100 Jahre Steyler Missionare in Tirschenreuth

05.10.2017

Seit 1917 wirken die Steyler Missionare im oberpfälzischen Tirschenreuth. Am 8. Oktober feiert die Niederlassung St. Peter ihr 100-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst. Und auch in Zukunft werden die Steyler Missionare in Tirschenreuth aktiv sein.

St. Peter heute: Das ehemalige Missionshaus St. Peter beherbergt neben sozialen Einrichtungen heute noch die Kommunität der Steyler Missionare. 
St. Peter heute: Das ehemalige Missionshaus St. Peter beherbergt neben sozialen Einrichtungen heute noch die Kommunität der Steyler Missionare.

Vor 100 Jahren, am 7. Oktober 1917, gründeten die Steyler Missionare ihre erste Niederlassung in Bayern in Tirschenreuth in der Oberpfalz. Seitdem hat das Missionshaus St. Peter, zu dem lange Zeit eine Missionsschule und ein Internat gehörten, seine Spuren in der Region hinterlassen. Und nun gibt es einem weiteren Grund zu feiern: Die Steyler Missionare gaben bekannt, dass sie sich weiter in Tirschenreuth engagieren werden.

Das 100-jährige Jubiläum wird am Sonntag, den 8. Oktober um 10.30 Uhr in St. Peter mit einem Pontifikalhochamt mit Weihbischof Reinhard Pappenberger begangen, musikalisch gestaltet von dem St. Peter-Chor.

Pater Martin Üffing SVD leitet als Provinzial die Deutsche Ordensprovinz der Steyler Missionare. 
Pater Martin Üffing SVD leitet als Provinzial die Deutsche Ordensprovinz der Steyler Missionare.

„Wir freuen uns, mit unseren Mitbrüdern in Tirschenreuth dieses bedeutende Jubiläum feiern zu können“, sagt Pater Martin Üffing SVD, Provinzial und Leiter der Steyler Missionare in Deutschland. „Ein Jahrhundert gegenseitiger Unterstützung liegt hinter uns – die Menschen aus Tirschenreuth und Umgebung haben großzügig die Mission der Steyler in aller Welt unterstützt, während sich Mitbrüder in Seelsorge und Schule eingesetzt haben. Zudem haben zahlreiche Missionare, die in Tirschenreuth ihren Weg im Orden begonnen haben, Gottes Wort in die Welt getragen. An diesem traditionsreichen Orden wollen wir uns nach unseren Möglichkeiten – und trotz angespannter Personallage – weiterhin engagieren.“

Seit der Schließung von Schule und Internat liegen die Schwerpunkte der Steyler Missionare in der allgemeinen und in der Krankenhausseelsorge, in liturgischen Diensten sowie in der missionarischen Bewusstseins­bildung. Fünf Steyler Mitbrüder leben zurzeit in der Kommunität in dem ehemaligen Missionshaus St. Peter.

Die Kommunität St. Peter 2017: (stehend von links) Pater Klaus Kniffki, Bruder Paul Spies, Pater Norbert Gaida; (sitzend v.l.) Pater Martin Neuhauser, Pater Helmut Stadermann. © Steyler Missionare 
Die Kommunität St. Peter 2017: (stehend von links) Pater Klaus Kniffki, Bruder Paul Spies, Pater Norbert Gaida; (sitzend v.l.) Pater Martin Neuhauser, Pater Helmut Stadermann. © Steyler Missionare

„Wir spüren einen starken Rückhalt in der Bevölkerung von Tirschenreuth und dem Stiftland. Zum Beispiel in dem großen Engagement, mit dem die vielen freiwilligen Helfer die Gottesdienste in St. Peter gestalten“, sagt Pater Martin Neuhauser SVD, seit 2013 Präses der Steyler Missionare in Tirschenreuth. „Mit der Zusage der Provinzleitung können wir unsere Aufgaben mit neuem Mut und frischem Elan angehen.“   

Pater Martin Neuhauser SVD ist seit 2013 Präses der Steyler Missionare in Tirschenreuth. 
Pater Martin Neuhauser SVD ist seit 2013 Präses der Steyler Missionare in Tirschenreuth.

Der Anfang in Tirschenreuth war schwer. Zwei Anläufe benötigten die Steyler Missionare, um das Missionshaus auf sichere Füße zu stellen. Ab Mitte der zwanziger Jahre war St. Peter dann aber nicht nur eine wichtige Ausbildungsstätte für die Steyler Missionare, sondern das einzige Gymnasium im so genannten Stiftland in der nordöstlichen Oberpfalz an der Grenze zu Tschechien. Auch externe Schüler fanden hier Zugang zu höherer Schulbildung. 1967, zu seinem 50-jährigen Jubiläum, zählte das Missionshaus 15 Ordenspriester, 13 Ordensbrüder und 80 Internatsschüler. Die Steyler Missionare betrieben Landwirtschaft, eine Schreinerei, Schlosserei, Gärtnerei und später auch eine Buchhandlung, die heute von dem Lebenshilfe e.V. weitergeführt wird. 

1968 wurde das Missionsgymnasium aufgelöst, die Schüler sowie einige Lehrer wechselten auf das neugegründete städtische Stiftlandgymnasium. Bis 1984 wurden noch die Internatsschüler im Missionshaus betreut. Aus der Missionsschule sind etwa 80 Priester, darunter Bischof Odilo Etspüler (Philippinen) und Vize-Generalsuperior Adolf Graf Spreti, sowie 44 Brüder, aber auch viele für die Mission engagierte Laien hervorgegangen. 

Historisches Luftbild vom Missionshaus St. Peter (Bildmitte) und der St. Peter-Kirche (links davor) 
Historisches Luftbild vom Missionshaus St. Peter (Bildmitte) und der St. Peter-Kirche (links davor)

1963 wurde der Neubau der St. Peter-Kirche eingeweiht. Dort bieten die Steyler Missionare neben den täglichen Messen an Sonn- und Feiertagen zwei Gottesdienste an, oft mitgestaltet von freiwilligen Helfern. Das Gotteshaus mit umliegendem Gelände ist im Besitz der Steyler Missionare verblieben, als 2008 das Missionshaus verkauft und an soziale Einrichtungen weitervermietet wurde. Auf dem Friedhof des St. Peterskirchleins haben 29 Steyler Brüder und Patres ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Wolfgang Finke