P. Aloys Siepmann SVD (1942 -2013)

04.01.2013

Sankt Augustin / Deutschland - Es war ein großer Schock, als wir P. Aloys Siepmann am Neujahrstag Mittag in seinem Zimmer bewusstlos auffanden.

Um Mitternacht war er noch in geselliger Runde und stieß mit den Mitbrüdern auf ein glückliches, gesundes Neujahr an. Als er am Vormittag kurz vor der Messe wieder aus der Kirche herausging, ahnte niemand etwas. Danach muss es ihm unwohl geworden sein und er ist im Bad seines Zimmers zusammengebrochen. Der gerufene Notarzt brachte ihn nach Siegburg und schließlich nach Bonn, von wo am Abend uns mitgeteilt wurde, dass er unter einer irreparablen Gehirnblutung litt. Er war nicht mehr ansprechbar und in der Nacht zum 4. Januar gegen 2.00 Uhr konnte er friedlich sein Leben in die Hände seines Herrn zurückgeben. 

Aloys wurde am 25. 8. 1942 in Welver bei Hamm (Westfalen) geboren. Seinen im Krieg gefallenen Vater lernte er nie kennen. Er wuchs allein bei seiner Mutter auf. Obwohl das Elternhaus etwas von der Pfarrei entfernt war, meldete er sich als Ministrant in der Pfarrei. Im Zeugnis des Pfarrers zur ersten Kommunion stand, dass er „unter den Kommunikanten einer der talentiertesten und eifrigsten war.“ Schon früh äußerte er den Wunsch, Priester und Missionar zu werden. Deshalb ersuchte seine Mutter um eine Aufnahme in das Missionshaus St. Xaver in Bad Driburg. Weil dort aber der Platz zu eng war, verwies man ihn nach Steyl, wo er dann am 27.1.1953 eintrat. Als Motivation erwähnte er in seinem Aufnahmegesuch das Wort Jesu „Die Ernte ist groß, doch der Arbeiter sind wenige.“ Aloys wurde in seiner Gymnasialzeit durchgehend als aufgeweckter und geselliger Junge beschrieben, der mit allen Mitschülern gut auskam. Zeit seines Lebens sprach er gerne von der schönen Zeit in Steyl. Seine Mutter heiratete erneut und Aloys hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Stiefvater Heinrich Knips. 

Nach dem Abitur trat er am 1.5.1963 in das Noviziat in St. Augustin ein und legte am 1.5.1965 die ersten Gelübde ab. Nach der Philosophie folgte ein Jahr Unterpräfektur in Blönried. Am 1.5.1970 legte er die Ewigen Gelübde ab und empfing am 11.10.1970 die Priesterweihe. Er wollte gerne in die Mission gehen, aber mit Rücksicht auf seine Mutter wollte er zunächst in Deutschland arbeiten. So übernahm er die Präfektur im Missionshaus St. Josef in Geilenkirchen. 1975 – 1979 studierte er Anglistik in Aachen und war gleichzeitig Kaplan in Hünshoven. 1979 – 1988 war er Leiter des Lehrlingsheimes (Brüderkandidaten) in Steyl. Dann ging er für ein Jahr nach Ghana zu einem praktischen Einsatz und anschließend übernahm er 1989 die Leitung der Schülerpräfektur in Bad Driburg. 

1990 wurde er zum Pfarrer in der Hl. Geist Pfarrei in Berlin ernannt, die er aber nach vier Jahren aus Gesundheitsgründen verlassen musste. Nach seiner Genesung wurde er zur Mitarbeit im Pressevertrieb in Kaldenkirchen gebeten, wo er vor allem die wichtige Korrespondenz mit Lesern und Mitarbeitern des Presseapostolats übernahm. Diese Arbeit lag ihm sehr, da er auf die persönlichen Anliegen der Kontakt-personen konkret und einfühlend eingehen konnte. Es war gleichsam eine Seelsorge vom Schreibtisch aus, die ihm mehr lag als öffentliche Auftritte. Zugleich war er auch Präses der Kommunität St. Vinzenz in Nettetal. 2004 wurde er zum Provinzsekretär der Norddeutschen Provinz mit Sitz in St. Augustin ernannt. Da seine Gesundheit schon etwas nachließ, übernahm er ab 2007 die Aufgabe des Gästepaters in St. Augustin. Da kam ihm seine zugängliche und humorvolle Art zu Gute, mit der er Gruppen und Gäste durch das Haus führte. Treu begleitete er jahrelang die regelmäßigen Treffen des Theresienkreises, der Charismatischen Gruppe und des Bibelkreises in unserem Haus. 

Aloys bleibt als leutseliger Mitbruder in Erinnerung, der sich an vielen Dingen überschwenglich freuen konnte und immer eine humorvolle Bemerkung auf der Zunge hatte. Zugleich aber litt er auch an seiner mangelnden Gesundheit und an seinen persönlichen Unzulänglichkeiten. Hoch und Tief waren für ihn eng zusammen und bestimmten in den letzten Jahren sein Leben. Der Tod kam plötzlich und unerwartet. Gott möge ihm nun die Erfüllung seines Lebens als Priester und Missionar schenken. 

Den Auferstehungsgottesdienst mit anschließender Beerdigung auf dem Klosterfriedhof von St. Augustin feiern wir am Mittwoch, den 9. Januar 2013 um 14.30 Uhr. (Arnold-Janssen-Str. 30, 53757 Sankt Augustin, Tel. 02241-237 201)

P. Martin Neuhauser SVD, Rektor St. Augustin