Dieser Artikel erschien auf der Webseite der Steyler Mission Deutschland.
Steyler Mission Deutschland

Pater Ewald Dinter mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

11.01.2017

Philippinen - Der deutsche Botschafter auf den Philippinen, Dr. Gordon Kricke, hat dem Steyler Missionar Ewald Dinter gestern das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Dinter wird insbesondere für seinen Einsatz für die Volksgruppe der Mangyanen ausgezeichnet.

Pater Ewald Dinter SVD (Foto: SVD)
Pater Ewald Dinter SVD (Foto: SVD)

Weltweit machen sich die Steyler Missionare für Ethnien stark, die Ablehnung und Ausgrenzung erfahren – wie etwa die Guaraní-Indianer in Paraguay oder die Aborigines in Australien. Auf den Philippinen engagiert sich Pater Ewald Dinter seit Jahrzehnten für das indigene Volk der Mangyanen. 100.000 von ihnen sollen heute noch auf Mindoro leben, der siebtgrößten Insel der Philippinen. „Die Mangyanen fühlen sich von den Filipinos unterdrückt“, erklärte Pater Ewald Dinter 2011 in einem Interview mit dem Magazin „DER SPIEGEL“. „Deshalb haben sie sich von der Küste in die kargen Berge und tiefen Wälder zurückgezogen, wo viele von ihnen noch wie ihre Vorfahren leben.“

Dinter, der 1937 in Schlesien geboren wurde und dessen Familie sich nach der Vertreibung in der Nähe von Osnabrück niederließ, lebt seit 1969 auf den Philippinen. Mitte der 1980er Jahre ließ er sich auf Mindoro nieder und erwarb nach und nach das Vertrauen der Ureinwohner. „Anfänglich bin ich bei den Mangyanen an viele Mauern gestoßen“, erinnert er sich. „Ich habe mich lange gedulden müssen, bis sie Vertrauen zu mir gefunden hatten. Eines Tages bei einem Fest kamen zwei alte Mangyanen zu mir und sagten: ‚Wir haben dich beobachtet, Tag und Nacht. Und uns ist aufgefallen: Du hast keine einzige negative Bemerkung über unsere Kultur gemacht. Deshalb haben wir uns entschieden, dass du jetzt alles wissen darfst. Wir nehmen dich auf.‘ Das war einer der schönsten Momente meines Lebens.“

100.000 Mangyanen sollen heute noch auf Mindoro leben, der siebtgrößten Insel der Philippinen. (Foto: SVD)
100.000 Mangyanen sollen heute noch auf Mindoro leben, der siebtgrößten Insel der Philippinen. (Foto: SVD)

Für Ewald Dinter bedeutet die Mangyanen-Mission, die Lebensweise der Menschen und ihre Riten anzunehmen und ihre Kultur wertzuschätzen. Im „Mangyan Heritage Center“ auf der Insel Mindoro sind mittlerweile eine Bibliothek und eine Dokumentation über die Kultur der Volksgruppe entstanden. Pater Dinter beschreibt seine respektvolle Haltung bei der Begegnung mit der Mangyanen-Kultur mit einem Gedicht von Max Alexander C. Warren: „Wenn du zu einem anderen Volk kommst, zu einer anderen Kultur, zu einer anderen Religion, dann ziehe deine Schuhe aus, denn das Land, das du betrittst ist heilig. Es könnte sein, dass du sonst auf die Träume anderer Menschen trittst. Aber noch schlimmer wäre es, wenn du vergisst, dass Gott da war, bevor du überhaupt angekommen bist.“ Diese Zeilen habe er sich für seine Arbeit mit den Mangyanen zu Herzen genommen. 

Für sein Engagement hatte Dinter 1991 bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sei eine große Ehre für ihn, sagte der Steyler Missionar nach der gestrigen Verleihung. Zugleich machte er in seiner Antwort auf die Rede des Botschafters darauf aufmerksam, dass die Mangyanen auf Mindoro immer noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt würden. „Ihnen wird Land gestohlen und ihre Menschenwürde wird missachtet“, so Dinter. „Es gibt leider noch viel zu tun.“

Mehr zum Thema

Einen ausführlichen Bericht über Pater Ewald Dinter und sein Engagement finden Sie auf der Webseite der Steyler Familienzeitschrift stadtgottes.