Kongo (Demokratische Republik)

„Mission ist ‚le rendezvous du donner et du recevoir‘ – ‚Das Treffen des Gebens und Nehmens‘“

04.09.2017

51 Jahre lebt und arbeitet Pater Alfons Müller SVD nun als Missionar in der Demokratischen Republik Kongo. „Heute bin ich nicht mehr der, der damals in dieses Land kam. Die Menschen und ihre Kultur haben mich verändert“, reflektiert er.

Pater Alfons Müller SVD (Foto: SVD)
Pater Alfons Müller SVD (Foto: SVD)

„Wenn der Dialog richtig funktioniert, gehe ich hinterher als anderer Mensch heraus genauso wie mein Gegenüber.“ Davon ist Pater Alfons Müller SVD überzeugt. Was Mission angeht, weiß er, wovon er spricht. Denn der gebürtige Saarländer hat bereits ein halbes Jahrhundert als Steyler Missionar in der Demokratischen Republik Kongo verbracht. „Irgendwann stellst du fest, dass du dich genauso viel veränderst, wie die Menschen, denen du in diesem afrikanischen Land begegnest und denen du die frohe Botschaft Jesu Christi verkündest.“ Das passiert natürlich nicht von heute auf morgen, weiß er.

Also zum Anfang: Seine erste Stelle trat Pater Müller 1966 in Bagata im Westen Kongos an, wo er acht Jahre lang in einer Pfarrei tätig war, Religionsunterricht gab und die Seelsorge für einige Dörfer im tiefsten Busch übernahm. „Zu diesem Zeitpunkt wurde mir schnell klar: Ich muss Kultur und Sprache der Kongolesen lernen. Wie soll ich sonst im Fall der Fälle wissen, was ich im Busch essen darf und was nicht? Wie überlebe ich dort? Ich brauchte also ihre Hilfe“, erinnert er sich. Französisch konnte der Missionar bereits. Nun lernte er noch Kikongo und ein wenig Kiyanzi – eine der vier Nationalsprachen im Kongo und eine Stammessprache. Obwohl nach zwei Jahren schon eine erste Versetzung angestanden hätte, blieb P. Müller in Bagata. Er wollte tiefer in Land, Sprache und Kultur eintauchen. „Erst nach acht Jahren hatte ich das Gefühl angekommen zu sein, mich eingelebt zu haben und auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Das musste ich lernen. Und die Zeit habe ich gebraucht dafür“, schildert er.

Die zweite Stelle im Kongo trat P. Müller in Bandundu als Kaplan an. Hier übernahm er sechs Jahre lang die Aufgabe, sogenannte „Basisgemeinschaften“ zu gründen. Das waren kleine Gemeinschaften in den Pfarreien´nach dem Vorbild der „Clans“, also Großfamilien, die jeweils einen Verantwortlichen erwählten. Ihnen gab P. Müller dann katechetische Hilfen, Hefte, Gebetsbücher, Bibeln etc. an die Hand, damit sie täglich ihre eigenen Gottesdienste und Gebetszeiten feiern konnten: „Ich bin stets von Dorf zu Dorf gefahren und habe den Basisgemeinschaften meine Ideen für die Auslegung des Tagesevangeliums oder ähnliches gebracht. Sie konnten dann selbst entscheiden, ob und wie viel sie davon selbst gebrauchten.“ Morgens und abends hätten die Basisgemeinschaften dann zusammen gebetet, erzählt P. Müller. Für sie sei dabei besonders wichtig gewesen, sich täglich zweimal zu treffen und zu plaudern. „Denn das ist ihre Kultur. Eine Kultur des Sprechens“, so der Missionar. Entscheidend für ihn: „Das christliche Leben muss sich bei ihnen abspielen. Dort wo sie leben, dort wo sie arbeiten. Ich wollte nie, dass sie zu mir, zur Missions-Station kommen müssen. Sondern immer, dass ich zu ihnen gehe und sie zuhause ihre eigene Kirche gründen mit ihrer eigenen Kultur“, beschreibt P. Müller seinen und den Steyler Missionsgedanken.

Pater Alfons Müller SVD im Studio. (Foto: SVD)zoom
Pater Alfons Müller SVD im Studio. (Foto: SVD)

Nach einem einjährigen Kommunikationsstudiengang in Ottawa kehrte er in die Demokratische Republik Kongo zurück und war nach einer weiteren Kaplanstelle zwölf Jahre lang zuständig für die Kommunikation der Bischofskonferenz in der Hauptstadt Kinshasa. In dieser Zeit hatte er bereits mit Unterstützung der deutschen Missionsprokur ein eigenes kleines Fernseh- und Radiostudio eingerichtet, in dem er Sendungen über kirchliche Aktivitäten wie Priesterweihen, Arbeit von Jugendgruppen etc. produzierte. Dieser Tätigkeit kommt er bis heute nach. „Was ich bei all meiner Arbeit mit den Menschen immer berücksichtige, ist, dass wir als Missionare in der zweiten Reihe stehen. Es ist ihre Kirche - die der Kongolesen - und ich zwinge ihnen nichts auf. Das erfordert mein Feingefühl. Ich biete die Botschaft an und sie integrieren sie in ihre Kultur.“ Als Missionar habe er dazu lernen müssen: „Wie spreche ich mit ihnen auf Augenhöhe? Wie diskutiere ich in Gleichberechtigung und nicht von oben herunter? Wie ordne ich mich richtig ein?“ 50 Jahre in der Demokratischen Republik Kongo haben P. Alfons Müller gelehrt, so sagt er: „Mission ist ‚le rendezvous du donner et du recevoir‘ – also 'das Treffen des Gebens und Nehmens‘. In der Begegnung von Menschen - egal welcher Kultur- lernt man immer voneinander.“

Der Chor "Bana Ngayime", für den P. Müller Lieder komponiert. (Foto: SVD)zoom
Der Chor "Bana Ngayime", für den P. Müller Lieder komponiert. (Foto: SVD)
Melanie Pies
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Melanie Pies-Kalkum

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