Glasklarer Blick für das Wesentliche

30.12.2017

Glasklarer Blick für das Wesentliche

Es war ein außergewöhnlicher Abschied von einem außergewöhnlichen Menschen. In den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester 2018 wurde P. Josef Salmen in St. Gabriel zu Grabe getragen. Noch sein Heimgang zog viele Menschen an. Weil P. Salmen einen ganz besonderen Draht zu seinen Mitmenschen hatte.

P. Josef Salmen, 1931-2017 
P. Josef Salmen, 1931-2017

Was seine Studenten der Philosophie aus den Vorlesungen nur zum Teil verstanden, das wurde ihnen durch P. Salmens Persönlichkeit sonnenklar. Der richtige Mensch am richtigen Ort war er, das spürten die, die mit ihm zu tun hatten – ob als Professor, als geistlicher Begleiter oder als Mitbruder. Er war ein Mensch, der den göttlichen Funken, den jeder in sich trägt, zum Brennen brachte, wie es der Prediger des Requiems, P. Jakob Mitterhöfer ausdrückte. P. Salmens Achtsamkeit, die er seinen Mitmenschen entgegenbrachte, war sprichwörtlich. Seine Überzeugung, dass jeder Mensch Anteil am Wesen Gottes hat, wurde an ihm spürbar.

Begnadeter Erzähler

Zu Requiem und Begräbnis kamen dementsprechend viele Menschen, dir Abschied nehmen wollten, darunter eine große Zahl Mitbrüder aus der Mitteleuropäischen Provinz sowie seine Nichte und Neffen aus Deutschland. „Josef war ein unheimlich guter Geschichtenerzähler“, erzählte Neffe Andreas Salmen von P. Salmens Heimaturlauben in Menden. „Die ganzen Kinder aus der Nachbarschaft und meine Geschwister und ich sind draußen bei seinem Elternhaus im Garten gesessen, und Josef konnte dann stundenlang Geschichten erzählen. Das war für uns immer so ein Highlight. Wir waren schon Wochen vorher aufgeregt, wenn wir wussten: Josef kommt.“

P. Salmens Neffe Andreas Salmen im Gespräch mit Sr. Theresia und P. Rektor Anton Fencz 
P. Salmens Neffe Andreas Salmen im Gespräch mit Sr. Theresia und P. Rektor Anton Fencz

Begnadeter Zuhörer

„Er war Theologe und Philosoph mit einem glasklaren Blick fürs Wesentliche“, so beginnt ein persönlicher Nachruf von P. Salmens Mitbruder P. Franz Helm. „Seine große Menschenliebe und Bescheidenheit haben ihn zum Freund und Begleiter vieler Menschen gemacht. Er war verfügbar, wo er gebraucht wurde, als Hochschulprofessor, Theologenpräfekt, Rektor des Missionshauses, Exerzitienleiter und geistlicher Begleiter... Er konnte aus der blödesten Frage eine geistreiche Reflexion herausholen, ohne den Fragensteller bloßzustellen. Er konnte sich an einem guten Krimi genauso freuen wie an einer guten Predigt. Klerikalismus und Frömmelei waren ihm fremd. Als er vor Jahren einen Schlaganfall erlitt und eine Sprachstörung davontrug, behielt er sein fröhliches Wesen, nahm weiter regen Anteil an den Vorgängen in der Gemeinschaft, freute sich am Leben und pflegte Beziehungen. Nun feierte er Weihnachten im Himmel: Eine Heilige Nacht, die zum ewigen lichtvollen Tag in der Klarheit Gottes wird. Mög' der Jupp, der sein Leben lang nach Erkenntnis suchte, sich daran für immer ergötzen!“

Ein langer Zug begleitete P. Salmens Sarg zum Grab am Friedhof von St. Gabriel. 
Ein langer Zug begleitete P. Salmens Sarg zum Grab am Friedhof von St. Gabriel.