Unruhen nehmen kein Ende

26.01.2018

Kongo (Demokratische Republik) - In der Demokratischen Republik Kongo geht es weiter mit Demonstrationen, Aufständen und bewaffneten Konflikten. Der Präsident klammert sich an sein Amt. Neuwahlen sind erst für Ende 2018 angesetzt. Und oftmals ist es die Polizei, die vor nichts Halt macht, berichtet ein Steyler Mitbruder aus der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa.

Seit 2001 ist Joseph Kabila Präsident der Demokratischen Republik Kongo. Seine zweite Amtszeit endete zum 31. Dezember 2016. Eine dritte ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Und trotzdem klammert er sich weiter an sein Amt. Die Folge: Protestmärsche, Demonstrationen, Aufstände. Über 120 bewaffnete Gruppierungen sind im Land unterwegs. Neuwahlen stehen erst kurz vor Weihnachten in diesem Jahr an. „Die Lage ist undurchsichtig“, erzählt ein Steyler Mitbruder, dessen Namen zu seinem Schutz nicht genannt wird. „Man weiß gar nicht mehr, wer gegen wen kämpft.“
Im Kongo sind die Steyler Missionare unter anderem pastoral und sozial tätig. Sie bilden Laien in der Bibelarbeit aus und setzen sich für Straßenkinder ein.

In seinen seelsorglichen Tätigkeiten ist der Ordensmann mitten drin im Geschehen: „Nach einem ersten Protestmarsch am 31.12.17 haben die Katholiken der Hauptstadt Kinshasa am 21.1.18 einen zweiten Marsch organisiert, an dem die grosse Mehrheit der katholischen Pfarreien teilgenommen hat. Um die Christen an dieser Art von Marsch zu hindern, drang die Polizei z.T. während der Messe in Kirchen ein, warf Tränengasbomben, schlug die Gläubigen und raubte sie aus“, so der Steyler. „Nach der ersten Sonntagsmesse ist der Kaplan unserer Gemeinde, ein großes Kreuz in der Hand, mit vier anderen Mitbrüdern an der Spitze zahlreicher mutiger Männer, Frauen und Jugendlicher betend und singend zu unserer Nachbarkirche marschiert. Nur wenige Meter davor wurden sie von einem Polizeiaufgebot gestoppt. Ein Polizist richtete sein Gewehr auf unseren Kaplan und schrie: 'Ich erschieße sie!' Kurz darauf platzte dann direkt vor der Gruppe eine Tränengasbombe, die allen fast den Atem raubte. Daraufhin hat jeder nur noch versucht, zu fliehen, um sein Leben zu retten.“

Die UNO-Schutztruppe (MONUSCO) habe versprochen und versucht, die Demonstranten zu begleiten, um sie zu schützen, was meist nicht gelungen sei. Es kam zu Konfrontationen zwischen den staatlichen Orddnungskraeften und der MONUSCO.

Aufgrund der Konflikte gilt in verschiedenen Landesteilen seit Ende Oktober 2017 die höchste humanitäre Alarmstufe der UN. Schätzungsweise rund 4 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Melanie Pies-Kalkum