24 km zu Fuß, in Solidarität mit Flüchtlingen

28.04.2015

Maria Enzersdorf / Österreich - Bei der sechsten „Romaria – Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen“ setzen am 25.4.2015 ca. 200 Fußwallfahrer ein starkes Zeichen gegen Unrecht und für die Aufnahme von geflüchteten Menschen

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Flüchtlingsheime sind Gnadenorte, wo Gott gegenwärtig ist bei Menschen, die als Geflüchtete Leben und Zukunft suchen. Aus dieser Überzeugung heraus besuchten am 25.4.2015 ca. 200 Fußpilger das Flüchtlingsheim Zirkelweg der Pfarre Schwechat, das Haus Abraham für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge des Don Bosco Flüchtlingswerks und das Haus St. Gabriel der Caritas Flüchtlingshilfe. Im Jahr der Orden waren besonders viele Ordensfrauen auf dem Weg, zusammen mit vielen jungen Leuten, jungen Familien mit Kindern, Engagierten in der Flüchtlingsarbeit und mit Flüchtlingen, die sich dem Zug angeschlossen hatten. Transparente wie „Gott schützt und liebt die Fremden“ oder „Der Mensch zählt nicht mehr, er versinkt im Mittelmeer“ wurden mitgetragen. Als die Trommlergruppe SambAttac die Wallfahrt von Inzersdorf nach Neu-Erlaa begleitete, kamen viele Leute aus Häusern und Gärten zur Straße, um den ungewohnten Zug zu beobachten und sich nach dem Warum des Fußmarsches zu erkundigen.

Stationen auf dem Weg der Solidarität
Unterwegs gab es Stationen mit Informationen zum Thema Flucht und Asyl. Schon in Schwechat wurde unter dem Eindruck der jüngsten Schreckensmeldungen über fast 1000 ertrunkene Bootsflüchtlinge im Mittelmeer dazu aufgerufen, die Petition „Gegen Unrecht“ zu unterschreiben, die wirksame Maßnahmen gegen das Massensterben im Mittelmeer fordert, und an der Gebetsinitiative „Wo ist dein Bruder?“ teilzunehmen. Am Islamischen Friedhof gestaltete der Jugendrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft ein Opfergedenken für die vielen toten Flüchtlinge an der EU-Außengrenze. Zuvor war es in der Pfarrkirche Oberlaa in einem von der Schubhaftseelsorge gestalteten Impuls um „Absurdistan Schubhaft“ gegangen: Unsummen werden in Schubhaftzentren investiert, Menschen werden perspektivenlos auf die Straße gesetzt, wirksame Hilfe ist rar. In Inzersdorf St. Nikolaus rief Thomas Fiedler von der Plattform für interreligiöse Begegnung die Wallfahrer auf, aufzubrechen hin zu Menschen, die gegen die Aufnahme und Unterstützung von Flüchtlingen sind und den Dialog mit ihnen zu suchen: „Wenn diese Wallfahrt dazu dient, dass ihr dafür Kraft tankt, dann hat sie einen Sinn gehabt.“

Langes Warten und wirksame Hilfe
Bei der Mittagsrast im Haus Abraham in Inzersdorf servierten jugendliche Flüchtlinge ein Mittagsessen. Zentrales Thema war die Situation dieser jugendlichen Flüchtlinge, die oft wertvolle Jahre verlieren, weil sie einfach nur zum Warten auf die Entscheidung über ihren Asylantrag verdammt sind. Der Film „Das lange Warten“, der diese Thematik veranschaulicht, wurde gezeigt. Ein Betroffener gab ein persönliches Zeugnis und Informationen über die Arbeit des Don Bosco Flüchtlingswerks wurden präsentiert. Die weiteren Stationen handelten von Hilfen, die verschiedene Organisationen anbieten. In der Pfarrkirche Neu-Erla informierte das Kolpingwerk über Beratung für Arbeit suchende geflüchtete Menschen. Bei einem Marterl in Brunn am Gebirge nannte Herbert Langthaler von der Asylkoordination Beispiele für neue Initiativen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. In St. Gabriel gab es Informationen über die Sonderbetreuung im Caritas Flüchtlingsheim, eine Pilgersuppe und die Möglichkeit, das Heim zu besichtigen.

Politisches Abendgebet
Das abschließende Politische Abendgebet leitete Sr. Susanne Krendelsberger CS, die Generalleiterin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, zusammen mit Abtpräses Christian Haidinger, dem Vorsitzenden der Männerorden Österreichs, der die Predigt hielt. Abt Christian sprach darin die Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht an, die das Meer des Elends und der Not hervorrufen können, aber auch die Gefahr der Abstumpfung durch immer neue Schreckensmeldungen. Er rief dazu auf, im Glauben an die Barmherzigkeit Gottes und aus seiner Kraft nicht zu erlahmen im Einsatz für Menschen auf der Flucht: „Unser Pilgerweg muss weitergehen und mehr und mehr zur Begleitung derer werden, die auf unsere Hilfe warten! Und es gilt auch unsere Mitmenschen wachzurütteln und immer wieder an die Türen und an das Gewissen jener zu klopfen, die Macht und Möglichkeiten haben, sich für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt stark zu machen und konkrete Schritte dazu auf den Weg zu bringen!“

Weitere Veranstaltungen
Im Anschluss an den Gottesdienst stelle Pastoralassistentin Roswita Feige vom „Pfarrnetzwerk Asyl“ die Gebetsinitiative „Wo ist dein Bruder?“ vor, die jeden Donnerstag um 18:00 zum Gebet in verschiedene Kirchen in Wien einlädt. Weitere Einladungen betrafen den European Umbrella March, der am 19.6. in Wien stattfinden wird, und die Fachtagung Weltkirche, die sich vom 24.-25.7.2015 in Stift Lambach in OÖ. mit dem Thema „Selig, die Frieden stiften. Kirchliches Engagement gegen Gewalt und Krieg“ auseinandersetzt.

Franz Helm SVD