Befreiungstheologie in Europa

06.10.2008

St. Gabriel, / Österreich - Ein kräftiges Lebenszeichen gab die Befreiungstheologie bei einem Workshop, das die Steyler Missionare gemeinsam mit der Universität Wien vom 3. bis 5.10. 2008 in St. Gabriel veranstalteten.

Für die Universität stellt Befreiungstheologie einen Forschungsschwerpunkt dar, für die Steyler sind Methode und Themen dieser Theologie wegweisend für das Verständnis und die Praxis von Mission.

 

In bunter Vielfalt trafen sich 50 Leute im Großen Saal des Exerzitien- und Bildungshauses: Gut 20 ReferentInnen, ebenso viele StudentInnen, Steyler Missionare und Interessierte. Die ReferentInnen trugen ihre Beiträge zum Thema "Befreiungstheologie heute: Revisionen - Ansätze - Zukunftsperspektiven" vor. Es war vor allem ein Brückenschlag von Lateinamerika nach Österreich, weil viele der ReferentInnen mit diesem Kontinent durch ihre Tätigkeit verbunden waren oder noch sind.

 

Im Blick auf Lateinamerika wurde der Ursprung der Befreiungstheologie genauso bedacht wie die derzeitige Ausformung in eine pluralistische Befreiungstheologie und die heutige Situation der Basisgemeinden. Neue Erkenntnisse über den Beitrag der Indigenas zur Gründungslegende von Guadalupe in Mexiko machten deutlich, dass die Unterdrückten und kulturell Anderen schon sehr früh zu Subjekten ihrer Geschichte wurden, was zu einer inkulturierten Evangelisierung führte. Die Armen als Subjekte, aber auch als besondere Orte der Gegenwart Christi in der Welt standen immer wieder im Mittelpunkt der Überlegungen.

 

Für eine europäische Befreiungstheologie geht es daher um Themen wie Migration, um "Wegwerfmenschen", die das heutige globale Wirtschaftssystem produziert, um ethische Herausforderungen der Globalisierung und um einen befreienden Ansatz für die Mission.

 

Besonders aufgewertet wurde das Treffen durch den Jesuiten Martin Meier, der Grüße von Jon Sobrino überbrachte und in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier von der Bekehrung und vom Martyrium Bischof Oscar Romeros berichtete.

 

Schließlich brachte Ursula Baatz von den Philippinen und vom Zen-Buddhismus her eine Spiritualität der Befreiung in den Blick. Um Spiritualität und den Ort bzw. Kontext der Theologie ging es auch in der Schlussrunde. Mit diesen beiden Themenbereichen wird sich wohl der nächste Workshop befassen, der in einem Jahr wieder in St. Gabriel stattfinden soll.

Franz Helm SVD, Elke Grafl