P. Josef Baumgartner SVD (1913-2011)

21.03.2011

St. Wendel/ Deutschland - Am Sonntag, dem 20.03.2011, verstarb im Wendelinusheim unser Mitbruder P. Josef Baumgartner. Er war der Älteste im Haus – er wurde vor genau einer Woche 98 Jahre alt. Seit Jahren war er bettlägerig und nun hat ihn unser Herr von seinem Leiden erlöst.

In der Frühe des 2. Fastensonntag verstarb nach langem Krankenlager der älteste Mitbruder derDeutschen Provinz, P. Josef Baumgartner.

Er wurde in Rammersweier (bei Offenburg) als Sohn derEheleute Karl Baumgartner und Theresa, geb. Bohnert, geboren. Sehr früh verlor er die Eltern, denn der Vater kehrte 1917 aus dem Ersten Weltkrieg zurück in ein leeres Haus. Seine Frau war kurz nach Ausbruch des Krieges im Kindbett verstorben. Er selbst starb schon im November 1918. So wuchs P.Baumgartner mit seinen beiden Schwestern im Haus des Großvaters und der Schwester seines Vaters Lina auf. Früh verspürte er den Wunsch Priester zu werden und erhielt deshalb von seinem Heimatpfarrer Lateinunterricht. Von 1925 bis 1933 besuchte er das Gymnasium in Sassbach. Dort legte er 1933 als Klassenbester das Abitur ab.

Sein damaliger Klassenkamerad, Freund und späterer Mitbruder P. ArthurLang machte ihn auf die Steyler Missionare aufmerksam. Zusammen begannen sie 1933 in St. Augustin das Noviziat. Am 01. Mai 1935 legte er die Ersten Gelübde ab und begann das Studium der Philosophie. Theologie studierte er anschließend an der Gregoriana in Rom und schloß mit dem Lizentiat ab. Bereits am 19.März 1939 legte er die Ewigen Gelübde ab und empfing am 29. Oktober in der Kirche San Ignacio die Priesterweihe. Er erhielt die Missionsbestimmung für China und bereitete sich im Frühsommer 1940 aufseine Ausreise vor. Durch den Kriegseintritt Italiens war jedoch eine Reise per Schiff unmöglich geworden. Die Oberen legten ihm den Versuch nahe, von Deutschland aus über Russland nach China zugelangen. Dadurch war es ihm sogar vergönnt seine Heimatprimitz zu feiern.

Es gelang ihm auf demLandweg über Russland an seinen Bestimmungsort zu kommen und zwar in das Vikariat Tsaochowfu im Westen der Provinz Schantung. Nach einem Jahr Sprachstudium unter der Leitung von P. Theodor Mittler trat er im Oktober 1941 seine erste Stelle in Chüantscheng in der Diözese Tsaochowfu an. Er selbst schreibt: „Meine ersten missionarischen Gehversuche fanden ein rasches Ende, als ich im November1942 zum Weiterstudium nach Peking geschickt wurde.“ Zunächst studierte er ein Jahr an der Sprachschule der Franziskaner modernes und klassisches Chinesisch. Daraufhin studierte er chinesische und mongolische Geschichte und Sprache an der Fu Jen-Universität, die er mit dem M.A. in Geschichte 1948 abschloss. Nebenbei musste er den Studenten der Universität Deutschunterricht erteilen und außerdem in den beiden letzten Jahren die missiologische Zeitschrift „Monumenta Serica“ redigieren. Im Sommer 1948 wurden die wertvollsten Bände der Redaktionsbibliothek nach Übersee geschickt, um sie vor den Kommunisten zu retten (Sie stehen heute in der Sinologischen Abteilung in St. Augustin).

P.Baumgartner selbst wurde „vorläufig“ auf die Philippinen geschickt, wo er zunächst an der San Carlos-Universität in Sebu Religionsunterrricht für die katholischen Studenten und Vorlesungen in Philosophie gab. Gleichzeitig versah er den Posten des Bibliothekars, den er letztendlich bis 1972 inne hatte. Danach übernahm er die Redaktion der wissenschaftlichen Veröffentlichungen, besonders der Quartalschrift„Philippine Qarterly of Culture and Society“. Auch die regelmäßige Korrespondenz mit den deutschen Wohltätern gehörte zu seinen Aufgaben. 1995 flog er in Heimatferien nach Deutschland und entschloss sich, aufgrund seiner starken Zuckerkrankheit nicht mehr auf die Philippinen zurückzukehren.

Eine Zeitlang verbrachte er im Missionspriesterseminar in St. Augustin und übersiedelte schließlich kurz vor Weihnachten 1997 in das Missionshaus St. Wendel. Nach einem sehr aktiven Leben wollte P. Baumgartner nun im Kreise seiner Mitbrüder einen besinnlichen Lebensabend verbringen. Gott aber hatte in seiner Weisheit und Güte für unseren Mitbruder einen besonderen Weg der Reifung und Vollendung vorgesehen. Geistig wach und aufgeschlossen, verfolgte Josef weiterhin alle Ereignisse der Kirche und der Steyler Gemeinschaft. Zugleich sagte er tapfer und ergeben sein Ja zur völligen Hilflosigkeit und Ohnmacht, die ihm als Pflegefall für die letzten Lebensjahrebestimmt waren.

Das Requiem feiern wir am Mittwoch, dem 23.03.2011, um 14.30 Uhr in der Missionshauskirche inSt. Wendel; anschließend geleiten wir P. Baumgartner zu seiner letzten Ruhestätte auf den Klosterfriedhof.

Br. Stefan Theobald SVD
 
P. Josef Baumgartner SVD