Sonnenstrom und Autofasten

02.09.2015

Sankt Augustin / Deutschland - Steyler Missionare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz setzen sich weltweit für die Bewahrung der Schöpfung ein – auch vor der eigenen Haustür. Das Schweizer Missionshaus Maria Hilf in Steinhausen etwa heizt mit Sonnenenergie, die österreichische Pfarre Hatlerdorf sensibilisiert die Gläubigen für Umweltthemen.

„Wir wollten konkret etwas tun - für die Klimaentwicklung, gegen den Atomstrom“, erklärt Pater Hansruedi Krieg. Der ehemalige Brasilien-Missionar managt die Photovoltaikanlage, die die Steyler Missionare in der Schweiz vor vier Jahren auf dem Dach ihres Missionshauses Maria Hilf in Steinhausen installiert haben. Die Anlage sei eine sinnvolle Ergänzung zu der vor sechs Jahren eingerichteten Erdwärmepumpe. „Wir benötigen jetzt kein Öl mehr.“ Und: „Den zusätzlichen Stromverbrauch für Heizung und Warmwasseraufbereitung gleichen wir durch eigenen, ‚sauberen‘ Strom aus.“

70 Quadratmeter groß ist die Anlage auf dem Dach des Missionshauses Maria Hilf in Steinhausen. 
70 Quadratmeter groß ist die Anlage auf dem Dach des Missionshauses Maria Hilf in Steinhausen.

Der 78-Jährige misst seit der Installation der Photovoltaikanlage regelmäßig die Kilowattstunden, vergleicht und führt genau Buch. „Aus persönlichem Interesse“, wie er sagt. Die „Messerei“ sei inzwischen sein „kleines Hobby“.

 
Die Zähler laufen rückwärts
Die 70 Quadratmeter große Anlage produziert im Jahr durchschnittlich 7.500 Kilowattstunden. Das sind rund zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Haus. Energie, die nicht selber gebraucht wird, wird ins Netz des Wasser- und Elektrizitätswerkes Steinhausen eingespeist. Der Stromzähler läuft dann rückwärts. Das heißt, der dem Werk zur Verfügung gestellte Strom wird den Steyler Missionaren gutgeschrieben.

Pater Hansruedi Krieg führt Buch über den Ertrag der Anlage. 
Pater Hansruedi Krieg führt Buch über den Ertrag der Anlage.

Und die Kosten? Die seien absolut verträglich, ist Bruder Franz Schurtenberger, Hausoberer des Missionshauses, überzeugt. Die Investitionen für die Photovoltaikanlage betrugen 2011 rund 70.000 Franken. 13.500 Franken bekam der Orden als Förderbeitrag von der Gemeinde. Die Lebensdauer der Photozellen liege, so Bruder Franz, bei 20 Jahren. Laut Werksangabe sei die Anlage in 15 Jahren amortisiert.


Eine ähnliche Anlage haben die Steyler Missionare auch in der Marienburg in Thal SG realisiert. Eine Sonnenkollektoranlage unterstützt hier die Warmwasseraufbereitung. Auch die Deutsche Missionsprokur der Steyler Missionare in Sankt Augustin hat seit 2005 knapp 90 Quadratmeter Solarkollektoren auf ihrem Dach. Jede Kilowattstunde, die sie ins Netz speist, wird vom Energieversorger mit 0,54 Euro vergütet.

Energie, die im Missionshaus selbst nicht gebraucht wird, wird ins Netz des Wasser- und Elektrizitätswerkes Steinhausen eingespeist. 
Energie, die im Missionshaus selbst nicht gebraucht wird, wird ins Netz des Wasser- und Elektrizitätswerkes Steinhausen eingespeist.

Zurück nach Steinhausen, wo sich auch Pater Hansruedi freut, dass die Kostenrechnung stimmt. Wichtig für ihn ist jedoch darüber hinaus, dass die Steyler Missionare bewusst in eine umweltverträgliche Zukunft investieren, die für Mensch und Natur Sinn macht. Getreu dem Leitbild der Ordensgemeinschaft, in dem es heißt: „Als Christen ist es uns angesichts der ökologischen Krise ein Anliegen, uns für das Wohl der ganzen Schöpfung einzusetzen.“


Eine Gemeinde tritt in die Pedale
Ortswechsel nach Österreich, in die Pfarre Hatlerdorf in Dornbirn. „Seit vier Jahren ist unsere Pfarrgemeinde immer beim Fahrradwettbewerb des Landes Vorarlberg dabei und hat dabei schon zweimal in der Kategorie ‚Vereine‘ den ersten Platz errungen. Darauf sind wir stolz“, sagt Pater Christian Stranz, Steyler Missionar und Pfarrer vor Ort. Dass es im Vorjahr „nur“ für den zweiten Platz reichte, hat den Ehrgeiz der „Hatler“ und ihres Pfarrers geweckt: „In diesem Jahr wollen wir mit noch mehr Werbung wieder die meisten Teilnehmer und Kilometer erreichen. Das ist für uns als klimabewusste Pfarrgemeinde sehr wichtig“, unterstreicht Pater Stranz – und geht selbst mit gutem Beispiel voran. Seine Wege in der Stadt, sei es beruflich oder privat, legt er – wann immer es das Wetter erlaubt – mit dem Fahrrad zurück.

