P. Wolfgang Jeron SVD (1938 - 2013)

25.07.2013

Sankt Augustin / Deutschland - Im Glauben an die Auferstehung starb der Timor-Missionar Pater Wolfgang JERON.

Wir wussten um seine schwere Krankheit. Trotzdem hat uns die Nachricht von seinem plötzlichen Heimgang zu unserem himmlischen Vater überrascht und hat uns sehr betroffen gemacht.
Wolfgang war der Sohn des Bankbeamten Bruno Erwin Jeron und seiner Frau Frieda Anna Stiller (1907-2008). Die frühere Jugendführerin in Liegnitz hat nach Krieg und Flucht in Veringendorf und Sigmaringen ihre Ideale von Natürlichkeit, Einfachheit, Wahrhaftigkeit, Selbstverantwortung und Gemeinschaft weitergegeben. Ihrer Tochter Monika (+2006) und ihrem Sohn Wolfgang gab sie davon reichlich mit. Ihr Einfluss auf die Kinder ist verständlich, war der Vater doch früh gestorben.
Im September 1949 kam der elfjährige Wolfgang zu den Steyler Missionaren nach St. Johann; im April 1955 ging er nach St. Wendel und machte dort im Februar 1959 das Abitur. In seiner Jugend bewährte sich Wolfgang als Pfadfinder, als Sportler und Jugendführer. Nach dem Noviziat in Sankt Augustin und der Philosophie in St. Gabriel war er Unterpräfekt in St. Xaver, Bad Driburg. Seine Zehn- und Elfjährigen dort
gingen mit ihm durch Dick und Dünn und schätzten ihn sehr. Während seiner Theologie in St. Augustin (1963/67) betreute er eine Pfadfindergruppe in Bonn.
Nach den ewigen Gelübden (01.05. 1966) und der Priesterweihe (22.10. 1966) in Sankt Augustin erhielt er die Arbeits- und
Missionsbestimmung für Indonesien. P. Schütte kommentierte sie in einem Brief an den Reg. Ass. H. Janssen, Nenuk, Atambua:
„P. Jeron hat sich an erster Stelle für Timor gemeldet, und zwar für die Seelsorge und für die eigentliche Missionsarbeit. Von seinen Oberen wurde er dafür bestens empfohlen. Vor der Ausreise möchte er noch gut Englisch lernen und einen automechanischen Kurs und einen Kurs für Krankenpflege mitmachen. Auch P. Roth meldete sich an erster Stelle für Timor und ebenfalls für die Seelsorge und die Missionsarbeit. Wie P. Jeron möchte auch er bis Ende dieses Jahres noch in Europa bleiben, um gut Englisch zu lernen und auch die beiden Kurse mitzumachen. Da sie sich sehr gut verstehen, möchten sie gerne, soweit das in der Mission möglich ist, zusammenarbeiten“
Als das Visum auf sich warten ließ, belegten die beiden Neumissionare Kurse in indonesischer Sprache an der Uni Bonn. Es folgten einige Monate am Milbank-College in Liverpool. Am 4. Januar 1968 stachen sie in Amsterdam auf der „Braunschweig“ in See und kamen am 17.02.
1968 in Jakarta an. Eine Woche später fuhren sie mit der „Ratu Rosari“ nach Ende (Flores) und weiter in die Berge nach Mataloko, wo sie bei P. Hermann Bader (1903-1970) den 3-monatigen Einführungskurs begannen.
P. Jeron erhält seine erste Bestimmung für Kefamnanu, Hauptstadt von Mittel-Nord Timor. Er ist Kaplan bei P. Wilko Wortelboer (1913-1975). Er ist hauptsächlich Jungendseelsorger: Geige, Fußball und Gitarre sind nützliche Begleiter. Seine 2. Kaplanstelle ist in Eban bei P. Lavrijsen Theo (1910-1992). P. Jeron erwirbt sich große Verdienste mit der Gründung einer „Credit-Union“, einer Art Sparkasse im Stil von Raiffeisen. Nach dem plötzlichen Tod von P. Bernhard Kock (1935-1979) wird er dessen Nachfolger. Eban war damals eine sehr große Pfarrei; inzwischen sind daraus drei Pfarreien geworden.
P. Jeron lernte gut die „Dawan“-Sprache und kannte auch örtliche Dialekte. Das half ihm sowohl in seinen Basisgemeinschaften wie auch in seinem Umgang mit den Bauern. Beide hat er sehr gefördert. Die Zusammenarbeit mit P. Roth auf die Entfernung von über 100 km gestaltete sich schwierig. Auch er hatte sich in die dortige „Bunag“-Sprache eingelebt und war unter seinen Leuten heimisch geworden.
Anfang der neunziger Jahre hatten die ausländischen Missionare sich zu entscheiden, die indonesische Staatsangehörigkeit anzunehmen. 1998 berichtet er darüber: „Ich fühle mich zwar nicht als Indonesier, aber es gab damals (1993) keine andere Wahl. Die Aufenthaltsgenehmigung wurde nicht mehr verlängert. Das heißt also raus aus dem Land. Der Bischof von Atambua und der damalige Visitator, P. Yohanes Perason SVD, haben uns deshalb nahegelegt, wir sollten die indonesische Staatsangehörigkeit annehmen.“
In diesem Zusammenhang stellen sich auch pastorale Fragen: „Eine Hauptaufgabe ist immer noch die Pfarrseelsorge. Von der SVD-Leitung wird zwar immer mehr darauf gedrängt, dass wir uns bald zurückziehen aus den Pfarreien, da es schon genug einheimische Diözesanpriester gibt. Aber der Bischof will uns noch nicht so recht loslassen. In Ost-Timor dagegen werden sehr viele Kräfte gebraucht, vor allem auch in den Pfarreien…“ Im Rückblick auf seinen jahrzehntelangen missionarischen Dienst schreibt er in der Steyler Missionschronik 2002 unter der Überschrift „Das Volk tut recht – die Kirche tut sich immer noch schwer“: „Wir wollen nicht nur Liturgie in der Kirche feiern, sondern erreichen, dass der christliche Glaube auch und gerade in weltlichen Geschäften gelebt wird. Bei den Zusammenkünften sprechen wir nicht nur über Geld.
Wir lesen die Bibel, um besser fertig zu werden mit den sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das alles bedarf sicher sehr langer Zeit.
Die Menschen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, damit sie nicht von außen manipuliert werden.“
In diesem Jahr erinnern sich die Steyler Missionare in Indonesien an ihre Ankunft vor hundert Jahren. Die Hälfte dieses hundertjährigen
Einsatzes hat P Jeron mitgestalten dürfen. Er tat es mit jugendlichen Schwung und Elan. Was hinterlässt er nach 45 Jahren? Keine dicken
Bücher, keine großen Worte, sondern das mutige Beispiel ganzer Hingabe an Christus im Dienst an den Menschen. Dafür sind die Steyler Missionare ihm dankbar. Wir sind stolz, ihn in unseren Reihen gehabt zu haben. Wir danken auch allen Freunden und Wohltätern, die seinen hochherzigen Dienst auf der Insel Timor unterstützt und gefördert haben.
P. Jeron fand am 23.07. 2013 seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof der Steyler Missionare in Nenuk.

G. Lesch