18.01.2012
Thal / Schweiz - In der Marienburg in Rheineck SG fand in den ersten Januartagen traditionsgemäss die zweitägige Provinzversammlung der Steyler Missionare in der Schweiz statt. Zwei Themenn standen dabei im Vordergrund: "Migranten-Mission in der Schweiz" und " Zukunft der Marienburg".
"Wir müssen die Menschen ermutigen, ihre eigenen Gaben und Charismen einzubringen. Gefragt sind heute Teamwork und Zusammenarbeit...und nicht Bevormundung", meinte Pater Hans Weibel in der Eucharistiefeier zur Eröffnung der Tagung. Marco Schmid, Direktor von migratio, der Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, stützte in seinem Einführungsreferat die Aussagen des Schweizer Provinzials. Das Miteinander sei entscheidend, die Einbindung von Laien in die Verantwortung unumgänglich. Und: Die Übersetzung des Evangeliums müsse der heutigen Lebensrealität der Menschen entsprechen. Gerade in der Migranten-Mission seien dies wichtige Punkte.
107 Missionen
Die Zahlen, die Marco Schmid nannte, sind imposant. In der Schweiz leben rund eine Million Menschen mit Migrationshintergrund. 45 Prozent sind römisch-katholisch, 6 Prozent evangelisch, 18 Prozent muslimisch. 21 Prozent gehören keiner Religion an. Die Missionen oder anderssprachigen Gemeinden in der Schweiz sind national (zum Beispiel Philippinen), regional (Albaner) oder lokal (Italiener) organisiert. Weitere Sprach- und Kulturgruppen (Indonesier, Afrikaner) treffen sich privat oder über eine Pfarrei. Migratio begleitet insgesamt 107 Missionen. Die grösste Gruppe stellen die Italiener, gefolgt von den Deutschen und Portugiesen. "In Zukunft wird es noch mehr Zuwanderer geben", sagte Marco Schmid. Die Kirche in der Schweiz werde noch vielsprachiger und multikultureller, die Gesellschaft allgemein mobiler, die Immigration zeitlich begrenzter, die territoriale Verbundenheit lockerer. "Zeichen der Zeit, die die Kirche ernst nehmen muss", so Schmid. Jede Sprach- und Kulturgemeinschaft sei ein Sonderfall, habe eine eigene Dynamik, eigene Fragen- und Problemstellungen. Um den Sonderfall zu bewältigen, müssten Ängste und Vorurteile thematisiert und angesprochen werden. Nur so könne beidseitige Integration stattfinden. Und: Integration bleibe kirchlich gesehen eine Beziehungsfrage, die nur über persönliche Kontakte und mit viel Zeit beantwortet werden könne. "Wichtig ist dabei das Schaffen von Orten und Foren, wo die verschiedenen Kulturen Leben teilen können", erklärte der migratio-Direktor. Die religiös-kulturelle Integration sei ein ständiger Prozess, in den sich immer wieder neue Farben mischten.
Marco Schmid dankte abschliessend den Steyler Missionaren für ihre Bereitschaft, sich ab September 2012 neu in der Philippinenmission zu engagieren. Für die Betreuung der Mission ist Pater Antonio Enerio vorgesehen, der selber aus den Philippinen stammt. Ein noch zu bestimmender Mitbruder soll ihn dabei unterstützen.
Wird die Marienburg verkauft?
Im zweiten Teil der Tagung orientierten Pater Stephan Dähler, Rektor der Marienburg, sowie Felix Bischofberger, St. Galler Kantonsrat und Stiftungsratspräsident des Gymnasiums Marienburg, über die bevorstehende Schliessung der Schule sowie die anstehenden Schritte bezüglich Zukunft der Marienburg. Der Steuerungsausschuss "Neue Marienburg AG", der das Gymnasium retten wollte, schrieb am 16. Dezember 2011 in einer Pressemitteilung: "Es ist leider nicht gelungen, das notwendige Kapital von zwei Millionen Franken für die Erhaltung der Schule aufzutreiben. Das Gymnasium Marienburg wird im Sommer 2012 nun definitiv geschlossen." Eine schwierige Situation für die Steyler Missionare. Verschiedene Überlegungen standen im Raum. Letztlich lief es auf die Frage hinaus: Soll die komplette Liegenschaft verkauft werden? Das Resultat - ja: 19, nein: 5, Enthaltungen: 4. Gleichzeitig beschloss die Versammlung, dass bei der Gemeinde eine Umzonung von Zone öffentlicher Bauten und Anlagen in Wohnzone (W3) beantragt wird.
Die Steyler Missionare wollen - unabhängig vom Verkauf der Liegenschaft - weiterhin im Bistum St. Gallen tätig bleiben. Pater Stephan Dähler: "Wir können uns eine Mietlösung in einer der Pfarreigemeinden, wo wir tätig sind, oder eine Mitfinanzierung kirchlich-gemeindlicher Altersheimprojekte gut vorstellen."
Laut Provinzial Pater Hans Weibel liegt der Ball jetzt beim Provinzrat. Er wird im Sinne dieser Abstimmunmgen weitere Entscheidungen treffen, konkrete Schritte planen. Gemeinschaft und Öffentlichkeit sollen dabei auf dem Laufenden gehalten werden.
Neben den 31 Patres und Brüdern nahmen bereits zum 3. Mal auch fünf Laienvertreterinnen und -vertreter an der Provinzversammlung teil. Erstmals mit dabei war Sr. Nicola Kaiser. Sie vertrat die Steyler Missionarinnen in der Schweiz.
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