Pater Clemens Thoma SVD unerwartet verstorben

08.12.2011

Steinhausen / Baar / Schweiz - Am Mittwoch, 7. Dezember, ist Pater Clemens Thoma SVD im Pflegezentrum Baar im Alter von 79 Jahren friedlich eingeschlafen. Er gilt als grosser Förderer des jüdisch-christlichen Dialogs.

Das Leben von Pater Dr. Clemens Thoma, emeritierter Professor für Bibelwissenschaft und Judaistik, war geprägt von einer unerschöpflichen Schaffenskraft. Seit den 60er Jahren setzte er sich mit Mut und grosser Kompetenz für den christlich-jüdischen Dialog ein. Die zahlreichen Publikationen und Schriften des Steyler Missionars fanden weltweit Anerkennung. Er hatte eine Vision, ein Anliegen: Er wollte die theologische Nähe von Christen und Juden aufzeigen, die christliche Lehre und Forschung mit ihren jüdischen Wurzeln versöhnen. Gleichzeitig engagierte er sich unermüdlich gegen jeglichen Antisemitismus. Bis zuletzt redete er sich ins Feuer über jene, die damals geschwiegen haben zum millionenfachen Mord.

 

Wien und Luzern 

Pater Clemens wurde 1932 geboren. Er wuchs zusammen mit zehn Geschwistern auf einem Bauernhof in Kaltbrunn SG auf. Nach theologischen und philosophischen Studien in den SVD-Hochschulen St. Augustin bei Bonn und St. Gabriel bei Wien weihte ihn 1961 der damalige St. Galler Bischof Joseph Hasler zum Priester. Anschliessend studierte er in Wien bei Prof. Dr. Kurt Schubert Judaistik. Seine Dissertation schrieb er zum Thema „Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr.“ Ab 1967 arbeitete er als Dozent für biblische Einleitungswissenschaft an der ordenseigenen Hochschule St. Gabriel in Maria Enzersdorf bei Wien.

1971 berief ihn die Erziehungsdirektion des Kantons Luzern als Professor für Judaistik und Bibelwissenschaften an die Theologische Fakultät in Luzern. 1981 gründete er das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF), das er bis ins Jahr 2000 auch leitete.

Das alles war nicht genug. Der Steyler Missionar beriet auch den Vatikan und die Schweizer Bischofskonferenz, war Hauptschriftleiter des Freiburger Rundbriefs - Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung sowie begehrter Referent. Und: Er war Initiator der Theologischen Realenzyklopädie, die ab 1977 herauskam.

 

Buber-Rosenzweig-Medaille

Die Anerkennung für seine immense Arbeit blieb nicht aus. 1994 erhielt Pater Clemens die Buber-Rosenzweig-Medaille. Der jüdische Professor Ernst Ludwig Ehrlich aus Basel bezeichnete in seiner Laudatio den katholischen Priester Thoma als einen Mann, „der durch seine Existenz der Welt zeigt, dass man nicht Christ sein kann, ohne die Wurzeln dieses Christentums zu begreifen…“ 2001 folgte die Ehrennadel der Stadt Luzern. Und: Eine besondere Ehre wurde ihm 2006 in Jerusalem zuteil, als ihn die Internationale Rosenzweig-Gesellschaft e. V. zu ihrem Ehrenmitglied ernannte.

Von 2005 an, nach seinem definitiven Abschied von der Hochschule in Luzern, wirkte P. Clemens als Hausgeistlicher im Alters- und Pflegeheim in Schänis SG. Er begleitete Kranke und Sterbende. In dieser Zeit erkrankte er schwer. Die Diagnose: Alzheimer. Die Krankheit plagte und verunsicherte ihn. Die letzten drei Jahre im Missionshaus Maria-Hilf in Steinhausen und zuletzt im Pflegezentrum in Baar waren eine schwierige Zeit. Er tauchte ein in eine andere Welt.

Pater Clemens hat heisse Eisen vehement angepackt, den Menschen aber immer Respekt gezollt. Er hat Christen und Juden einander näher gebracht. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung. Möge Gott ihn in Frieden ruhen lassen.

Abschiedsgottesdienst: Mittwoch, 14. Dezember, 14.00 Uhr, in der Don Bosco-Kirche, Steinhausen. Anschliessend Beerdigung auf dem Friedhof Erli, Steinhausen.

Dreissigster: Samstag, 21. Januar 2012, 17.30 Uhr, Don Bosco-Kirche, Steinhausen.

Statt Blumenspenden gedenke man der Steyler Missionare Maria Hilf. Postscheck: 80-12269-9

Xaver Schorno
 
Pater Clemens hatte immer etwas zu tun 
Pater Clemens hatte immer etwas zu tun
Pater Clemens Thoma, Audienz bei Papst Johannes Paul II., am 30. Oktober 1997 - Bilder Franz Schurtenberger / zVg 
Pater Clemens Thoma, Audienz bei Papst Johannes Paul II., am 30. Oktober 1997 - Bilder Franz Schurtenberger / zVg