P. Franz Kowalski SVD (5.09.1920 - 01.10.2012)

01.10.2012

St. Wendel / Deutschland - In der Morgenfrühe des Gedenktages der hl. Theresia vom Kinde Jesu, rief der Herr über Leben und Tod unseren Mitbruder P. Franz Kowalski in die ewige Vollendung.

Das Ehepaar Franz Karl und Josepha Kowalski hatte zwei Kinder, Maria und Franz. Die Schwester Maria starb im Alter von 65 Jahren 1983 von ihrem Br. Franz tief betrauert. 92 Jahre waren nach Gottes Vorsehung unserem Mitbruder zugedacht.
Franz hatte nach der Grundschule und den drei Jahren Mittelschule in seinem Geburtsort Querfurt den mutigen Schritt zum Progymnasium St. Xaver in Bad Driburg/Westfalen gewagt. Zur Weiterbildung ging er nach Steyl/Holland  ins dortige Missionsgymnasium; wegen der Naziverhältnisse musste Franz sein Abitur am staatlichen Gymnasium in Köln ablegen.
Nach dem halbjährigen Noviziat kam die Einberufung zum Militärdienst. Erst nach fünf Kriegsjahren und drei Jahren russischer Gefangenschaft im Ural konnte Franz das Theologiestudium in St. Augustin/Bonn beginnen.
Zusammen mit zwanzig Kursgenossen wurde Franz Kowalski am 28.08.1953 in St. Augustin zum Priester geweiht. Der aus China vertriebene Missionsbischof Augustinus Olbert SVD, der von Papst Pius XII. zum Bischof geweiht war, spendete zum ersten Mal in seinem Leben das Sakrament der Priesterweihe.
Nach dreijähriger Tätigkeit in Tirschenreuth und St. Wendel erweiterte er seine Ausbildung an der Universität Münster mit dem Staatsexamen in Latein und Religion. Das Referendarjahr vollzog er in Saarbrücken. Nach vier Jahren des Wirkens an unserer Missionsschule in St. Wendel, dem jetzigen Arnold-Janssen–Gymnasium, kam ein Wendepunkt in das Leben des jungen Paters:

Im Jahre 1966 erhielt er die Versetzung ins Schwabenland nach Blönried an das Progymnasium St. Johann. Was der Ordensmann damals nur mit schwerem Herzen auf sich nahm und mit der Bitte um eine Begrenzung auf zwei oder drei Jahre, sollte sich zu einer 46jährigen Bleibe entwickeln.
„Frako“ (Franz Kowalski), wie ihn die Schüler bald nannten, konnte sich vom Schwabenland einfach nicht mehr trennen. Ein behutsamer, einfühlender Brief seines jetzigen Provinzials hat ihn erst mit Wirkung vom 01.06.2012  ins Wendelinusheim des Missionshauses St. Wendel zurückversetzt, wozu Franz sein volles Ja sagte.
Zwei große Aufgaben, abgesehen von der eigenen persönlichen Weiterbildung und religiösen Vertiefung, hatte sich P. Kowalski gestellt:
- Die gewissenhafte Führung der ihm anvertrauten Jugend als Lehrer und Mensch.
Es ging ihm um die Vermittlung christlicher Werte und einer echten menschlichen Grundhaltung. Die katholische Jugend der Umgebung sollte die Botschaft vom Reich Gottes in Jesus Christus tiefer erfahren. Dabei blieb sein Herzenswunsch, für unserer Steyler Missionsgesellschaft neue Mitglieder zu gewinnen.
Durch sein humorvolles Wesen fand er leicht Zugang zu den Schülern, wobei er doch auf Disziplin großen Wert legte. Etliche seiner Schüler sind Missionare geworden. Viele ehemalige Schüler hielten mit ihm weiterhin Kontakt und ließen sich von ihm trauen.
- Der priesterliche Dienst in den umliegenden Gemeinden blieb unserem Mitbruder ein Herzensanliegen. Wenigstens zwei Gemeinden seien hier kurz namentlich genannt. Fast zwanzig Jahre war P. Kowalski Aushilfsgeistlicher in der Pfarrei Weißenau, wo er als guter Prediger bekannt wurde.
Vom 04. Oktober 1985 bis Weihnachten 1999 durfte Franz als Pfarrvikar in Fleischwangen wirken. Pflichtbewusst und sympathisch versah er nach dem Urteil etlicher Mitglieder seinen Pfarrdienst. Gewissenhaft hat Franz Kowalski viele Jahre in Treue und mit ganzer Kraft seinen priesterlichen Dienst vollzogen, obwohl es gesundheitlich ab und zu haperte. Bei kirchlichen und weltlichen Feiern war er dabei und zeigte erstaunliche „Sesshaftigkeit“. Fast nach jedem Gottesdienst fand er sich am Stammtisch der Gastwirtschaft zum Frühschoppen ein.
Viermal durfte Franz als Pilger das Heilige Land besuchen. Dreimal hatte er dabei selbst die religiöse Pilgerleitung. Der im persönlichen religiösen Gesprächsaustausch so behutsame, vorsichtige und zurückhaltende Mitbruder gab zu, dass der Besuch in Israel für seine Christusbegegnung ein Erlebnis einzigartiger Tiefe gewesen sei.

Nun hat Franz in Ruhe und Ergebenheit sein letztes Ja gesprochen. Er hat den Ruf zur Heimkehr mit Sehnsucht erwartet und glaubend sein Amen gesagt.

Wir verabschieden uns von unserem Mitbruder P. Franz Kowalski mit der Abschiedseucharistie in der Missionshauskirche am Freitag, den 05. Oktober 2012 um 14:30 Uhr.
Anschließend bestatten wir ihn auf unserem Klosterfriedhof, wo auf dem großen Steinkreuz Jesu Worte grüßen: Ich lebe – und auch ihr sollt Leben.