Jahrestag der Anschläge von Orissa – Steyler Erzbischof bilanziert Wiederaufbau

29.08.2011

Sankt Augustin / Deutschland - Zum Jahrestag der Gewaltakte von Orissa, bei denen im August 2008 Kirchen und Kapellen überfallen und Tausende Christen aus ihren Dörfern vertrieben worden sind, hat sich der Steyler Erzbischof John Barwa zum Stand des Wiederaufbaus in der Region geäußert.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ sagte Barwa, der Nachfolger des Steyler Erzbischofs Raphael Cheenath im indischen Cuttack-Bhubaneswar, nach Angaben der Nachrichtenagentur Zenit: „In den vergangenen drei Jahren ist viel getan worden. Es gibt viele, die immer noch Angst haben. Einige Fortschritte in Richtung Frieden und Gerechtigkeit sind bereits erzielt worden, aber es gibt noch viel mehr zu tun.“


Angesichts der anhaltenden Spannung und der Berichte über eine bevorstehende Kundgebung von Extremisten habe man von Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Unruhen abgesehen.


Die meisten der Heimatvertriebenen von 2007/2008 seien nach dem Bau von mehr als 3.700 Häusern nach Kandhamal zurückgekehrt, so der Erzbischof. „Wir sind den vielen Menschen überaus dankbar, die uns mit ihrer Hilfe und ihren Gebeten beigestanden haben“, wird Barwa zitiert. Bis zum Ende des Jahres wolle er die Zahl der Häuser auf 4.000 erhöhen. Viele Gläubige, die Opfer der Übergriffe geworden sind, versuchten heute, sich ein neues Leben aufzubauen. „Gewiss, es herrscht immer noch Angst, und viele Christen sind weiterhin erschreckt und entmutigt“, so Barwa. „Als Bischof versuche ich bei den Besuchen in meinem Bistum, das ich langsam erkunde, Zuversicht unter den Menschen zu verbreiten, indem ich ihnen die konkrete Hilfe der Kirche verspreche und die Worte Jesu verkünde: „Habt keine Angst!“.“


Die Lage in Orissa beschrieb Erzbischof Barwa heute als ruhig, obschon es weiterhin unterschwellige Konflikte gebe: Eine Reihe von Ortsgruppen blockiere etwa die Zufuhr von Baumaterial und anderen Lieferungen für die Kirchen und christlichen Familien. „Für das, was in Khandamal geschehen ist, haben wir Gerechtigkeit erhalten“, so der Steyler Missionar. „Wir sind jedoch ein wenig entmutigt, weil niedere Beamte uns belästigen. Die höheren hingegen versuchen ihr Bestes.“


Die Bedrohung von Christen durch politischen Extremismus stellt nicht nur in Orissa, sondern auch in anderen Gebieten Indiens ein fortwährendes Problem dar. Erst vor zwei Wochen wurde in Pune/Westindien ein Anschlag auf die katholische St. Mary’s Church verübt, bei dem der Tabernakel teilweise verbrannt, religiöse Gemälde mit Graffiti verunstaltet und Bibeln und andere religiöse Bücher zerrissen und über den Boden verstreut wurden. „Unsere Bedenken bleiben weiterhin bestehen: Wir müssen uns um die Erhaltung des Friedens bemühen und gleichzeitig unser Recht aufrechterhalten, hier zu leben“, sagte Erzbischof Barwa. „Wir brauchen Frieden und Ruhe – keine Gewalt mehr und kein Töten. Der Friede muss auf dem Fundament der Versöhnung und der Gerechtigkeit gründen.“


Markus Frädrich