23.01.2012
St. Gabriel, Maria Enzersdorf / Österreich - Pater Franz Gassner bricht zu seiner Mission nach Macao (China) auf und will ethische Perspektiven in die Diskussion der kapitalistischen Entwicklung Macaos einbringen.
Zwanzig Jahre nachdem er darum angesucht hatte, kann der Steyler Missionar Pater Franz Gassner am Donnerstag, dem 26. Jänner, endlich in seine Mission nach China ausreisen. So leitete der Provinzial der Steyler Missionare in Österreich, Pater Josef Denkmayr, seine Segenswünsche im Rahmen einer Liturgie am Sonntagabend ein, in der Pater Gassner aus dem Missionshaus St. Gabriel verabschiedet wurde, um zunächst einen Lehrauftrag an der Universität St. Josef in Macao (China) wahrzunehmen.
Pater Gassner wird zunächst zwei Semester lang an der Universität einen Kurs über Multikulturalität aus sozialethischer Perspektive anbieten. „Es geht darum, mit den verschiedenen vorherrschenden Ethnien, wie Filipinos, Indonesier, Portugiesen, Chinesen und Russen, an der Universität weltanschauliche Fragen durchzugehen. Das gehört zum Pflichtprogramm der Universität für alle Studenten“, erzählt Gassner. Die Universität wurde noch im 16. Jahrhundert gegründet und 1996 neu gegründet. Sie war mit einer der ältesten Diözesen im damaligen portugiesischen Kolonialgebiet verbunden. Auf dem Gebiet der damaligen Diözese Macao finden sich heute über 600 Diözesen, von Japan über China bis Vietnam.
Macao war bis 1999 portugiesische Kolonie, wie Hongkong englische Kolonie war. Seither gehört Macao wieder zur Volksrepublik China, hat aber für 50 Jahre einen Sonderstatus. „Jetzt herrscht dort eine Freiheit wie im Westen, es gibt Rede- und Pressefreiheit, auch religiöse Freiheit“, weiß Pater Gassner.
Die Steyler Missionare haben 2007 in Macao eine junge Gemeinschaft eingerichtet, die hauptsächlich an der Universität arbeitet. „Es geht darum, Brücken zwischen dem Westen und der chinesischen Tradition zu bauen“, beschreibt Pater Gassner das Projekt der Steyler. „Aufgrund des Interesses der Steyler an Anthropologie, an interkulturellem und interreligiösem Dialog können wir dort viel beitragen und stehen auch vor großen Herausforderungen: Der Ethik geht es ja darum, den Menschen mit seinen Werten in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist eine wichtige Aufgabe und im Kontext des globalen Kapitalismus in Macao wird jede ethische Fragestellung sofort zu einem Störfaktor werden“, vermutet Pater Gassner. Dieser Kapitalismus charakterisiert sich gerade in Macao (und Hongkong) durch seine Kasino-Industrie; das Glückspiel boomt und ist natürlich eine riesige Herausforderung für die Ethik. Pater Gassner ist darauf gut vorbereitet: Seine Dissertation in katholischer Theologie an der Universität Wien beschäftigt sich mit Konsumethik.
Veränderungen aufgrund ethischer Sichtweisen sind Franz Gassner schon lange ein Anliegen: Schon 1989, noch als Novize in St. Gabriel, setzte seine Gruppe die Mülltrennung durch – damals noch eine Novität. Später baute diese Gruppe von Novizen leer stehende Räume in St. Gabriel in Wohnungen für Flüchtlinge um. Er gehörte auch zur Studentengruppe, die im Zusammenhang mit dem Balkankrieg Anfang der neunziger Jahre einen Trakt des Missionshauses als Flüchtlingsheim der Caritas freimachte. „Aber natürlich werde ich jetzt in Macao viel lernen müssen: Welche kulturellen Hintergründe gelten für die Chinesen angesichts der großen Herausforderungen ihrer industriellen Entwicklung“, beschreibt Pater Gassner seine Aufgabe als Missionar. „Ich glaube, dass in den Fragen von Zugang zu Ressourcen für die Industrie die Frage nach Gewalt und Terror sehr wichtig ist, und darin haben das Wort Gottes und die Ethik ihre Fragestellungen einzubringen. Daran möchte ich mitarbeiten und meinen Beitrag zum Dialog leisten“.
Startseite | Kontakt | Sitemap | Impressum | Suche | Seite weiterempfehlen