschmidt SVD in Kenia und seit zehn Jahren in einer Pfarrei in Nairobi. Vorher leitete er eine große Schreinerei und Mühlenfabrik auf den Philippinen. Um sich umzuorientieren, nahm er eine neue Aufgabe an: Die Neugründung einer Mission in Kenia.

Bruder Karl Schaarschmidt SVD, Missionar in Kenia (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)zoom
Bruder Karl Schaarschmidt SVD, Missionar in Kenia (Foto: Melanie Pies-Kalkum/SVD)

In welcher Situation haben sich die Menschen befunden, als Sie in Nairobi angekommen sind?

Die Einwohner waren der Stamm der Borana. Das sind Nomaden, die nur von Tieren leben. Die Boranas haben sich mit einem somalischen Klan verbündet und zusammen wollten sie sich von Kenia trennen. Dagegen hat die kenianische Regierung gekämpft und die Somalis zurückgetrieben in ihr eigenes Land.
Zur Strafe nahm man den Boranern die Tiere weg, wodurch das Volk sehr arm wurde. Als ich dort ankam, haben wir jeder Familie drei Ziegen und zwei Schafe gegeben. Damit konnten sich die Boraner langsam wieder eine Herde heranziehen. So taten wir alles, um den ganzen Volksstamm wieder lebensfähig zu machen. Durch den Einfluss der Somalis war die Gegend überwiegend von islamischer Bevölkerung geprägt.

Auf welche Schwierigkeiten sind Sie in einem Ort mit hohem islamischen Bevölkerungsanteil gestoßen, den christlichen Glauben zu missionieren?

Ab und zu haben Muslime aus Saudi Arabien versucht, unsere Mission zu unterbinden und gegen die Missionare zu hetzen. Aber die Einwohner haben die Missionare immer beschützt, weil wir ihnen geholfen und eine Berufsausbildung gegeben haben. Dadurch waren wir sicher vor diesen Muslimen.

Leben in einem Slum vor Ort (Foto: SVD)zoom
Leben in einem Slum vor Ort (Foto: SVD)

Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis, wo gegen Ihre Mission agiert wurde?

Einmal wurde ich vor den District Superior in Gabatula vorgeladen. Ich wurde angeklagt, die Menschen zur Taufe zu zwingen und den katholischen Glauben anzunehmen. Das konnte ich zurückweisen, weil ich keinen Religionsunterricht gegeben habe. Ich habe das „Ethik Instruction“ genannt. Wir haben auch nicht direkt missioniert, sondern nur der Bevölkerung geholfen. Es bekehrten sich nicht viele, denn der Druck der Muslime von außen war sehr stark. Im Großen und Ganzen ging es uns hauptsächlich darum, der Bevölkerung zu helfen und vor allem den Lebensstandard zu heben.

Inwiefern war es für Sie schwer, in ein fremdes Land zu kommen und dort den Kontakt zu den Menschen herzustellen?

An sich war ich es schon gewohnt, in der Mission zu arbeiten, da ich schon 12 Jahre Missionserfahrung hatte. Als ich von den Philippinen nach Kenia gekommen bin, war das für mich eine neue Challenge. Die Boraner in Afrika waren sehr interessiert, etwas zu lernen und ein Einkommen zu bekommen. Durch mein großes Interesse am Bau konnte ich viele Pläne entwickeln und ausbauen.

Bruder Karl mit Kindern (Foto: SVD)zoom
Bruder Karl mit Kindern (Foto: SVD)

Mittlerweile sind Sie ein eingestandener Missionar. Welche Ziele konnten Sie in Kenia umsetzen?

In Garba Tula haben ein indischer Missionar und ich eine Außenstation in eine Pfarrei umgebaut. Ich errichtete dort eine Schule, ein Pfarrzentrum, eine Bibliothek, Büros, und auch einen Saal zum Lesen. Außerdem habe ich ein Wohnhaus für die Patres und später ein Schwesternhaus gebaut. Dann folgten eine Handwerkerausbildungsschule und ein Hauswirtschaftshaus für die Schwestern. Dort konnten die Mädchen nähen, stricken und Batikfertigungen anfertigen. Ich persönlich war mehr im technischen Bereich tätig, wo wir Dachziegel und Hohlblocksteine herstellten. Wir arbeiteten in einer Halbwüste, wo es ziemlich heiß war. Die Dachziegel aus Zement haben die Kinder vor der Hitze geschützt. Dafür sind die älteren Männer extra rausgefahren, um Sisal-Palmen-Blätter zu sammeln, die als Faser dienten. Mit den Steinen wurde dann die Mission aufgebaut. Jeder Angestellte, der mit der Mission verbunden war, bekam das Material gestellt, um ein eigenes kleines Haus zu bauen. Auch heute, nach 20 Jahren stehen die Häuser immer noch. Sonst wohnten die Leute in einem Iglo. Das war ein Haus aus Lianen, das mit Gras bedeckt wurde. Bei Kämpfen in dem Land wurden die Grashäuser oft angesteckt, wodurch Frauen und Kinder umgekommen sind. Wir waren froh, dass wir die kleinen Steinhäuser gebaut haben, da es für die Leute dort viel sicherer ist.

