Eingebettet in den Kontext der Schöpfung

01.09.2015

Sankt Augustin / Deutschland - Der Steyler Missionar Roberto Duarte engagiert sich in Ecuador für Bio-Gesundheit. Derartige Engagements zur Bewahrung der Schöpfung gibt es immer mehr – die missionstheologische Reflexion hinkt dieser Entwicklung allerdings hinterher.

Der Steyler Missionar Roberto Duarte engagiert sich für Bio-Gesundheit. 
Der Steyler Missionar Roberto Duarte engagiert sich für Bio-Gesundheit.

Pater Christian Tauchner vom Steyler Missionswissenschaftlichen Institut kommentiert.

Der Steyler Missionar Roberto Duarte engagiert sich in Ecuador in einem Netzwerk für Bio-Gesundheit. Ein Leben in Einklang mit der Schöpfung und Heilmittel aus der Natur helfen bei der Gestaltung eines sinnvollen Lebens in den Basisgemeinden.


Wie Roberto Duarte entdecken zahlreiche Christen, Missionare und vor allem Missionarinnen die Bedeutung der Schöpfung, schon seit vielen Jahren. Nicht nur, weil sich die Armen in ihren Gemeinschaften die natürliche Medizin und Heilpflanzen eher leisten können als industriell gefertigte Medikamente, sondern auch aus einer Sehnsucht nach Einheit und in dem wachsenden Bewusstsein, dass wir in einer Welt leben, in der alles zusammenhängt. Befreiung im politischen Bereich impliziert eine menschliche Befreiung – so wurde den Basisgemeinden immer deutlicher bewusst –, die sich in den gesamten Kosmos und in die Schöpfung einfügen soll.

Immer mehr Steyler engagieren sich für die Bewahrung der Schöpfung. die missionstheologische Reflexion hinkt dieser Entwicklung hinterher. 
Immer mehr Steyler engagieren sich für die Bewahrung der Schöpfung. die missionstheologische Reflexion hinkt dieser Entwicklung hinterher.

Die missionswissenschaftliche Forschung ist auf ökologische Fragen bisher wenig eingegangen. Das vergangene Jahrhundert und besonders das II. Vatikanische Konzil stellten den Menschen in den Mittelpunkt des Interesses – ein Zug der Modernität, der es um die Gestaltung der Welt geht. Natur und Umwelt sind für sie nicht mehr als vorhandene Materie, die bezwungen, ausgebeutet, transformiert und sich zu Nutze gemacht werden kann und muss. Kirche und Theologie nahmen in der Aufholjagd des von Papst Johannes XXIII. geforderten Aggiornamento mit dem Konzil den Kontext der Welt in den Blick, aber es ging ihnen dabei vor allem um den Menschen. War es früher in erster Linie das Seelenheil, das interessierte und bis hin zur Legitimation von kolonialistischer Ausbeutung benutzt wurde, kam jetzt immerhin der ganze Mensch in den Blick.

Erntedank-Gottesdienst in Sankt Augustin. 
Erntedank-Gottesdienst in Sankt Augustin.

Die 10. Vollversammlung des Weltkirchenrats in Busan (Korea) ließ 2013 mit einer Erklärung zur Mission aufhorchen, deren Titel „Gemeinsam für das Leben“ die Evangelisierung in den Kontext der Schöpfung und ihrer Bewahrung stellte. Die neueste Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato si’“ (LS, 2015) geht noch spezifischer in diese Richtung und fordert „die gesamte Menschheitsfamilie“ (LS 13) auf, sich um das „gemeinsame Haus“ zu kümmern.


Über viele Detailfragen hinaus geht es dem Papst letztendlich um einen neuen Lebensstil (LS 203ff), der sich nicht an einer Maximierung des Konsums ausrichtet, sondern Freiheit durch ein neues Verständnis von Lebensqualität (LS 222) sucht und damit letztlich eine neue Zivilisation heraufführt. Vielleicht ist es wegen der dazu unumgänglichen Änderungsforderungen im persönlichen und gesellschaftlichen Leben recht schnell wieder still geworden um die Enzyklika, besonders in unseren hyperentwickelten Ländern.

Die Missionswissenschaft muss Handlungsanweisungen erarbeiten, die im Einklang mit der Schöpfung Gottes stehen. 
Die Missionswissenschaft muss Handlungsanweisungen erarbeiten, die im Einklang mit der Schöpfung Gottes stehen.

In der reflexiven Begleitung der Erfahrungen von Basisgemeinden und von Missionaren wie Roberto Duarte und vielen anderen weltweit wird es allerdings Aufgabe der Missionswissenschaft sein und immer mehr werden, nicht nur theoretische Einsichten zu synthetisieren, sondern auch praktikable Handlungsanweisungen zu erarbeiten, die zu einer Entwicklung der Gesellschaft beitragen können, die im Einklang mit der Schöpfung Gottes steht und zur Vollendung des Reiches Gottes beiträgt.

Christian Tauchner SVD
Pater Tauchner SVD

Pater Christian Tauchner SVD stammt aus Österreich. Von 1982 bis 2005 war er in Ecuador tätig, anschließend im Zeitschriftenbereich in Österreich. Seit 2014 ist er Mitarbeiter am Steyler Missionswissenschaftlichen Institut in Sankt Augustin.

 
Themenwoche Vorschau

Wissenwertes

10 Jahre nach der Pflanzung kann in Streuobstwiesen erstmals geerntet werden und erst nach 20 Jahren bringen die Bäume den vollen Ertrag.