Wie Geige, nur anders

23.09.2017

Zwölf Steyler Missionare blicken auf 50 Jahre Priestertum zurück und sehen die Welt mit anderen Augen.

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes begleitet von der Bläsergruppe der St.-Josephs-Gemeinde in Köln feierten an diesem Samstag, den 23. September, zwölf Steyler Missionare ihr goldenes Priesterjubiläum.


Alle Jubilare haben ihr Leben in den Dienst von Gottes Mission gestellt, der für alle Menschen das Leben will – vor allem für die am Rande der Gesellschaft, die Ausgeschlossenen und die Armen.

In seiner Festpredigt zeichnete Pater Hubert Schöning – selbst einer der Jubilare – seinen 50jährigen Weg sowie den seiner Mitbrüder als die Entwicklung von einer hell klingenden Geige hin zu einer tiefgründigen Bratsche – "zu spielen wie eine Geige, nur anders". Nach vielen Jahren der Ausbildung wurden am 23. September 1967 damals 19 zum Priester geweihte Steyler Missionare in alle Welt entsendet. Sie wirkten in Japan, in Indonesien, auf den Philippinen, in Paraguay, in Chile, in Brasilien, in Angola, im Kongo und in Russland – aber auch in Deutschland. Sie waren tätig als Gemeindepfarrer und Seelsorger, als Wissenschaftler, Lehrer und Pädagogen, als Manager und Finanzexperten.

In der Begegnung mit vielerlei Kulturen und Religionen, mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Lebensgeschichten habe für all diese jungen Priester eine geistige Auseinandersetzung begonnen, die sie zu mehr Tiefgang – wie eben die Tonlage einer Bratsche – geführt habe. 50 Jahre gelebtes Priestertum und missionarisches Engagement eröffnen den Blick auf eine lebendige Beziehung zu Gott und ein waches Interesse an den Menschen.


Ihr 50-jähiges Priesterjubiläum feierten am Samstag, 23. September 2017:

Pater Hubert Schöning SVD

Hubert Schöning wurde am 22. Februar 1939 in Gescher im Bistum Münster geboren. Bereits seine Schulausbildung führte ihn zu den Steyler Missionaren in den Gründungsort Steyl (Niederlande). Danach studierte er Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaft und war somit gut gerüstet für die vielfältigen Aufgaben in der Seelsorge ebenso wie in der Verwaltung in verschiedenen Pfarrgemeinden und Niederlassungen in der Deutschen Provinz der der Steyler Missionare. Viele Jahre war er Seelsorger in der Heilig-Geist-Gemeinde in Berlin, wo die Steyler Missionare eine Niederlassung haben. Aber auch in anderen Häusern des Ordens war er tätig. In St. Augustin ebenso wie in St. Arnold in Neuenkirchen überwachte er als Hausökonom die Finanzen, außerdem hatte er drei Jahre lang die Geschäftsführung der Steyler Verlagsbuchhandlung inne. Seit 2005 ist er Pastor in der St.-Marien-Gemeinde in Ahlen im Bistum Münster.


Pater Arnold Plum SVD

Arnold Plum wurde am 30. November 1939 in Geilenkirchen im Bistum Aachen geboren. Bereits als 13jähriger besuchte er die Schule der Steyler Missionare in ihrem niederländischen Gründungsort und trat schließlich am 1. Mai mit den Erstgelübden in den Missionsorden ein. Genau fünf Jahre später legte er seine Ewigen Gelübde ab und wurde wenige Monate darauf, am 23. September 1967 zum Priester geweiht. Heute blickt er auf insgesamt 49 Jahre Missionstätigkeit in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne zurück. Dort war er tätig als Distriktoberer, in der Schwesternseelsorge sowie als Dozent für die deutsche Sprache an der 1932 von Steyler Missionaren gegründeten katholischen Nanzan-Universität in Nagoya. Er hat eine neue Pfarrei errichtet und ist heute noch als Pastor aktiv für Südamerikaner und Philippinos im Bereich der Autostadt Toyota.


Pater Helmut Stadermann SVD

Der am 7. Oktober 1939 in Hannover geborene Helmut Stadermann absolvierte sein Theologie- und Philosophiestudium an den Hochschulen der Steyler Missionare in St. Gabriel, Mödling, in der Nähe von Wien sowie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin bei Bonn. Bereits während des Studiums sammelte er im Rahmen eines Praktikums am Gymnasium der Steyler Missionare in St. Wendel erste Erfahrungen als Pädagoge. Nach seiner Priesterweihe am 23. September 1967 war er viele Jahrzehnte lang als Erzieher, Internatsleiter und Religionslehrer in verschiedenen Schulen der Steyler Missionare tätig. Zudem verantwortete er als Rektor bzw. Hausökonom in den Steyler Häusern in Aulendorf, Bad Driburg, Neuenkirchen und zuletzt in Tirschenreuth die Verwaltung sowie die Finanzen.


