„Eine saubere Sache“

13.01.2011

Indonesien - Der Steyler Missionar Pater Hans Runkel will sich dafür einsetzen, dass auf der indonesischen Insel Flores Pflanzenölkocher zum Einsatz kommen. Sie schonen die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung, kurbeln außerdem die Wirtschaft an.

Es gibt Zeiten, zu denen Pater Hans Runkel die Häuser seiner Nachbarn auf der indonesischen Insel Flores um jeden Preis meidet. Nicht, weil er nichts mit den Menschen zu tun haben wollte, sondern wegen des dichten Qualmes, der zur Mittagszeit über ihren offenen Feuerstellen aufsteigt. „Schlimm ist es vor allem in der Regenzeit, wenn das Holz feucht ist“, sagt er. „Dann ist der Rauch besonders dicht und unbarmherzig. Selbst in den angrenzenden Räumen fällt mir oft das Atmen schwer.“

So wie die Nachbarn des Steyler Missionars auf Flores bereiten weltweit mehr als 2,5 Milliarden Menschen ihre Nahrung über dem offenen Feuer zu. Um den Bedarf einer einzelnen Person zu decken, sind jährlich bis zu 700 Kilogramm Brennholz erforderlich. Hiermit verbunden sind unweigerlich Gefahren für Gesundheit und Umwelt: Partikel, kleiner als zehn Mikrometer, dringen Tag für Tag in die Lungen insbesondere von Frauen und Kleinkindern ein, die den Schadstoffen in hohem Maße ausgesetzt sind. Wer an einem offenen Feuer kocht, inhaliert so viele Schadstoffe, als würde er täglich 250 Zigaretten rauchen: Lungenerkrankungen und Krebs sind die Folge, nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr 1,6 Millionen Menschen in Folge der schadstoffbelasteten Raumluft, die durch offenes Feuer verursacht wird. Die Abholzung erhöht zudem die Gefahren eines beschädigten Ökosystems. Zu diesen zählen beispielsweise Springfluten oder Schlammlawinen, wie sie jüngst in Südostasien, Lateinamerika und an anderen Orten der Welt bereits aufgetreten sind.

„Tatsachen, die unsere Ingenieure auf den Plan gerufen haben“, sagt Samuel N. Shiroff, Direktor für Geschäftsentwicklung der Firma BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH. Zehn Jahre, so Shiroff, hätten die Gerätebauer damit zugebracht, einen Kocher der ganz besonderen Art zu entwickeln. Ein innovatives Hightech-Gerät, dessen Kaufpreis dennoch für Familien in Entwicklungsländern erschwinglich ist. Herausgekommen ist Protos, ein Pflanzenölkocher.

Indonesien Pflanzenoel„Das Prinzip von Protos ähnelt sehr jenem herkömmlicher Kerosinkocher, die in Südostasien, Afrika und Lateinamerika weit verbreitet sind“, erklärt Shiroff, während er in der Küche der Steyler Missionsprokur in Sankt Augustin die einzelnen Geräteteile aus einem Karton nimmt. Routiniert greift er zunächst zu einer kleinen Handpumpe, die er per Schlauch mit einem Verdampferrohr verbindet. „Mit der Pumpe muss man zunächst einen Druck von 1,0 bar im Tank erzeugen, dann fließt das Öl in den Vergaser“, erklärt Shiroff. „Dort wird es mit Hilfe der Brennerflamme in ein Gasgemisch umgewandelt. Dieses Gas strömt aus einer Düse in einen Brennraum, wo es sich mit der Umgebungsluft zu einem Brennstoff-Luftgemisch umwandelt.“ Mit einem Feuerzeug hat Shiroff den Brenner inzwischen in Gang gesetzt, das Brennstoff-Luftgemisch verbrennt mit einiger Lautstärke als blaue, saubere Flamme, deren Stärke man mit einem Ventil in der Ölleitung regeln kann. „Jetzt könnte man im Prinzip kochen“, sagt der Projektverantwortliche für Protos und deckelt das Gerät mit einer Platte, die ausreichend Platz für einen großen Topf bietet. „Zwei Liter Pflanzenöl reichen für sieben bis zehn Stunden.“

Der Kocher rußt nicht, stinkt nicht, kann nicht explodieren – und ist mit einem einfachen Draht leicht zu reinigen. Sein größter Vorzug aber ist sein Brennstoff. „Protos kann mit unraffinierten und raffinierten Pflanzenölen wie Kokosöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Jatrophaöl, Rizinusöl, Öl aus Baumwollsaat oder Erdnussöl betrieben werden“, erklärt Shiroff. „Also mit nachwachsenden Rohstoffen der Regionen, in denen er eingesetzt wird.“ Doch die Umwelt wird nicht nur geschont, weil mit Hilfe des Kochers der aufwändige Import von Kerosin und Gas in die entsprechenden Gebiete überflüssig wird. „Weil der der Ausstoß von CO2 durch die Verbrennung des Pflanzenöls gleich dem ist, was die Pflanze während ihres Photosyntheseprozesses aufgenommen hat, arbeitet der Kocher zusätzlich ‚treibhausgasneutral‘“, so Shiroff. „Würde er als Ersatz für fossile Brennstoffe genutzt werden, so wäre es möglich, den Ausstoß von CO2 bis zu einer halben Tonne pro Jahr und Kocher zu reduzieren.“

Der Steyler Missionar Hans Runkel ist beeindruckt von den Möglichkeiten, die Protos bietet. „Die Emissionen des Pflanzenölkochers fallen zehnmal geringer aus als bei einem hochwertigen Kerosin-Brenner“, sagt er. „Und für uns auf Flores wäre er eine sinnvolle Alternative zum Holz, das immer noch die meistgenutzte Energiequelle ist – leider auf Kosten der Wälder und der Gesundheit jener Menschen, die täglich beim Kochen den Schadstoffen in der Raumluft ausgesetzt sind.“

Runkel will sich deshalb für den Einsatz der Protos-Kocher auf Flores einsetzen. Erste Pilotversuche auf den Philippinen, in Indien und in anderen Teilen Indonesiens hätten gezeigt, dass die Bevölkerung nach entsprechender Schulung gut mit den Geräten zurechtkomme. „Weil der Kocher lokal gefertigt wird, werden zudem neue Arbeitsplätze geschaffen“, sagt Pater Runkel. „Alles in allem eine tolle, saubere Sache.“ Derzeit kostet ein Protos-Kocher in Indonesien um die 50 US-Dollar, bei einer größeren Bestellmenge können CO2–Kredite gewährt werden. „Mit Hilfe von Förderern hoffe ich sehr, dass es uns gelingt, den Pflanzenölkocher möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen“, sagt Runkel. „Protos hilft schließlich bei der Bewahrung der Schöpfung, für die wir Steyler Missionare uns in allen Teilen der Welt stark machen.“

Markus Frädrich