Die Welt mit Gott versöhnen

17.01.2018

P. Michael Kreuzer zeigte im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe anhand eines Bestseller-Romans, wie es möglich ist, die Welt mit Gott zu versöhnen.

Das Wort Erlösung verwendet P. Michael Kreuzer, wenn er von der Versöhnung spricht. „Erlösung ist ein durch und durch positiv besetztes Wort, ein alltagsnaher Begriff der Erleichterung. Ein Schluck Wasser bringt Erlösung vom Durst, das Aufwachen erlöst vom Albtraum. Dieses gefühlsbetonte Wort wenden wir zurecht auf das Christus-Ereignis an.“ Das Gefühl der Erleichterung sollte unser Leben durchdringen, meinte P. Kreuzer in seinem Vortrag am 16.1.2018.

P. Michael Kreuzer sprach am 16.1.2018 in St. Gabriel über Versöhnung. 
P. Michael Kreuzer sprach am 16.1.2018 in St. Gabriel über Versöhnung.

P. Kreuzer schilderte eine amerikanische Romanverfilmung, um anschaulich zu machen, wie Erlösung möglich ist. „Die Hütte“ wurde nach einem Roman von William Paul Young 2017 verfilmt und handelt von der Theodizee, von der Frage nach der Allmacht Gottes angesichts des Leids. Sechs Punkte strich P. Michael Kreuzer aus der „narrativen Erlösungslehre“ des Films heraus, dessen tiefgründiger Inhalt in eine märchenhafte Geschichte gepackt ist. Mack verliert durch die Entführung und Ermordung seiner jüngsten Tochter den Glauben an das Leben. Nach Jahren der Verzweiflung erhält er eine geheimnisvolle Einladung in die Berghütte, in der damals das blutgetränkte Kleid seiner Tochter gefunden worden war. Mit den drei als Menschen dargestellten göttlichen Personen, denen er auf der Hütte begegnet, nimmt er wiederholt die Mahlzeiten ein. Und unterhält sich ein Wochenende lang über das Leben.

Täter und Opfer verbindet die Unerlöstheit

Zunächst analysiert P. Kreuzer, dass der Film sowohl das Opfer (bzw. dessen Vater) als auch den Mörder als erlösungsbedürftig darstellt. Der Täter ist unversöhnt, weil er etwas unfassbar Böses getan hat. Der Vater des ermordeten Kindes ist unerlöst, weil er seiner Wut gegen den Täter und gegen Gott ausgeliefert ist. Er will authentisch sein und kann deshalb nicht vergeben. In ihrer extremen Unerlöstheit stehen Täter und Opfer als Brüder da.

Essen mit Gott

Das Mahlhalten mit Gott stellt der Film als Ziel der Erlösung dar, die Anteilnahme am innertrinitarischen Leben, das Leben mit Gott.

Gottes Ehrfurcht vor der Freiheit des Menschen

Der Ruf danach, dass Gott Gewalt, Unrecht und Leid verhindern soll, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ruf nach billiger Erlösung. Gott müsste dazu die Freiheit des Menschen aussetzen. Wo aber ist genau der Punkt, an dem Gott eingreifen sollte? Wo könnte er eingreifen, wenn er die Freiheit der Menschen respektiert?

Erlösung vom Wunsch, Gott richten zu wollen

In einer dunklen Höhle trifft Mack auf die einschüchternd schöne Sophia, die personifizierte göttliche Weisheit. Ihr gegenüber lässt er alle angestaute Wut auf Gott und die Menschen aus sich heraus. Es ist der Beginn seiner Erlösung. Vor eine furchtbare Entscheidung gestellt, fleht er, sein Leben geben zu dürfen für das seiner Kinder. „Ich würde es gerne tun!“ Es ist der Augenblick, in dem er beginnt, Gott von innen her zu verstehen. Dadurch verlässt Mack seine „Richterrolle“. Er findet seinen Platz „unter“ Gott.

Erlösung bewirkt Erlösung

Die Aussöhnung Macks zieht immer weitere Kreise. Er versöhnt sich mit seinem verstorbenen alkoholkranken Vater. Er schafft es, dem Mörder seiner Tochter zu vergeben und findet danach ihren Leichnam. Zurückgekehrt nachhause hilft er einer anderen Tochter, die sich für das Verschwinden ihrer Schwester mitverantwortlich gefühlt hatte, ihre erdrückenden Schuldgefühle zu überwinden…

Diesseitige Versöhnung

Die Erlösung wird Mack im Diesseits zuteil. „Vollständige Verjenseitigung der Erlösung ist eine Entstellung der biblischen Botschaft“, sagt P. Michael Kreuzer. „Erlöstes diesseitiges Leben ist ein radikaler Wandel dessen, was als oberster Wert gilt.“ Während das eigene Wohlbefinden der höchste Wert des „alten Menschen“ ist, ist die Verbindung mit Gott das wichtigste für den „neuen“, erlösten Menschen. Als Schmerz wird dann die Trennung von Gott empfunden, etwa in der Verbitterung, in der Gleichgültigkeit oder im Hass.

Großes Interesse am Vortrag von P. Michael Kreuzer im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe. 
Großes Interesse am Vortrag von P. Michael Kreuzer im Rahmen der St. Gabrieler Vortragsreihe.

Leiden sein lassen

Erlöstes Leben ist erlösendes Leben, fasst P. Kreuzer zusammen. Kreuz und Leiden dürfen nicht heroisiert werden. Das Leiden ist nicht Mittel zur Erlösung, sondern das Bleiben in der liebenden Zuwendung. Den Schmerz gilt es nicht zu glorifizieren, sondern einfach nicht wichtig zu nehmen. Einfach hinzunehmen, als unvermeidlichen Beigeschmack wichtiger Entwicklungsschritte.

Die Welt mit Gott zu versöhnen beginnt, das ist die Lehre des Films, damit, sich selbst mit Gott zu versöhnen. Und, so P. Michael Kreuzer, „es muss auch etwas Erlösendes von einem ausgehen“.

Bilder: P. Franz Helm; M. Slouk
Zusammenfassung: Slouk