Mit den Menschen am Rande der Gesellschaft

19.02.2018

Mit den Menschen am Rande der Gesellschaft

Steyler Missionare berichten über ihre Arbeit mit Menschen am Rande der deutschen Gesellschaft während der Besinnungstage in St. Augustin.

Bruder Stefan Würth SVD bei seinem Vortrag in St. Augustin 
Bruder Stefan Würth SVD bei seinem Vortrag in St. Augustin

Zu zweitägigen Besinnungstagen hat am vergangenen Wochenende Rektor Pater Adamek die Hausgemeinschaft in St. Augustin eingeladen. Neben gemeinsamen Exerzitien und Gebeten standen Vorträge auf dem Programm. Steyler Mitbrüder berichteten von ihren Einsätzen bei Menschen am Rande der Gesellschaft.

Am Freitagnachmittag schilderte Bruder Stefan Würth SVD aus Hamburg seine Arbeit mit Langzeitarbeitslosen. Der Gärtnermeister mit einer Zusatzqualifikation als Sonderpädagoge betreut mit einem Kollegen eine Gruppe von etwa 25 Männern und Frauen, die Grünanlagen und Spielplätze in Hamburg-Altona pflegt. Die Menschen werden vom Arbeitsamt zugewiesen, Ziel der Maßnahme in der Trägerschaft von Invia ist es, sie wieder an geregelte Arbeitsabläufe heranzuführen.

Arbeitsbeginn am Bauhof in Hamburg-Altona  
Arbeitsbeginn am Bauhof in Hamburg-Altona

„Sie tragen alle einen schweren Lebensrucksack mit sich“, sagt Bruder Stefan über seine Teilnehmer: Alkoholsucht, Analphabetismus, körperliche Behinderungen, Missbrauchs- und Heim-Erfahrungen, Drogensubstitution, Schulden, Spielsucht – viele haben multiple Problemlagen. Da ist es schon ein Erfolg, wenn es gelingt, sie an einen regelmäßigen Lebens- und Arbeitsrhythmus zu gewöhnen.

Aufmerksame Zuhörer bei den Besinnungstagen in St. Augustin.  
Aufmerksame Zuhörer bei den Besinnungstagen in St. Augustin.

Viele springen ab, etwa 50 Menschen durchlaufen seine Maßnahme im Jahr, aber zwei oder drei können auch weitervermittelt werden, etwa in Mini-Jobs. „Wir arbeiten nicht mit dem Grün, sondern mit den Menschen“, erklärt der Gärtnermeister seine Priorität. Wichtig sei, dass man den Teilnehmern mit Würde und Respekt begegnet, sie als Menschen und nicht als Nummer behandelt.

Dabei helfe ihm sein Glaubensfundament und die Identität als Ordensmann. Zunächst müsse man eine Vertrauensbasis aufbauen, dann könne es gelingen, Wegbegleiter und Wegbereiter für die Menschen zu sein. Nur wer authentisch ist und auch in schwierigen Situationen locker und ruhig bleibt, könne die Menschen mit ihren Handicaps und Problemen erreichen. Klar sei aber auch, so Bruder Stefan, dass man nicht allen helfen kann und man auf diese Erfahrungen vorbereitet sein muss. 

Bruder Stefan an seinem Arbeitsplatz  
Bruder Stefan an seinem Arbeitsplatz
Wolfgang Finke