Pater Alois Kehl SVD (1923–2017)

09.01.2017

Pater Alois Kehl SVD (1923–2017)

Pater Alois Kehl verstarb am 8. Januar im Diakoniekrankenhaus in Neunkirchen. Der Auferstehungsgottesdienst findet am 12. Januar um 14.30 Uhr im Missionshaus St. Wendel statt.

Pater Johann Joseph Alois Kehl SVD

(* 23.07.1923  –  † 08.01.2017)


Am Fest der Taufe des Herrn, dem 8. Januar 2017, ist unser lieber Mitbruder Pater Alois Kehl nach einem langen und erfüllten Leben heimgegangen.

Alois Kehl wurde am 23. Juli 1923 als Sohn der Eheleute Raimund und Maria Kehl, geb. Huth, in Düsseldorf geboren. Bis zur Klasse 6 besuchte er die Volksschule in Düsseldorf-Oberbilk. Aufgrund privater Vorbereitungen konnte er zu Ostern 1936 bereits in die Quarta des St. Michael-Gymnasiums der Steyler Missionare in Steyl eingestuft werden. 1940 wurde die Schule von den Nazis aufgelöst und er begann sogleich in Steyl das Noviziat und setzte es in St. Augustin fort. Kurz bevor auch St. Augustin aufgelöst wurde, konnte er am 20. Juli 1941 die Erstprofess ablegen und vollendete seine Gymnasialstudien am Von-Reichenau-Gymnasium in Düsseldorf, die er 1942 mit der Erteilung des „Reifevermerkes“ abschloss.

An seinem 19. Geburtstag, dem 23. Juli 1942 begann für ihn der Kriegsdienst als Funker. Zunächst kam er nach Russland und wurde später vor Berlin verwundet. In Sachsen geriet er in amerikanische Gefangenschaft, aus der er aber bereits nach zehn Wochen, am 11. Juli 1945, wieder entlassen wurde. Sogleich kehrte er nach Sankt Augustin zurück und vollendete sein Noviziat. Danach begann er seine philosophisch-theologischen Studien am ordenseigenen Priesterseminar. Am 27. August 1950 wurde er durch Bischof Heinrich Leven SVD zum Priester geweiht.


Lehrer und Wissenschaftler im Dienst des Dialogs

Von August 1951 bis März 1953 wirkte er als Lehrer an den ordenseigenen Gymnasien St. Xaver in Bad Driburg und St. Michael in Steyl und war gleichzeitig Erzieher an den ihnen angeschlossenen Internaten. Anschließend studierte Pater Kehl elf Semester Klassische Philologie an der Universität Köln. 1960 legte er das Staatsexamen in Griechisch und Latein ab. Im Wintersemester 1960 promovierte er zum Dr. phil. in den Fächern Griechische Philologie, Lateinische Philologie und Alte Geschichte.

Nach und zwischen verschiedenen Stellen (1961 – 1971) als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Studienreferendar und Verwalter einer wissenschaftlichen Assistenzstelle (zumeist in Köln) war er noch von 1962 bis 1963 Lehrer in Steyl. Ab dem 1. September 1971 arbeitete Pater Kehl als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Franz-Joseph-Dölger-Institut an der Universität in Bonn. Dort schrieb er unter anderem einen provokanten Artikel: „Ungehorsam als Grundprinzip menschlicher Entwicklung, d.h. wenn man nur in alten Spuren läuft, geschieht nichts Neues!“

Pater Kehl war durch und durch Wissenschaftler. Daher darf auch nicht seine enge Beziehung zu den Freimaurern unerwähnt bleiben. Seit 1968 beschäftigte er sich mit der Freimaurerei, war aber nie Mitglied einer Loge. Mit Vorträgen und Artikeln trug er wesentlich zum Abbau von Vorurteilen bei. Er setzte sich für den Dialog zwischen katholischer Kirche und Freimaurerei ein. Heute kann man sagen, er war seiner Zeit voraus, denn schon damals schrieb er: „Nur Dialog wird zu einer friedlichen Welt führen.“ Bis 1988 arbeitete Pater Kehl am Dölger-Institut in Bonn.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Pater Kehl immer auch Seelsorger. Er war jahrelang Hausgeistlicher in zwei Schwesterngemeinschaften: zunächst bei den Töchtern vom Herzen Mariens in Köln und schließlich in Köln-Lindenthal bei den Cellitinnen/Augustinerinnen im Kloster zur Hl. Elisabeth.


Im Ruhestand

Mit 87 Jahren und auch schon körperlich geschwächt, kehrte Pater Kehl 2010 in das Missionspriesterseminar Sankt Augustin zurück, wo er auf der Krankenabteilung seine Wohnung nahm. Hier wurde er von den kroatischen Schwestern liebevoll gepflegt. Als neben seinen körperlichen Schwächen auch sein Augenlicht schließlich so schlecht war, dass er niemanden mehr erkennen konnte und alleine nicht mehr zurechtkam, übersiedelte er im Februar 2012 von Sankt Augustin in das Wendelinusheim nach St. Wendel. Auch hier lebte er sich schnell ein.

Pater Kehl, ein Mann, der sein Leben lang viel und gerne gelesen hat, konnte dies nun nicht mehr tun. Umso mehr freute er sich, wenn man ihn besuchte, ihm Neuigkeiten berichtete und ihm unter anderem auch aus wissenschaftlichen Zeitschriften oder Büchern vorlas. Auch ehrenamtliche Mitarbeiter kamen regelmäßig zu ihm zu Besuch. Durch seine liebevolle Art gewann Pater Kehl schnell die Herzen aller. Immer wieder bedankte er sich für die Hilfe. Das Danken war ihm sehr wichtig und fast täglich sangen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihm bei Tisch das Lied „Danke für diesen guten Morgen….“ Auch wir wollen nun Gott für das Leben von Pater Kehl danken. Danke, dass wir ihn in unserer Mitte haben durften und Danke für all das Gute, das er so vielen Menschen hat geben können. Trotz seines hohen Alters und erfüllten Lebens schmerzt sein Heimgang sehr.

 

Am kommenden Donnerstag, 12. Januar 2017, feiern wir um 14.30 Uhr in der Kirche desMissionshauses in St. Wendel den Auferstehungsgottesdienst für Pater Kehl. Im Anschluss daran findet die Beerdigung auf unserem Klosterfriedhof statt.


St. Wendel, 09. Januar 2017


Stefan Theobald svd
Leiter des Wendelinusheimes


Zur Vita von Pater Kehl.