Bau von Häusern für die Einwohner (Foto: SVD)zoom
Bau von Häusern für die Einwohner (Foto: SVD)
Kinder in der Schule (Foto: SVD)zoom
Kinder in der Schule (Foto: SVD)
 
Bruder Karl mit Kindern vor einer alten Barackenschule (Foto: SVD)zoom
Bruder Karl mit Kindern vor einer alten Barackenschule (Foto: SVD)

Wie sieht es aktuell aus? Welche Projekte betreuen Sie?

Die Schulen, die ich zu Beginn meiner Arbeit gebaut habe, werden nun um vier Klassenräume erweitert, da der Unterricht jetzt auch viel über Computer läuft. Außerdem wird eine Schulhalle angebaut, wo die Kinder auch bei Regen unter einem Dach essen können. Ich helfe sehr vielen Schwestern, ihre Wohnhäuser zu errichten. Den indonesischen Schwestern helfe ich ein Krankenhaus zu bauen. Die erste Phase ist schon fertig: Hier ist eine Entbindungsstation entstanden. Viele Kinder starben sehr früh, weil die Mütter nicht zu einer Voruntersuchung kommen konnten. Auch durch einen Klärteich, wo sich die Abwässer der Stadt ansiedeln, wurden viele Mütter und Kinder oft sehr krank und sind gestorben. So ist es für uns eine Notwendigkeit, den Leuten mit medizinischer Versorgung zu helfen.

Wie sehen die jetzigen Herausforderungen aus?

Zurzeit ist es etwas schwierig in Kenia, weil Wahlen sind. Vor allem durch Aufhetzung der Politiker bekämpfen sich die Nachbarstämme und werden in andere Gebiete vertrieben. 2007 bis 2008 hat es schon mehr als 1000 Tote gegeben und mehr als 650.000 Menschen wurden innerhalb ihres Landes vertrieben.

Eine ganz andere Gefahr sind die Räuberbanden von Somalia, die die Gegend unsicher machen. Fährt man ohne Begleitung der Polizei durch die Straßen, kann es sogar zu Schießereien kommen. Dabei gehen die Banditen gezielt vor: Die erste Gruppe feuert einen Warnschuss. Die zweite Gruppe schießt in den Kühler oder die Reifen und die dritte Gruppe dann in den Fahrerraum. Um das zu verhindern, habe ich oft Leute auf meinem Unimog, einem kleinen LKW, mitgenommen. Einmal wurden wir von den Banditen angehalten. Die Einheimischen mussten ihre Kleidung ausziehen und wurden nach Geld durchsucht.

Sicht aus einem Unimog vor einer Kirche und Schule (Foto: SVD)zoom
Sicht aus einem Unimog vor einer Kirche und Schule (Foto: SVD)

Nach jahrelanger Erfahrung: Wie hat sich Ihr Missionsverständnis verändert?

Der Afrikaner selber ist sehr religiös. Hier kommt es nicht genau darauf an, welche Religion er hat. Es geht in erster Linie darum, den Leuten zu helfen und vor allem mit ihnen zusammen zu arbeiten. Als Missionare geben wir den Leuten einen Anstoß und machen Mut. Ganz von alleine bringen dann die Einwohner Freunde und Bekannte mit in die Kirche. Viele Kenianer lassen sich motivieren, werden selbst Missionare und gehen dann ins Ausland.

Was also bedeutet Mission für Sie?

Es geht nicht darum, dass man die Leute bekehrt. Man verhilft den Leuten den Lebensstandard zu heben und zeigt ihnen, dass wir durch das Christentum den Menschen helfen und eine Stütze in ihrem Alltag geben.
Mission bedeutet auch in einer Gemeinschaft zusammenleben. Es besteht nicht nur als Priester die Möglichkeit Missionar zu werden. Auch als Laie kann man Missionar sein.

Kinder in der Patenschaft (Foto: SVD)zoom
Kinder in der Patenschaft (Foto: SVD)

Welche Wünsche haben Sie für Ihre Projekte?

Ich habe 180 Kinder in der Patenschaft. Das heißt ich habe in Deutschland Familien, die ein Patenkind unterstützen, damit es zur Schule gehen kann. Dafür haben wir vor, noch mehr in die Berufsausbildung zu investieren.
Bau eines Seniorenheims (Foto: SVD)zoom
Bau eines Seniorenheims (Foto: SVD)

Momentan sind Sie hier in Deutschland im Heimaturlaub, gehen Sie gerne wieder nach Kenia zurück?

Ja! Ich habe in Kenia noch einige Projekte auszuführen und bin froh, dass ich weiter für das Volk arbeiten kann. Man hat so viele Freunde gewonnen, dass ich auch den Mut habe, dort als Missionar meinen Lebensabend zu verbringen.

Fertiggestelltes Seniorenheim (Foto: SVD)zoom
Fertiggestelltes Seniorenheim (Foto: SVD)
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Melanie Pies-Kalkum

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