Pater Herbert Becker SVD

Der am 13. November 1939 in Hollerath in der Eifel geborene Herbert Becker trat 1960 in den Orden der Steyler Missionare ein und wurde am 23. September 1967 im Missionspriesterseminar St. Augustin zum Priester geweiht. Seit 1969 ist Pater Becker in Chile tätig. Er arbeitete dort als Seelsorger und als Rektor u. a. an den Steyler Schulen Liceo Alemán und Colegio del Verbo Divino in Santiago. Danach war als Hochschulseelsorger an der Universidad del Desarrollo tätig. Im November 2008 ist er vom chilenischen Senat für seine Verdienste im Erziehungswesen mit der chilenischen Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet worden.


Pater Hugo Tewes SVD

Als jüngstes von fünf Kindern wird Hugo Tewes am 4. Januar 1940 in Altenheerse (heute Willebadessen) im Erzbistum Paderborn geboren. Seine Gymnasialzeit führte ihn bereits zu den Steyler Missionaren, sein Abitur legte er in deren Schule St. Xaver in Bad Driburg ab. Er trat in den Orden ein und studierte Philosophie und Theologie an den Hochschulen der Steyler Missionare in St. Gabriel, Mödling bei Wien und in Sankt Augustin bei Bonn, und wurde am 23. September 1967 zum Priester geweiht. Nach einem einjährigen Sprachstudium in Frankreich reiste er im September 1969 in den Kongo, wo er bis heute tätig ist. Er arbeitete dort als Buschmissionar, als Pfarrer und vor allem als Gründer einer Kirchengemeinde, von Schulen und einem Kindergarten. 1993 wurde die von ihm gegründete und unter seiner Leitung gebaute Kirche Notre Dame d’Afrique in der Hauptstadt Kinshasa eingeweiht. Neben seiner seelsorglichen und pädagogischen Arbeit war er auch in der Verwaltung der Steyler Missionare im Kongo als Provinzial sowie als Zonenkoordinator tätig.


Pater Karl Scholly SVD

Karl Scholly wurde am 14. Juli 1940 in Bardenberg im Bistum Aachen geboren. Er besuchte das von den Steyler Missionaren gegründete Gymnasium im niederländischen Steyl und schloss die Gymnasialzeit mit dem Abitur ab. Nach den Philosophie- und Theologiestudien an den ordenseigenen Hochschulen in Mödling bei Wien sowie in Sankt Augustin bei Bonn wurde er am 23. September 1967 zum Priester geweiht. Zwei Jahre später brach er nach Timor, Indonesien, auf, wo er die Pfarrgemeinde in Halilulik in der dortigen Diözese Atambua übernahm. Sein damaliger Vorsatz, es seinem Vorgänger, der außergewöhnlich lang im Amt war, nicht gleich zu tun und „beizeiten Schluss zu machen im verantwortlichen Pfarrdienst“, sollte nicht aufgehen. Viele Jahrzehnte lang diente er als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden auf Timor. Als im Jahr 2007 Dominikus Suku neuer Bischof von Atambua wurde, trat er als Bischofssekretär in dessen Dienst.


Pater Norbert Hessling SVD

Am 7. Juli 1940 wurde Norbert Hessling in Dingden, Hamminkeln, im Bistum Münster geboren. Bereits seine Gymnasialzeit führte ihn zu den Steyler Missionaren in deren Schule St. Arnold. Nach dem Ordenseintritt und der Priesterweihe am 23. September 1967 war er 14 Jahre als Missionar auf den Philippinen tätig. 1981 wurde er zurück nach Deutschland berufen, um dort unter anderem für das Missionswerk missio zu arbeiten. An verschiedenen Schulen sowie in Pfarrgemeinden im Bistum Münster wirkte er als Schul- und Pfarrseelsorger. Seit 2008 lebt er im Missionspriesterseminar in Sankt Augustin.


Pater Richard Stark SVD

1938 in Mettingen geboren trat er nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem anschließenden Abitur in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes, so die offizielle Bezeichnung der Steyler Missionare, ein. Er studierte Philosophie in Mödling bei Wien und Theologie in St. Augustin. Nach seiner Priesterweihe am 23. September 1967 siedelte er nach Afrika über und betreute fast 30 Jahre als Seelsorger verschiedene Gemeinden im Kongo. Dort ging es ihm vor allem darum, das Lebensniveau der ländlichen Bevölkerung zu heben. Er richtete saubere Trinkstätten ein, brachte eine gewinnbringende Rinderzucht auf den Weg und half mit, in der Diözese Kikwit Solaranlagen aufzustellen. Durch seine Initiative wurde eine Ebola-Epidemie als solche erkannt und die Behörden wachgerüttelt.

