Das Vieh frisst weiter, während Menschen sterben

11.02.2011

Sankt Augustin - Der Steyler Missionar Moses Awinongya aus Ghana über das Ende des Weltsozialforums in Dakar, menschliche Solidarität und dem Gebet als ersten richtigen Schritt.

Warum muss es ein Weltsozialforum geben?

Vor Kurzem fand im schweizerischen Davos das Weltwirtschaftsforum statt. Genauso wie dieses ist das Weltsozialforum kein Ort für konkrete Entscheidungen, sondern sie sind Diskussionsforen – womit die Gemeinsamkeit aber auch schon endet. Der Mitgründer des Weltsozialforums, Chico Whitaker, hat es ganz einfach erklärt: „Die Befürworter des Weltwirtschaftsforums versuchen den Gedanken aufrecht zu erhalten, dass der Markt alles regelt. Wir aber versuchen, der Welt zu sagen, dass dies nicht stimmt“. Auch ich, als Mitglied eines katholischen Ordens, der sich für die Armen dieser Welt einsetzt, glaube, dass dies ein sehr wichtiges Zeichen ist. Das Weltsozialforum ist gegen die Globalisierung mit ihren verheerenden Auswirkungen. Für die Veranstalter des Weltsozialforums hat die kapitalistische Globalisierung zu vielen Problemen geführt: sozial, geopolitisch, ökologisch und ideologisch. Deswegen standen Themen wie Armut, Kriege, Klimawandel oder Demokratie auf der Liste der Vorträge und Referate.

Was kann ein Weltsozialforum denn bewirken?
Das Ziel des Weltsozialforums ist eine menschliche Gesellschaft, die auf gemeinsamen Prinzipien und Werten über die Würde, Vielfalt und Gleichheit aller Menschen beruht. Es tritt ein für ökologische Gerechtigkeit und einen dauerhaften und universellen Zugang zu öffentlichen Gütern für die Menschheit, für die Erhaltung des Planeten als Quelle des Lebens ein, für Menschenrechte, die anwendbar und wirksam sind. Außerdem für eine Welt, die befreit wurde von kapitalistischen Werten und Strukturen, patriarchaler Unterdrückung, von jeder Form von Herrschaft durch finanzielle Befugnisse der transnationalen Konzerne und ungleicher Handelssysteme, von kolonialer Herrschaft und Herrschaft durch Verschuldung; für den Aufbau einer Weltordnung, die auf Frieden, Gerechtigkeit und menschliche Sicherheit beruht.

Das Weltsozialforum fand in Afrika statt. Sie selbst sind Ghanaer. Was sind die dringendsten Probleme Afrikas?
Das Problem in Afrika ist, dass die Menschen in diesem Kontinent wissen, dass sie nicht arm sind, sondern verarmt werden. Sie haben Ressourcen, dürfen aber die Preise nicht selber bestimmen. Die Bodenschätze werden genommen, ohne an die kommende Generation zu denken. Wasser fehlt in vielen Teilen des Kontinents, obwohl es genug Wissen und technisches Know-How in dieser Welt gibt, um dagegen zu kämpfen. In vielen Ländern werden jedes Jahr viele Ärzte und Ärztinnen ausgebildet, aber weniger als 50% bleiben in den jeweiligen Ländern. Anderswo bekommt das Vieh genug Futter, aber es sterben auf dem Kontinent trotzdem viele Menschen an Hunger. Das sind Probleme in Afrika, die man leicht lösen könnte. Es fehlt nur sehr oft an politischem Willen und am Sinn für soziale Gerechtigkeit.

Wie kann man persönlich ein Zeichen setzen, dass eine andere Welt möglich ist?
Da ist unser Einsatz als Ordensmissionare gefragt. Wir setzen ein Zeichen dafür, dass eine bessere Weltordnung möglich ist: Wir sind nicht politisch tätig, kämpfen jedoch für Gerechtigkeit und Menschenrechte; wir kämpfen gegen jegliche Unterdrückung und fordern die Menschen, mit denen wir leben und arbeiten auf, mit uns gemeinsam eine bessere Welt zu gestalten. Durch das Teilen der Güter, zeigen wir der Welt, wie viel Frieden menschliche Solidarität schaffen kann. Für uns als Einzelne bleibt die Frage, wie unser Verhalten und Handeln dazu beitragen können, damit eine bessere Welt möglich wird. Das Gebet ist der erste richtige Schritt.

- Tamara Häußler-Eisenmann