Einweihung des überdachten Fahrradständers am Platz vor der Hatler Kirche. 
Einweihung des überdachten Fahrradständers am Platz vor der Hatler Kirche.

Hatlerdorf hat sich in den letzten Jahren zu einer Vorzeige-Pfarre in punkto Ökologie entwickelt – eine Tatsache, die nicht zuletzt dem Einsatz von Pater Stranz zu verdanken ist. Der 49-jährige Steyler Missionar spricht das Thema Schöpfungsverantwortung immer wieder in seinen Predigten an. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass jeder Mensch die Verantwortung für seinen eigenen ökologischen Fußabdruck übernimmt. Es ist wichtig zu wissen, wie unser Lebensstil und dessen Auswirkungen zusammenhängen“, sagt der Seelsorger, der neun Jahre als Missionar in Argentinien tätig war.


„Church-walker-Pass“ für Kinder
2008 gründete Pater Stranz in der Pfarre ein Öko-Team, das mit vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen versucht, ein Bewusstsein für Umweltthemen in der Pfarre zu schaffen. Zunächst sah man sich die Gebäude der Pfarre in punkto Energieversorgung an. Seit der Sanierung des Pfarrhauses wird dieses mit Pellets beheizt. Pfarrheim, Sakristei und Kapelle wurden an die „Biowärme Hatlerdorf“ angeschlossen und können so mit Fernwärme aus Bio-Hackschnitzeln versorgt werden.

Pater Christian Stranz bei einer Tiersegung. 
Pater Christian Stranz bei einer Tiersegung.

Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivitäten des Ökoteams ist der Bereich Mobilität. „Wir machen nicht nur beim Fahrradwettbewerb mit, sondern auch beim Autofasten in der Fastenzeit“, berichtet Pater Stranz. Für die Kinder hat man sich in Hatlerdorf dabei etwas Besonderes einfallen lassen: „Jedes Kind bekommt für einen Kirchenbesuch, zu dem es mit dem Fahrrad oder zu Fuß gekommen ist, einen Stempel in seinen „Church-walker-Pass“. 50 Kinder haben zu Ostern ihren vollen Pass abgegeben und nehmen an der Verlosung von Preisen teil. Der erfreuliche Nebeneffekt: „Durch diese Aktion kommen auch sehr viele Kinder zu den Sonntagsgottesdiensten in der Fastenzeit.“ Um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder zu erleichtern, setzte die Pfarre gemeinsam mit der Stadt Dornbirn die Errichtung eines überdachten Fahrradständers am Platz vor der Hatler Kirche um.


Dass im Pfarrheim bei Eigenveranstaltungen nur noch Fair-Trade-Säfte und Öko-Kaffee ausgeschenkt werden, ist in Hatlerdorf schon selbstverständlich. Pater Stranz wendet sich aber nicht nur an die Kirchenbesucher. In der Schöpfungszeit sucht er mit Pfarrmitarbeitern den belebten Marktplatz in Dornbirn auf, spricht die Menschen, die zum Einkaufen kommen, an und verteilt die von ihm verfasste Broschüre „Leb einfacher“.

"Leb einfacher" heißt die Broschüre, die Pater Stranz und sein Team auf dem Marktplatz in Dornbirn verteilen. 
"Leb einfacher" heißt die Broschüre, die Pater Stranz und sein Team auf dem Marktplatz in Dornbirn verteilen.

Die Enzyklika sorgt für neuen Schwung
Dass in diesem Jahr der 1. September auf Wunsch von Papst Franziskus erstmals offiziell als „Tag der Schöpfung“ begangen wird, freut den Steyler Missionar. „In Hatlerdorf haben wir das auch in den letzten Jahren schon so gehalten“, erzählt er. Vor allem in der Schöpfungszeit, aber auch während des restlichen Jahres habe man immer wieder Impulse und Vorträge gestaltet, die sich mit nachhaltigem Handeln befassen. Ein Radausflug zu einem Ökohof gehörte genauso dazu wie eine Informationsveranstaltung zu ethischen Wertanlagen am Beispiel der Steyler Bank oder ein Kochkurs zum Thema „Saisonal im Winter – wie geht das?“. „Ich hoffe, dass unsere Anliegen mit der Enzyklika ‚Laudato Si‘ neuen Aufwind bekommen“, sagt Pater Stranz. „Mal sehen, was noch alles möglich ist.“

Xaver Schorno / Ursula Mauritz
 
Themenwoche Übersicht

Wissenswertes

Es gibt 60.000 landwirtschaftliche Betriebe in der Schweiz, 40 Prozent in Bergzonen.


In Deutschland gibt es knapp 90.000 Bauernhöfe mit über vier Millionen Kühen.