P. Josef Rieger SVD (1933 - 2014)

06.03.2014

St. Wendel / Deutschland - In den letzten Wochen verschlechterte sich der Allgemeinzustand von P. Rieger zusehends. Seit geraumer Zeit war bei ihm bereits eine Leukämie festgestellt worden.

Bei einer Routineuntersuchung am 28. Februar dieses Jahres waren seine Blutwerte so schlecht, dass er im Krankenhaus verbleiben musste. Bei den danach stattgefundenen Untersuchungen wurde ein massiver Befall von Krebstumoren in der Leber festgestellt. Die Ärzte konnten nichts mehr für P. Rieger tun und so haben wir ihn am gestrigen Nachmittag in das Wendelinusheim zurückgeholt. Er war nicht mehr ansprechbar und stündlich konnte man eine Verschlechterung feststellen. Friedlich, wohl vorbereitet und von seinen Mitbrüdern begleitet gab er heute Morgen sein Leben in die Hände seines Schöpfers zurück.

P. Rieger wurde am 29. September 1933 in Neisse–Neuland in Schlesien als Kind des Landwirtes Karl Rieger und seiner Ehefrau Maria geb. Lachmann geboren.
Von 1940-1944 besuchte er dort auch die Volksschule. Schon früh wollte er Missionar und Priester werden, aber die Kriegswirren blockierten zunächst diesen Weg. Beim Einmarsch der russischen Armee in Schlesien 1946 wurden seine Mutter, seine drei Geschwister und er nach Accum/Oldenburg vertrieben. Nach dem Krieg kehrte auch der Vater nach dorthin zurück. Nach Abschluss der 6. Klasse Volksschule trat er 1946 als Schüler in das Missionshaus St. Arnold ein. Nach Abschluss der Untertertia wechselte er 1950 in das Missionshaus St. Xaver/Bad Driburg und legte dort 1954 das Abitur ab. Direkt anschließend trat er in den Orden der Steyler Missionare in Sankt Augustin ein und begann das Noviziat, das er am 01. Mai 1956 mit der Ablegung der Ersten Profess abschloss. Nach den philosophisch-theologischen Studien legte er am 01. Mai 1960 die Ewige Profess ab und wurde am 04. August desselben Jahres, während des Eucharistischen Weltkongresses in München, von dem damaligen Apostolischen Nuntius Kardinal Muench zum Priester geweiht. Bereits 1961 schickte man ihn nach Rom zum Weiterstudium - zunächst für ein Jahr an die Gregoriana und dann für weitere vier Jahre an das Bibelinstitut, wo er das Lizentiat in Theologie und Bibelwissenschaft erwarb.

Nach Deutschland zurückgekehrt war er von 1966 bis 2001 Professor und ab 1984 Dozent für Exegese (Neues Testament), Einleitung in das Neue Testament und zeitweise auch für Bibelgriechisch. Diese Zeit wurde unterbrochen durch ein Studium in Exegese an der Universität Würzburg und durch viele Vorlesungseinsätze in verschiedenen Ländern, vor allem in Ledalero/Indonesien (ca. 5 Jahre). Ferner hielt er Vorlesungen auf den Fidschiinseln, in American Samoa, auf den Philippinen, in Shanghai und in Malaysia. 2001 erfolgte seine Emeritierung, jedoch wurde er noch bis 2003 weiter beauftragt.

Zweimal wählte ihn die Kommunität des Missionspriesterseminares in Sankt Augustin zu ihrem Rektor. Zunächst von 1977 bis 1983 und dann von 1998 bis 2004. Nach der Beendigung seiner Rektorenzeit wechselte P. Rieger als Seelsorger der Cistercienserinnen in das 1999 wiedererrichtete Kloster in Helfta. Dort wirkte er fünf Jahre bis September 2009. Noch einmal kehrte er nach Sankt Augustin zurück, um dort vor allem den ausländischen Studenten als Tutor für Deutsch, Latein und Griechisch zur Seite zu stehen. Nachdem ihn aber seine Kräfte immer mehr verließen, übersiedelte er im September 2011 in das Wendelinusheim nach St. Wendel. Zunächst konnte er sich auch hier noch für die alten Mitbrüder einbringen und Gottesdienste mit ihnen feiern. Doch in den letzten Monaten war dies - bedingt durch seine schwere Erkrankung - nicht mehr möglich.

P. Rieger war ein außergewöhnlich liebenswerter Mensch - von seinen Studenten, den Mitarbeitern und seinen Mitbrüdern hochgeschätzt. Er war kommunikativ und humorvoll. Gerne erzählte er Anekdoten und Witze, wenn man in froher Runde beisammensaß.

Sein großes Engagement galt auch dem Thema „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. In der ordensinternen Kommission „GFS“ arbeitete er jahrelang als Koordinator und Vorsitzender mit.

Der Herr möge ihm all das Gute, das er so vielen Menschen hat geben können, reichlich vergelten.

Dankbar für das Leben von P. Rieger feiern wir am Montag, 10. März 2014, um 14.30 Uhr in der Kirche des Missionshauses in St. Wendel das Sterbeamt für ihn. Anschließend beerdigen wir unseren lieben Verstorbenen auf unserem Klosterfriedhof.

St. Wendel, 06. März 2014

Leiter des Wendelinusheimes

Stefan Theobald svd