Pater Helmut (Carlos) Brockmann SVD (1933 – 2017)

29.05.2017

Gestern Morgen rief Gott der Herr unseren lieben Mitbruder P. Helmut Brockmann, für uns alle unerwartet und ganz plötzlich, zu sich.

Pater Helmut wurde am 17. November 1933 in Rheine/Westfalen als zweiter Sohn der Eheleute Franz Brockmann und Liska, geb. Grosse, geboren. Von 1940 bis 1948 besuchte er die Volksschulen in Rheine und in Bilk. Danach begann er seine gymnasiale Ausbildung im Missionshaus St. Arnold. 1953 wechselte er – wie damals üblich – für die Oberstufe in das Missionshaus St. Xaver in Driburg.

Nach dem Abitur im März 1956 trat er bereits im April desselben Jahres in das Missionspriesterseminar in St. Augustin ein. Am 01. Mai 1958, nach dem Abschluss des Noviziates, legte er in St. Augustin die Ersten Gelübde ab und begann seine philosophisch-theologischen Studien. Am 08.12.1962 wurde er in der Kirche des Missionspriesterseminars in St. Augustin von dem Steyler Bischof Paul Sani Kleden zum Priester geweiht. 1963 bekam er seine Missionsbestimmung für die Provinz Argentinien-Nord.

1964 reiste er nach Argentinien aus und studierte zunächst sieben Monate Spanisch in Esperanza. Dann erhielt er seine Zuweisung in das Delta des Rio de la Plata nach Diamante, etwa 500 km nördlich von Buenos Aires. Dort kümmerte er sich besonders um die Menschen auf den vielen Inseln. Durch die Hilfe von Adveniat war es ihm möglich, eine „Lancha“, ein 12 Meter langes Boot, zu kaufen, womit er die vielen Inseln besuchen konnte. Man muss sich vorstellen, dass der Rio de la Plata bei Diamante rund 25 km breit ist. Hier arbeitete er bis Januar 1969. Übrigens nannte man ihn in Argentinien nur „Padre Carlos“, da die Argentinier den Namen Helmut nicht aussprechen konnten. Von Diamante aus ging er in die Pfarrei „Abra Pampa“ in der Provinz Jujuy, hoch in den Anden gelegen. Die Pfarrei in der Nähe zu Bolivien und Chile umfasste 56 Dörfer in einer Höhe zwischen 3300 und 4900 Metern. Da das Jahr nur 52 Wochen hat, blieb ihm für jedes Dorf nicht einmal eine Woche. Nach dieser auch für seine Gesundheit schweren Zeit in dieser Höhe, durfte Pater Helmut anschließend den Terziatskurs in Nemi mitmachen.


Bewusstseinsbildung

Während seines anschließenden Heimaturlaubes in Deutschland baten ihn die damaligen Oberen, er möge doch für drei Jahre in dem 26-köpfigen ökumenischen Team der „Aktion Missio“ mitarbeiten. Das tat er gern und arbeitete in den drei Jahren in 11 verschiedenen Diözesen. Ende 1973 kehrte er wieder nach Argentinien zurück und wurde Pfarrer der Pfarrei „Bandera de Santiago del Estero“. 1979 übernahm er schließlich die Pfarrei „Tumbaya“ in den Cordilleren der Anden. Hier betreute er nun 42 Dörfer. Zusammen mit einem Redemptoristenpater konnte er in der Zone des Altiplano in acht Jahren 250 Gemeindeleiter katechetisch ausbilden.

Nach fast 10 Jahren im Hochland der Anden rieten ihm die Ärzte, aus Gesundheitsgründen in eine tiefergelegene Gegend umzuziehen. Und so bestimmten ihn die Oberen für die Pfarrei „Villa Minetti“, ganz im Norden der Provinz Santa Fe, eine der heißesten Gegenden Argentiniens: Die Temperaturen schwanken oft zwischen 27 und 48 Grad Celsius. Am 16. September 2002 kehrte Pater Helmut nach Deutschland zurück. Zunächst machte er ein Sabbatjahr, um sich auszuruhen und sich um seine Gesundheit zu kümmern. Ab Oktober 2003 gehörte er zur Kommunität des Missionshauses St. Bernhard in Mosbach. Er betätigte sich vor allen Dingen in der missionarischen Bewusstseinsbildung in vielen Pfarreien und übernahm gern Aushilfen in und um Mosbach.


In St. Wendel

2016, nun schon über 80 Jahre alt, bat er den Provinzial um die Versetzung in das Wendelinusheim in St. Wendel, da ihm in Mosbach das viele Treppensteigen sehr beschwerlich wurde. Im September 2016 übersiedelte er in das Missionshaus nach St. Wendel. Er lebte sich schnell in die Gemeinschaft ein. Er selbst schreibt: „In meinem ganzen Leben ist es mir noch nicht so gut gegangen wie in St. Wendel. Noch nie habe ich schöner gewohnt. Dafür danke ich Gott und unserer Ordensleitung, die uns dies ermöglicht haben. Hier ist nicht meine letzte Station, sondern meine letzte Missionsstation. Von hier aus geht es nur noch zu IHM.“ 

Pater Helmut war durch und durch ein Seelsorger. Er konnte durch seine offene und herzliche Art sehr gut zuhören; er hatte immer ein gutes Wort für den, der ihm begegnete. Nach den Mahlzeiten ging er noch zu einem kurzen Gespräch zu dem einen oder anderen Mitbruder, weil ihm das wichtig war. 

Alle Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus freuten sich einerseits für ihn, dass er ohne Schmerzen und ganz schnell hat gehen dürfen, doch sein plötzlicher Tod hat alle tief getroffen. Wir werden ihn schmerzlich vermissen. 

Danken wir Gott für das Leben von „Padre Carlos“ – und möge er uns immer vom Himmel her begleiten. 

Am Mittwoch, 31. Mai 2017 , feiern wir um 14.30 Uhr in der Kirche des Missionshauses in Sankt Wendel den Auferstehungsgottesdienst für P. Carlos und sagen ihm ein letztes „A Dios“.

Im Anschluss daran findet die Beerdigung auf unserem Klosterfriedhof statt.  


St. Wendel, 29. Mai 2017 

Stefan Theobald svd
Leiter des Wendelinusheimes