Kenia

„Die Herzlichkeit der Menschen hat mich tief berührt“

03.04.2017

Pater Dan Anzorge SVD, in der deutschen Missionsprokur verantwortlich für den Bereich Missionarische Öffentlichkeitsarbeit, ist für wenige Wochen an seinen einstigen Wirkungsort zurückgekehrt: nach Kenia/Tansania. Im Interview berichtet er über das aktuelle Steyler Engagement vor Ort.

Einen Monat lang hat Pater Dan Anzorge SVD seine Steyler Mitbrüder in Kenia/Tansania besucht. (Quelle: SVD)zoom
Einen Monat lang hat Pater Dan Anzorge SVD seine Steyler Mitbrüder in Kenia/Tansania besucht. (Quelle: SVD)

Pater Dan, Sie waren vom 5. Februar bis zum 8. März in Kenia und Tansania unterwegs. Warum eigentlich?

Die Heilig-Geist-Pfarrei in Eldoret, die ich 1992 mitbegründet habe, hat am 12. Februar ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert – und dazu war ich eingeladen. Sie ist damals sozusagen im Nichts entstanden. Der Bischof hat uns vier Morgen Land geschenkt, auf denen wir zunächst eine provisorische Kirche errichtet haben. Wir haben die Familien besucht, die Leute kennengelernt. Wir haben uns von ihnen beraten lassen, was es als nächstes zu tun galt. Sie haben gesagt: Wir brauchen Wasser, wir brauchen eine Schule und eine Kirche. Beim Bau der Kirche haben wir gleichzeitig junge Männer ausgebildet, denn alle Helfer hatten die Möglichkeit, sich als Facharbeiter zu qualifizieren – als Maurer, Schweißer, Schlosser oder Schreiner. Das Zertifikat, das wir ihnen nach der dreijährigen Bauzeit ausgestellt haben, hat später vielen dabei geholfen, eine Arbeitsstelle zu finden.

Wie war für Sie die Rückkehr nach 25 Jahren?

Ich war beeindruckt, wie alles gewachsen ist. Zu Anfangszeiten gehörten 150 Leute zur Gemeinde. Heute sind es 12.000! Ist das nicht großartig? Ich war tief berührt und bewegt von der Herzlichkeit der Menschen. Viele Männer, mit denen ich stundenlang auf der Kirchenbaustelle gearbeitet hatte, haben mich wiedererkannt und angesprochen. Der Jubiläumsgottesdienst hat vier Stunden gedauert! Schön war auch der Besuch in Kisumu, wo ich seinerzeit eine Polytechnische Schule aufgebaut habe.

In Tansania engagieren sich die Steyler Missionare wieder verstärkt für die Massai. (Quelle: SVD)zoom
In Tansania engagieren sich die Steyler Missionare wieder verstärkt für die Massai. (Quelle: SVD)

In Tansania waren Sie in Simanjiro, wo die Steyler mit den Massai zusammenarbeiten…

Richtig. Eine Zeit lang haben wir Steyler auch in Kenia unter den Massai gelebt, diese Aufgabe aber später abgegeben. Jetzt, unter dem aktuellen Provinzial Albert Fuchs, der selbst intensiv mit den Massai zusammengearbeitet hat und auch ihre Sprache spricht, heißt es in unseren vier Pfarreien vor Ort wieder: Zurück zu den Wurzeln, zurück zur Erstevangelisierung! Wir gehen dorthin, wo andere Seelsorger nicht arbeiten möchten, weil die Verhältnisse besonders arm und bescheiden sind. Zum Beispiel ist das Wasser äußerst knapp. Ich habe die Gegend in einer großen Dürreperiode besucht und mit einer Wünschelrute geholfen, neue Quellen ausfindig zu machen.

Die Massai sind ein Hirtenvolk mit einer ausgeprägten ethnischen Identität…

Wir haben große Achtung vor ihrer Kultur. Aber wir scheuen uns auch nicht, jene Traditionen und Lebensweisen anzusprechen, die dem Christentum widersprechen. So halten meine Mitbrüder zum Beispiel die Männer immer wieder zu einem respektvollen, gleichberechtigten Umgang mit den Frauen an. Außerdem setzen wir uns für den Schulbesuch der Kinder ein und argumentieren gegen die Zwangsbeschneidung und Zwangsverheiratung junger Mädchen.

Pater Dan Anzorge SVD bei einer Taufe. (Quelle: SVD)zoom
Pater Dan Anzorge SVD bei einer Taufe. (Quelle: SVD)

A propos Schule: Welche Sozialprojekte gibt es vor Ort?

Tatsächlich bauen wir vor Ort Schulen auf. Vor allem Mädchen sollen durch sie eine Chance auf Bildung bekommen. Außerdem unterhalten wir eine Krankenstation, die inzwischen zu 60 Prozent fertiggestellt ist. Regelmäßig werden die Massai in unmittelbarer Nähe des Tarangire-Nationalparks von wilden Tieren angegriffen. Weil das Krankenhaus in Arusha weit weg ist, überstehen viele Verletzte die Fahrt dorthin nicht. Deshalb ist es wichtig, dass diese Menschen direkt vor Ort gut medizinisch versorgt werden können.

Was hat Sie auf Ihrer Reise am nachhaltigsten beeindruckt?

Es waren die Begegnungen mit jenen Menschen, die ich selbst vor vielen Jahren einmal getauft habe – und die mir nun ihre Kinder brachten, damit ich auch sie taufe. Das hat mich sehr bewegt, ebenso die Dankbarkeit der vielen Menschen, die zu mir sagten: Die Steyler haben mir geholfen, meinen Weg durchs Leben zu gehen. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Länder auf anderen Kontinenten besucht, aber ich habe gemerkt: Mein Herz hängt noch immer an Afrika. Ich habe eine völlig andere, ganz persönliche Verbindung zu diesem Kontinent und seinen Menschen.

Interview: Markus Frädrich

In Eldoret hat er das 25-jährige Bestehen der Heilig-Geist-Pfarrei mitgefeiert, die er 1992 aufgebaut hat. (Quelle: SVD)zoom
In Eldoret hat er das 25-jährige Bestehen der Heilig-Geist-Pfarrei mitgefeiert, die er 1992 aufgebaut hat. (Quelle: SVD)
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Melanie Pies

Medienredaktion
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