Über Gott und die Welt

08.07.2017

Joachim Piepke SVD veröffentlicht „Ein befreiender Gott ist anders“ und möchte damit einen frischen Zugang zum Zentrum des christlichen Glaubens eröffnen.

„In diesem Buch geht es mir darum, ein Gottesbild zu zeichnen, das nicht bedrückend ist und nicht einen strafenden oder beobachtenden Gott zeigt, sondern dem heutigen Menschen einen Zugang für einen offenen, befreienden Gott eröffnet,“ fasst Joachim Piepke den Zweck seines Buches zusammen.

Prof. em. Dr. Joachim Piepke SVDProf. em. Dr. Joachim Piepke SVD, Jahrgang 1943, unterrichtete Theologie in Brasilien (1970–1980) und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin, der er von 1998 bis 2013 auch als Rektor vorstand. Seit 1983 leitet er außerdem das Anthropos Institut in Sankt Augustin.

„Als ich 2013 emeritiert wurde, hatte ich endlich mehr Zeit, um mich einer größeren Arbeit zu widmen und mich dazu für lange Stunden an den Schreibtisch zu setzen. Dazu habe ich das Material meiner Vorlesungen all dieser Jahre durchgearbeitet und zusammengefasst. Meine Studenten hatten ja immer wieder einmal angeregt, ich solle in einem Buch zusammenstellen, wie ich die Theologie in all diesen Jahren erarbeitet und vorgestellt hatte. Verschiedene Traktate bilden jetzt die Kapitel des Buchs, das mit seinen über 700 Seiten ziemlich umfangreich geworden ist,“ erzählt er.


Auch für Laien lesbar

Er glaubt, dass das Buch für jeden interessierten Leser zugänglich sein müsste, also keine Fachausbildung in Theologie voraussetzt. „Es sollte auch für den interessierten Laien lesbar sein. Deswegen habe ich ja auch die wenigen Fachausdrücke und angesprochenen Theologen erklärt und die universitäre Fachsprache vermieden,“ sagt Pater Piepke.

Natürlich gibt es noch keine Reaktionen auf das Buch. Außer der einen: „Der Verleger, der mein Buch bei Eos betreut hat, sagte mir, dass er sich gelegentlich schon ‚zähneknirschend’ durch Bücher für die Herausgabe hindurcharbeiten musste, dass er aber bei diesem Buch voll und ganz hinter dem Inhalt stehen konnte. Gut zu hören,“ freut sich Pater Piepke.

„Aufgrund eines solchen befreienden Gottesbildes muss man natürlich das gesamte kirchliche Lehrgebäude neu interpretieren,“ sieht Piepke die Herausforderung und den Beitrag des Buches. „Daher spreche ich auch verschiedene neuralgische Punkte an, von der Schöpfungsgeschichte über das Thema Naturwissenschaften und Gott, Erbsünde, menschliche Vorstellungen von Vergebung und Strafe bis zu Jenseitsvorstellungen.“ Man muss das Buch ja nicht wie einen Roman in einem Zug durchlesen, sondern kann sich über die Stichworte im Index oder Inhaltsverzeichnis mit einzelnen Themen auseinandersetzen und von dort andere Abschnitte angehen, rät Pater Piepke.


Ein anderes Kirchenbild

„Im Hintergrund zeigt sich ein anderes Kirchenbild, mehr demokratisch, ausgehend vom Volk Gottes als dem eigentlichen Träger der kirchlichen Autorität. Das betrifft dann weiter die Stellung der Frau in der Kirche und ihren Zugang zu den Ämtern. In diesem Zusammenhang argumentiere ich von der Theologie her für die Zulassung zu allen Ämtern, gegen die Vorbehalte des Klerus, die meines Erachtens immer noch unterschwellig Angst hat vor der Verunreinigung des Heiligen durch das Blut der Frauen, eine Vorstellung, die wir aus dem Alten Orient übernommen haben und immer noch durchhalten,“ sagt Pater Piepke.


Nächstes Projekt?

Pater Piepke in seinem Büro.„Nach dem Buch ist vor dem Buch“: Pater Piepke hat zunächst keine Eile mit einem nächsten Buch. Aber er würde gern im Kontext des Anthropos Instituts an einem Projekt arbeiten, in dem es um den „Schneemenschen“ geht: „Ich habe ungesichtetes Material von einem Steyler Missionar hier, Pater Eichinger, der vor dem Krieg in China arbeitete und den ich einmal interviewte. Er begegnete dem Yeti, dem Schneemenschen. Seiner Meinung nach handelte es sich dabei möglicherweise um Menschen mit körperlichen Anomalitäten, die schon als Kinder von ihren Dörfern ausgestoßen wurden und sich allein in den Bergen durchschlugen. Sie waren gefürchtet, aber oft auch als begabte Wunderheiler angesehen. Dazu haben wir hier in unserem Archiv allerhand Material liegen und das wäre interessant, da einmal dran zu gehen“, verrät er von seinem nächsten Projekt, von ethnologischer Seite dem Mythos Schneemensch auf die Spur zu kommen.


Joachim G. Piepke, Ein befreiender Gott ist anders. Für Menschen, die an der Kirche verzweifeln, St. Ottilien, EOS Verlag, 2017, 753 Seiten


Hier gibt es das Buch.

Christian Tauchner SVD