Schulungskurs zu Projekten und Fundraising für Steyler Missionare aus aller Welt

23.11.2017

Schulungskurs zu Projekten und Fundraising für Steyler Missionare aus aller Welt

Im Tagungshaus «Centro Ad Gentes» der Steyler Missionare in Nemi bei Rom findet jährlich ein Erneuerungskurs für Mitbrüder statt, die schon mindestens 10 Jahre als Missionar gewirkt haben. Bereits zum dritten Mal hat hier P. Matthias Helms SVD diesen Herbst einen Workshop zum Thema «Fundraising und Missionsprojekte» gestaltet.

P. Matthias Helms, Sie haben im September in Nemi in einem Workshop Mitbrüder aus der ganzen Welt in Fundraising geschult. Was war dies für ein Kurs? Welche Zielsetzung hat er verfolgt?

Der jährliche Erneuerungskurs dauert vier Monaten und beinhaltet ganz unterschiedliche Themen, von spiritueller und theologischer Erneuerung, bis hin zu ganz praktischen Fragen des interkulturellen Zusammenlebens oder der Verantwortung für die eigene Gesundheit. Vor ein paar Jahren hatten sich die Kursteilnehmer auch ein Modul zum Thema «Fundraising und Missionsprojekte» gewünscht. Ich wurde 2015 zum ersten Mal gebeten, einen Workshop dazu zu gestalten.

Wie viele Teilnehmende waren dabei und woher stammten sie?

In diesem Jahr waren es 29 Kursteilnehmer, alles Steyler Missionare. Sie kommen aus neun verschiedenen Herkunftsländern, hauptsächlich aus Asien und Afrika. Sie arbeiten in zwölf verschiedenen Einsatzländern. Etwa die Hälfte von ihnen ist in Pfarreien tätig, andere engagieren sich im Schuldienst oder sind für die Ausbildung unseres Ordensnachwuchses zuständig.

Welche Inhalte haben Sie da vermittelt?

Die Projekte und die Missionsarbeit vieler Steyler Ordensprovinzen in Asien und Afrika sind auf die finanzielle Unterstützung insbesondere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angewiesen. Die Steyler Missionsprokuren in diesen Ländern arbeiten seit einigen Jahren immer stärker zusammen. Dabei haben wir erkannt, dass unsere Missionare zwar überall ausgezeichnete Arbeit leisten, dass es aber an einer guten Dokumentation ihrer Projekte oft mangelt. Für das Fundraising müssen wir aber klar und überzeugend aufzeigen können, für welche Zwecke Hilfe benötigt wird, und wir müssen auch berichten können, wie die Spendengelder eingesetzt wurden und welche Wirkung die Hilfe auf das Leben der Begünstigten hat. Auf der einen Seite war es das Ziel des Workshops, in den Teilnehmern das Bewusstsein für eine gute Projektplanung und -dokumentation zu wecken. Auf der anderen Seite sollten die Mitbrüder die für die Projekte wichtigen Antrags- und Berichtformulare kennenlernen.

Wo haben die Kursteilnehmer am meisten profitieren können bzw. wo gab es den grössten Informationsbedarf?

 Am meisten haben die Mitbrüder von den praktischen Übungen profitiert. Am Anfang haben wir ein Rollenspiel gemacht, in dem sich die Teilnehmer in die Positionen verschiedener Stakeholder (Projektverantwortlicher, Missionsprokur, Ordensleitung und Spender) hineinversetzt haben. Das Rollenspiel und das anschliessende Gespräch öffneten den meisten Teilnehmern die Augen für die Bedeutung guter Projektberichte und weckte Interesse an den weiteren Kursinhalten. Anhand von einigen Beispielprojekten haben die Mitbrüder dann in Kleingruppen Projektanträge geschrieben und der gesamten Gruppe vorgestellt. In gleicher Weise schrieben die Kleingruppen an den Projektberichten, die einen Finanz- und einen narrativen Bericht enthielten sowie aussagekräftige Fotos.

Wie haben die Teilnehmenden den Kurs wahrgenommen bzw. wie haben sie ihn bewertet? 

Die rege Beteiligung an der Gruppearbeit und die lebhaften Pausengespräche zur Qualität der vorgestellten Projektdokumentationen zeigt an, dass der Workshop das Interesse der Teilnehmenden getroffen hat. Eine abschliessende Bewertung des Workshops habe ich noch nicht erhalten, aber das Interesse am Thema «Fundraising und Projekte» konnte der Kurs bestimmt wecken. Einige Mitbrüder wollten mich dann auch noch «privat» sprechen und vorfühlen, ob sie das eine oder andere ihrer Projekte wohl in der Missionsprokur einreichen könnten.

Und was waren «Learnings» für Sie?

Einmal habe ich mich gefreut, dass ich in diesem Kurs Mitbrüder wiedergetroffen habe, die ich bis zu 26 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Mir tut es gut, Teil dieser grossen, interkulturellen Steyler Ordensfamilie zu sein. In dem Kurs ist mir wieder aufgefallen, dass wir in Europa nicht voraussetzen dürfen, dass ein Mitbruder z.B. aus Madagaskar weiss, wie wir Europäer gerne die Projektanträge und Berichte haben wollen. Bei dem Kurs ging es indirekt also auch um interkulturelle Kommunikation. Ich fühle mich ermutigt, weiter solche Kurse anzubieten. Für das nächste Jahr plane ich bereits, den Workshop in einem unserer Steyler Ausbildungshäuser in Indonesien zu halten. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, nach Wegen zur finanziellen Selbstständigkeit und Fundraising in allen Steyler Ordensprovinzen zu suchen.                       (Interview: Roger Tinner)