Politik für und mit armen Menschen

28.11.2017

Politik für und mit armen Menschen

Nach dem Grundsatzreferat von P. Ludwig Hauser über den Titel des kommenden Generalkapitels und der St. Gabrieler Vortragsreihe 2017/18, „Die Liebe Christi drängt uns“, sprach die Referentin der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung Wien, Gabriele Kienesberger, am 21. November 2017 über „Die Liebe Christi drängt uns … in die Politik“.

Das hätte auch Arnold Janssen gefallen: Papst Franziskus hat am Tag der heiligen Elisabeth 2017 einen Welttag der Armen ausgerufen, der ab nun jährlich begangen wird. Nicht Armut ist das Thema dieses Welttages, sondern die davon betroffenen Menschen sind es. Darauf wies Gabriele Kienesberger von der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung Wien in ihrem St. Gabrieler Vortrag am 21. November 2017 hin. Gerechte wirtschaftliche Beziehungen, Wahrung der Menschenrechte, Schutz der Mitwelt werden ab nun im Fokus des Welttages der Armen stehen – alles Themen, die den Steyler Missionaren ein Herzensanliegen sind.

ChristInnen in die Politik

Als Anwältin der Armen und Bedrängten ist die Kirche – ist auch der Orden - herausgefordert, nicht nur Almosen zu erbitten, sondern die globalen Ursachen von Ausgrenzung und Armut zu benennen und zu verurteilen, erinnerte Kienesberger. Außerdem soll sie armen Menschen auf Augenhöhe begegnen, sagt Papst Franziskus, und gemeinsam mit den Betroffenen Schritte zur Veränderung setzen. Das führt mitten in das politische Handeln, das nicht an den Berufsstand des Politikers, der Politikerin gebunden ist. „Zu politischem Handeln, oder vielleicht tun wir uns leichter, wenn wir sagen, zu gesellschafts-politischem Handeln sind alle Christen und Christinnen herausgefordert“, so Kienesberger. Es bedeute, politische Verantwortung zu übernehmen dafür, wie sich die Gesellschaft entwickelt.

Christlich geht anders

Gabriele Kienesberger stellte in ihrem St. Gabrieler Vortrag die Initiative "Christlich geht anders! Solidarische Antworten auf die Soziale Frage" vor. „Wer sich auf den christlichen Gott beruft und dabei auf den Nächsten vergisst, verkehrt die christliche Botschaft in ihr Gegenteil", heißt es auf www.christlichgehtanders.at, einer Plattform, die von wichtigen christlichen VertreterInnen in Österreich unterzeichnet wurde und von alle, die das Interesse teilen, unterschrieben werden kann. "Wer Ängste schürt und Menschen gegeneinander ausspielt, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt". Die Initiative Christlich geht anders meint dagegen: Christlicher Glaube macht Mut und Hoffnung. Die Liebe zu Gott ist untrennbar mit der Sorge um die Armen verbunden. Wer Arme bekämpft, bekämpft das Christentum.

Gabriele Kienesberger über Politik und arme Menschen 
Gabriele Kienesberger über Politik und arme Menschen

Organisierte Solidarität

Der Sozialstaat ist organisierte Solidarität, darauf wies Kienesberger in St. Gabriel hin. "Gegenseitig schützen wir uns so vor den Grundrisiken des Lebens: Erwerbslosigkeit, Prekarisierung, Armut und Not.“ Die Referentin forderte ein gerechtes und soziales Steuersystem. Außerdem zitierte sie aus dem Beitrag von P. Franz Helm SVD zu „Christlich geht anders“: „Ich finde es wichtig, gegen die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft und das Gegeneinander-Ausspielen von Randgruppen und sozial Schwachen aufzutreten, weil das derzeit zur politischen Unkultur in unserem Land wird, und weil das zutiefst unchristliche Haltungen sind.“ Die Botschaft, dass es Einen gibt, der alle liebt, egal was sie leisten oder sind, sieht Kienesberger als Befreiungsbotschaft im Alltag.

Neben uns die Sintflut

Wer auch nur ein wenig nachdenkt, den Glauben reflektiert, könne die globale Ungerechtigkeit nicht mehr länger ausblenden, davon ist Kienesberger überzeugt. „Wobei im Vergleich zu staatlichen Institutionen wahrscheinlich die christlichen Kirchen im Kampf um Verteilungsgerechtigkeit weiter fortgeschritten sind.“ Sie zitierte das Buch „Neben uns die Sintflut oder die globale Ungerechtigkeit“ von Stephan Lessenich. Die Externalisierungsgesellschaft – zum Beispiel im reichen Österreich - handle nach dem Prinzip „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge einem anderen zu“. Die Profite und Annehmlichkeiten würden in den reichen Ländern behalten und alle Nachteile ausgelagert – vom Müll bis zu den Umweltschäden in den Ländern des Südens, wo Konsumgüter für den reichen Norden produziert werden. Lessenich verweist auf die Zusammenhänge zwischen dem Reichtum und der Armut in der Welt, die sich partout nicht herumsprechen wollen und mit großem Kraftaufwand verdrängt werden. „Folgen des Klimawandels, Wetterkapriolen und Migrationsbewegungen, die sich an den Grenzen nicht mehr stoppen lassen, lassen manchmal die Verdrängung scheitern.“

Wichtig zur Überwindung der Ungerechtigkeit sei, eine Kultur der Hoffnung zu pflegen, ermutigte Gabriele Kienesberger in ihrem Vortrag. Wichtig sei auch, keinen Sicherheitsabstand einzuhalten: „Politik wird nur dann zur hohen Form von Nächstenliebe, wenn wir anstreifen, wenn wir uns die Hände schmutzig machen, wenn wir dabei sind und die Gestaltung der Zukunft miteinander angehen.“

Gespräche nach dem Vortrag in St. Gabriel 
Gespräche nach dem Vortrag in St. Gabriel

Bilder: P. Franz Pilz SVD
Text: M. Slouk