Mehr als nur ein virtuelles Institut

21.12.2017

Seit Oktober ist der Steyler Missionar Dr. Stanisław Grodź SVD als Direktor des Anthropos-Instituts im Amt.

Das ethnologische Institut wurde 1931 in St. Gabriel nahe Wien gegründet und ist seit 1962 in Sankt Augustin bei Bonn beheimatet. Dr. Grodź folgte Prof. Joachim Piepke SVD, der das Institut bald 30 Jahre geleitet hat.

Dr. Stanisław Grodź SVD vor den Porträts seiner Vorgänger, den Direktoren des Anthropos-Instituts.  
Dr. Stanisław Grodź SVD vor den Porträts seiner Vorgänger, den Direktoren des Anthropos-Instituts.

Für seine neue Aufgabe ist Pater Dr. Stanisław Grodź (53) im vergangenem Jahr nach Deutschland gekommen. Zuvor hat er 13 Jahre Religionswissenschaft an der Katholischen Universität in Lublin in Polen gelehrt. Von seinen Mitbrüdern in St. Augustin erfahre er viel Unterstützung beim Einleben in der neuen Heimat, sagt er. Mit über fünfzig Jahren noch eine neue Sprache zu lernen bleibe aber eine Herausforderung.

Deutlich spürt Dr. Grodź die Verantwortung für das ihm anvertraute Anthropos-Institut, auch wenn er von der Ausbildung kein Anthropologe ist, sondern promovierter Religionswissenschaftler. Den Auftrag seines Ordens an das Institut hat er klar vor Augen: „Wir als Steyler Missionare müssen über unsere Arbeit reflektieren, wir müssen die Kulturen kennenlernen, in denen wir missionieren. Darin haben wir eine über hundertjährige Tradition, mit der Zeitschrift Anthropos seit 1906, mit dem Institut seit 1931.“ Einen großen Anteil an dieser Tradition hat für Dr. Grodź sein Vorgänger Professor Dr. Joachim Piepke SVD. Fast 30 Jahre war Piepke Direktor des Anthropos-Instituts, die Tatsache, dass es weiterhin aktiv sein kann, verdanke es seiner Person.

Das Anthropos-Institut in Sankt Augustin
Das Anthropos-Institut in Sankt Augustin

Auch wenn es sich in den letzten Jahren für Mitglieder geöffnet hat, die keinem Orden angehören, ist Anthropos kein großes Institut. Derzeit zählt es 46 Mitglieder aus 15 Nationen, die in 13 Ländern tätig sind. „Wir sind eher eine virtuelle Organisation mit einem kleinen Mitarbeiterstab, nicht vergleichbar mit großen anthropologischen Instituten etwa in Amerika“, erklärt Dr. Grodź. Deshalb ist für ihn ein vorrangiges Ziel, die Beziehung zu den einzelnen Mitgliedern stärken.

Das Netzwerk nach außen will Dr. Grodź ebenfalls ausbauen: Viele Mitglieder des Instituts sind in dem Zukunftsprozess der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin engagiert. Eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Instituten auf dem Campus in Sankt Augustin, dem Institut Monumenta Serica und dem Steyler Missionswissenschaftlichen Institut, wo Grodź auch im Vorstand sitzt, sei denkbar. „Vielleicht können wir die Kompetenzen der Institute bündeln zu einem Think Tank“, deutet er an. Eine Möglichkeit sei auch ein stärkerer praktischer Bezug zur Mission, wie schon in den Anfangstagen des Journals. „World Christianity – Weltchristentum“ laute dazu das aktuelle wissenschaftliche Stichwort.

Und schließlich sei die Bibliothek ein Pfund, mit dem das Anthropos-Institut wuchern könne. Das merke man, wenn auswärtige Wissenschaftler nach Sankt Augustin kommen, um dort zu arbeiten, so Grodź. Vor allem die vielen, historischen Zeitschriftenjahrgänge seien einzigartig. Zurzeit arbeitet man im Institut an der Digitalisierung des Kataloges.

Bei all den Plänen weiß Grodź aber auch, dass der Weg des Anthropos-Instituts kein leichter sein wird: „Wir müssen realistisch sein. Wir tun, was wir können, und dann werden wir sehen.“

Die Maske neben Direktor Dr. Stanisław Grodź SVD ist das Signet des Anthropos-Instituts.   
Die Maske neben Direktor Dr. Stanisław Grodź SVD ist das Signet des Anthropos-Instituts.

Dr. Stanisław Grodź SVD wurde 1964 geboren in Mikołajki (Nikolaiken) in Masuren im Nordosten Polens, aufgewachsen ist er in der Nähe von Danzig. Mit 20 trat er den Steyler Missionaren bei. In den 80er Jahren lebte und arbeitete er als junger Missionar in Ghana im Rahmen des „ Overseas Training Program“ (OTP). Seine Doktorarbeit verfasste er über die afrikanische Theologie. Die Lehrtätigkeit an der Katholischen Universität Lublin Johannes Paul II. unterbrach er für das Studium Christlich-muslimischer Beziehungen an der University of Birmingham, England. Zurzeit arbeitet Dr. Grodź im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts an einer Bibliographie der christlich-muslimischen Beziehungen.

Wolfgang Finke