P. Georg Raiml SVD (1932-2013)

18.12.2013

St. Wendel / Deutschland - Plötzlich und völlig unerwartet verstarb am gestrigen Nachmittag im Marienkrankenhaus in St. Wendel unser Mitbruder P. Georg Raiml.

Während der Beerdigung von + P. Karl Tappe erlitt P. Raiml auf dem Weg zum Friedhof einen Herzanfall. Der zu Hilfe gerufene Notarzt konnte ihn nach 15-minütiger Reanimierung wiederbeleben und er wurde sofort in das Marienkrankenhaus nach St. Wendel gebracht, wo er jedoch wenig später verstarb.
Georg wurde als Ältester von sechs Kindern der Familie Alois Raiml und Anna, geb. Marx, in Niedermurach in der Oberpfalz geboren. Das Leben der Familie war einfach, aber von tiefem Glauben geprägt. P. Raiml schrieb selbst: „In Erinnerung bleiben mir lebenslang Barfußlaufen und trockenes Brot“. Die Eltern starben früh, zu früh. Der Vater 1939, die Mutter 1944. Der Pfarrer und die Lehrerin hielten den Buben für das Studium geeignet und so kam er 1943 ins Bischöfliche Knabenseminar nach Regensburg. Wegen der zunehmenden Luftangriffe während des Krieges im Herbst 1944 wurde er im Rahmen der „Kinderlandverschickung“ nach Landshut gebracht. Nach dem Ende des Krieges 1945 verdingte er sich auf eigene Faust als Knecht bei einem Bauern und wollte zunächst vom Weiterstudium nichts mehr wissen. Aber als sein Onkel mütterlicherseits, Br. Alfons Marx SVD, aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen war, bewog dieser ihn, bei den Steyler Missionaren weiter zu studieren. Und so begann er im Mai 1946 im Missionshaus St. Peter Tirschenreuth seine gymnasialen Studien. Zur Oberstufe kam er dann in das Missionshaus Maria Immaculata nach Ingolstadt. Nach dem Abitur 1953 trat er bei den Steyler Missionaren ein und begann am 01. Mai 1953 das Noviziat im Missionspriesterseminar St. Augustin.
Am 01.05.1955 legte er die Ersten Gelübde in St. Augustin ab und begann das Philosophiestudium. Da er sich für das Theologiestudium nach Argentinien gemeldet hatte, kam er 1956 in das Steyler Seminar Rafael Calzada nach Buenos Aires. Nach den Jahren des Theologiestudiums legte er zunächst am 01. März 1960 in Villa Calzada die Ewigen Gelübde ab und wurde im gleichen Jahr am 11. September in Esperanza zum Priester geweiht. Er erhielt die Missionsbestimmung für die argentinische Nordprovinz.
Nach der Heimatprimiz folgte das damals eingeführte Pastoraljahr im St. Pius-Kolleg in München. Nach Argentinien zurückgekehrt, arbeitete er bis 1967 in der Seelsorge in Diamante, Entre Rios und in San Salvador de Jujuy. 1967 nahm er am Tertiats-Kurs in Rom teil und unmittelbar vor der Rückreise nach Argentinien wurde er von der Ordensleitung in Rom gebeten für drei Jahre in der „Aktion Missio“, einer ökumenischen Arbeitsgruppe, die in höheren Schulen über soziale und religiöse Probleme der Dritten Welt referierte und diskutierte, mitzuarbeiten.
Auf Anregungen Dritter bat ihn die Ordensleitung nach diesen drei Jahren eine journalistische Ausbildung im Hinblick auf eine reguläre Mitarbeit bei „Missio München“, dem früheren „Ludwig-Missionsverein“, zu machen. Nach seiner Zustimmung erfolgte die Rückversetzung nach Deutschland und P. Raiml besuchte zwei Jahre lang die deutsche Journalistenschule in München, um danach als fester Mitarbeiter bei „Missio München“ zu arbeiten.
Von 1974 bis 1984 war er Mitredakteur der Zeitschrift „Missio Aktuell“. Auf Drängen der Oberen schied er bei Missio aus und begann 1985 unter dem Arbeitstitel „Missionsreporter“ für den eigenen Orden über die Arbeit der Steyler Missionare und Missionsschwestern in aller Welt zu berichten. Regelmäßig war er mit einem Fotografen in der ganzen Welt unterwegs, um vor Ort Eindrücke und Informationen zu sammeln. Aus den mitgebrachten Themen wählten sich die Redakteure der Steyler Zeitschriften ihren Bedarf und P. Raiml erarbeitete jeweils die gewünschten Beiträge. 1989 übernahm er zusätzlich eine feste Seelsorgestelle als Kooperator in der Pfarrei St. Michael in München-Perlach.

1994, im Hinblick auf Alter und nachlassende Gesundheit, stellte er die Reise und Redaktionsarbeit ein und arbeitete ausschließlich in der Seelsorge. 1999 musste sich P. Raiml einer Bypass-Operation unterziehen und von diesem Augenblick an hatte er ständig Probleme mit seiner Gesundheit. Vor allem die immer wiederkehrenden Schwindelanfälle belasteten ihn schwer, sodass er sich 2010 entschloss in das Wendelinusheim nach St. Wendel überzusiedeln. Hier lebte er die letzten drei Jahre im Kreise seiner Mitbrüder. P. Raiml war ein sehr am kirchlichen Leben interessierter Mensch, der gerne auch über schwierige Themen diskutierte. Er nahm regelmäßig an den gemeinschaftlichen Gebetszeiten und der Feier der Hl. Messe teil, litt aber darunter, dass er selbst nicht mehr in der Lage war, einem Gottesdienst vorzustehen.

P. Raiml war ein liebenswürdiger Mitbruder und wir danken Gott, dass wir ihn in unserer Mitte haben durften.


Am Montag, 23. Dezember 2013, feiern wir um 14.30 Uhr das Sterbeamt für P. Raiml in der Kirche des Missionshauses in St. Wendel. Anschließend geleiten wir ihn zu seiner letzten Ruhestätte auf unserem Klosterfriedhof.

St. Wendel, 19. Dezember 2013

Leiter des Wendelinusheimes

Stefan Theobald SVD