Schon fast im Rentenalter machte er sich im Jahr 2006 nach St. Petersburg auf, um die dortige Kirche Mariä Heimsuchung, die über viele Jahre hinweg als Lagerstätte und Müllhalde genutzt wurde, wieder aufzubauen. Durch seinen sozialen Einsatz in der Stadt leiste der damals 71-Jährige einen wichtigen Beitrag für die deutsch-russische Aussöhnung und erhielt dafür 2009 das Bundesverdienstkreuz.


Pater Winfried Moschner SVD

Winfried Moschner wurde am 29. April 1937 in Breslau geboren und wuchs nach der Vertreibung in Salzbergen bei Lingen auf. 1963 legte er seine ersten Gelübde ab und nahm das Philosophie- und Theologiestudium an den ordenseigenen Hochschulen in Österreich und Deutschland auf. Bereits mit seiner Priesterweihe am 23. September 1967 war klar, dass er als Missionar nach Paraguay gehen würde. Deshalb studierte er zwei weitere Jahre lang die spanische Sprache und Kultur an verschiedenen Instituten in Spanien. In Paraguay übernahm er die Pfarrei in Encarnación. In den folgenden Jahren war er Pfarrer und Schulleiter in verschiedenen Gemeinden und Ausbildungsstätten. Um den ordenseigenen Nachwuchs bei den Steyler Missionaren kümmerte er sich als Noviziatsleiter und nahm Aufgaben auf Diözesanebene wahr. In den frühen 2000er-Jahren wurde er mit Führungsaufgaben in der Provinz betraut, war Distriktoberer in La Paloma del Este, leitete das SVD-Haus in Asunción und wurde Missionssekretär sowie Kommunikationsverantwortlicher.


Pater Josef Dohmen SVD

Josef Dohmen, geboren am 23. August 1939 in Heinsberg im Bistum Aachen fand nach seinem Philosophie- und Theologiestudium, sowie nach seiner Priesterweihe am 23. September 1067 seine erste Berufung in der süddeutschen Provinz der Steyler Missionare. Ab 1973 arbeitete er in der Präfektur in St. Wendel und übernahm von 1994 bis 2000 Aufgaben als Militärseelsorger. Von 2004 bis 2014 war er Pfarradministrator in Rubenheim. Heute lebt er im Missionshaus der Steyler Missionare in St. Wendel.

 

Pater Hermann-Josef Menge SVD

Geboren am 9. Juli 1939 in Herten am nördlichen Rand des Ruhrgebiets führte ihn sein Weg als Steyler Missionar immer wieder quer durch ganz Deutschland. Sein Noviziat absolvierte er in Österreich, legte aber seine Ewigen Gelübde in Sankt Augustin ab und wurde auch dort am 23. September 1967 zum Priester geweiht. In den Folgejahren war er als Seelsorger in Bad Driburg und Berlin tätig, 1973 kam er nach Ingolstadt, wo er Schülerpräfekt wurde. In den folgenden zehn Jahren widmete er sich vorrangig der Schulseelsorge, unter anderem im Studienkolleg St. Johann der Steyler Missionare im oberschwäbischen Aulendorf-Blönried. Seit einigen Jahren arbeitet er wieder an seiner alten Wirkungsstätte in der Heilig-Geist-Gemeinde in Berlin.


Pater Antonio da Torre SVD

Antonio da Torre wurde 1942 in Povoa de Varzim in Portugal geboren. Schon mit 11 Jahren trat er ins das neugegründete Kleine Seminar der Steyler Missionare in Guimarâes ein. Nach seinem Noviziat und dem anschließenden Erstgelübde 1962 absolvierte er sein Philosophie- und Theologiestudium unter anderem an der Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin.

Anders als seine Mitbrüder, mit denen er am vergangenen Samstag das Goldene Priesterjubiläum beging, wurde er 1967 in Fatima in seinem Heimatland zum Priester geweiht.

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im wissenschaftlichen Apostolat. So lehrte er bis 1984 Fundamentaltheologie am Theologischen Seminar in Santo Amaro, Brasilien.

Nach einer sechsjährigen Tätigkeit als Pfarrseelsorger, wurde er nach Angola versetzt und setzte bis zu seiner Emeritierung 2016 seine wissenschaftliche Tätigkeit an der katholischen Universität in Luanda fort. Gleichzeitig hatte er das Amt des Vize-Rektors in der Universität inne. Außerdem bereite er den Ordensnachwuchs auf das Noviziat vor.


Sabine Brockmann