Weihnachtsbriefe aus dem Südsudan und aus Brasilien.

23.12.2015

P. Matthias Christian und P. Hugo Scheer schildern ihren Alltag, der nie wirklich Alltag ist und wünschen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Pater Matthias Christian unterrichtet an der Universität in Juba im Südsudan. Er schreibt aus einem Land, wo immer wieder die Gewalt eskaliert und die Fortschritte kaum wahrnehmbar sind.

Bei uns hat das neue Semester schon begonnen. Mir wurden folgende Fächer aufgetragen:
1) Rechtsphilosophie
2) Neuzeitliche, westliche Philosophiegeschichte
3) Leviathan, das Werk des Engländers Thomas Hobbes, in dem er seine politische Philosophie darstellt.
4) Analytische Philosophie. Zu den Vertretern der letzten Gruppe gehört auch der Österreicher Ludwig Wittgenstein, über den ich vor gut vierzig Jahren meine erste chinesische Arbeit geschrieben habe. Daheim war ich nur ab und zu auf seinen Namen gestoßen
Können denn die Studenten in solchen Fächern wirklich etwas für ihr Leben lernen? Ich versuche immer, von ihrer traditionellen Kultur auszugehen. Wenn man dann die ganze Unruhe und die Umwälzungen in der Gesellschaft reflektiert, dann kann man tatsächlich Verbindungslinien herstellen.
Weihnachten steht vor der Tür. Was hat wohl das Heilige Paar damals auf dem Weg nach Bethlehem gefühlt? Unsicherheit und Sorge? Wen würde es verwundern! Doch gewiss auch Vertrauen, Freude und Frieden. Dies wünsche ich auch Euch.
Von Herzen,
Euer Matthias.


Pater Hugo Scheer schreibt aus Brasilien. Er wohnt und arbeitet im Juiz de Fora im Bundesstaat Minas Gerais. Dort brach im November eine Stauanlage, in die ein Bergbauunternehmen Schlacke einleitete. 60 Millionen Kubikmeter Schlamm ergossen sich in den Rio Dulce. Er berichtet in seinem Schreiben vom 22. Dezember:

Betroffen ist ein Gebiet mit 400.000 Einwohnern, deren Lebensgrundlage für lange Zeit zerstört ist. Niemand weiß, wie lange Fauna und Flora brauchen werden, um sich zu erholen. Mittlerweile hat die Schlammwelle das Meer erreicht. Seltene Tierarten, deren Brut- oder Laichgebiete in den Mangrovensümpfen liegen, sind vom Aussterben bedroht. Im Norden der Flussmündung liegt ein Gebiet, das Walen als Kinderstube dient. Fischerei, Landwirtschaft, die ganze Touristikbranche der Region sind auf Jahre bedroht. Die Katastrophe hat 21 Menschen das Leben gekostet.
Er setzt seinen Bericht fort mit den Korruptionsskandalen in die Politiker und Firmen verwickelt sind um dann auf die hoffnungsspendende Rede von Papst Franziskus zur Eröffnung des Jahres der Barmherzigkeit hinzuweisen:
Er lädt uns ein, die Türen unserer Kirchen, unserer Gemeinschaften, unserer Pfarrgemeinden, unserer Einrichtungen und Diözesen zu öffnen, um den Herrn eintreten zu lassen; er ermutigt uns, hinaus zu gehen, um die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden und zu leben. Er fordert eine gastliche und offene Kirche, eine Kirche ohne Panzertüren. Türen sollen schützen, aber nie abweisen; man bittet um Einlass, denn Gastfreundschaft erstrahlt in der freien Aufnahme. Immer wieder soll die Tür geöffnet werden, um zu sehen, ob draußen jemand wartet, der vielleicht nicht den Mut, vielleicht auch nicht die Kraft hat anzuklopfen. Wir sind Türhüter; das Tor aber, ist Jesus selbst, der uns ein- und ausgehen lässt.
… Ihr Lieben, ich möchte mich für die gastfreundlichen Türen und Tore bedanken, die mir im letzten Jahr geöffnet wurden. Auch in diesem Jahr sind unsere Anfragen und Bitten auf bereite, geöffnete Herzen gestoßen. Ganz lieben Dank dafür! Wir schließen alle in unser Beten ein und gedenken aller, besonders der Kranken und Leidenden, bei der Feier der Eucharistie. Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes und friedvolles Neues Jahr wünscht Euer
P. Hugo Scheer svd

Steiner, Missionsprokur