Die Schöpfung im Blick

24.08.2015

Sankt Augustin / Deutschland - Den von Papst Franziskus neu eingeführten Schöpfungstag am 1. September nehmen die Steyler Missionare zum Anlass für eine Themenwoche: Vom 31. August bis zum 4. September zeigen sie täglich auf steyler.eu, wie vielfältig sie sich mit dem Thema „Bewahrung der Schöpfung“ auseinandersetzen.

Vorab erklärt Pater Daisuke Narui, Generalsekretär der Steyler Missionare für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, warum der Ordensgemeinschaft das Thema ein besonderes Anliegen ist.

Warum machen sich die Steyler Missionare für die Bewahrung der Schöpfung stark?
Als Gemeinschaft von Missionaren, die auf der ganzen Welt das Evangelium verkünden, stehen wir in engem Kontakt zu Menschen, die in Armut und Schwierigkeiten leben oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Indem wir uns für sie einsetzen und für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eintreten, bringen wir unsere Wertschätzung für Gott, die Menschen und alle Lebewesen zum Ausdruck.

Wie engagieren sich die Steyler in diesem Feld konkret?
Das geschieht ganz unterschiedlich und ergibt sich aus dem örtlichen Zusammenhang. Wir schützen Menschen und die Natur vor umweltfeindlichen Bergbau- und Staudammprojekten. Wir pflanzen Bäume – im kleinen Rahmen oder in größeren Projekten. Wir betreiben und fördern Projekte zum Einsparen von Rohstoffen und Energie – was etwa Elektrizität, Brennholz und Wasser angeht. Wir versuchen, junge Menschen für Naturschutz und um die Bewahrung von traditioneller Landwirtschaft zu begeistern. Wir sensibilisieren Menschen dazu, ihren Müll richtig zu trennen und Recycling zu betreiben. Und an unseren Universitäten fördern wir die Forschung zu Umweltfragen. Wir engagieren uns in diesen Bereichen auf der Ebene unserer eigenen Gemeinschaften, aber auch im internationalen Rahmen, etwa durch Lobbyarbeit und anwaltschaftliches Engagement für Menschen, deren Umwelt Schaden nimmt.

Daisuke Narui zu Besuch auf den Philippinen 
Daisuke Narui zu Besuch auf den Philippinen

Arbeiten die Steyler mit anderen Gruppen zusammen, die im Bereich des Umweltschutzes tätig sind?

Ja, wir sind gemeinsam mit anderen Gruppen, Ordensgemeinschaften, Diözesen und Nichtregierungsorganisationen unterwegs. Umweltfragen schließen oft andere Probleme mit ein, wie etwa die Korruption von Lokalregierungen oder die Ausbeutung durch internationale Konzerne. In solchen Situationen suchen wir die Solidarität mit den Menschen vor Ort und arbeiten mit lokalen und internationalen Organisationen zusammen, wie zum Beispiel VIVAT International.


VIVAT International ist eine Nichtregierungsorganisation, die die Steyler im Jahr 2000 ins Leben gerufen haben. Begann mit ihr das Engagement des Ordens für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung?

Nein, das begann schon wesentlich früher. Schon unser Ordensgründer Arnold Janssen war Naturwissenschaftler und großer Liebhaber der Natur. Von ihm und seiner Spiritualität können wir bis heute viel für den Umgang mit der Natur lernen. Im Jahr 1982 hat sich das Generalkapitel unserer Kongregation mit dem Thema Gerechtigkeit und Frieden beschäftigt. Es rief alle Steyler Missionare dazu auf, sich in diesem Bereich zu engagieren. Damals wurde der Begriff der „Bewahrung der Schöpfung“ noch nicht gebraucht, er kam erst später dazu. Für die gesamte katholische Kirche war einer der wichtigsten Anstöße, sich für die Bewahrung der Schöpfung zu engagieren, die Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum Welttag des Friedens 1990, den er unter das Thema „Friede mit Gott dem Schöpfer, Friede mit der gesamten Schöpfung“ stellte. Der Papst wies darin darauf hin, dass die Umweltkrise ein spirituelles, moralisches und den Glauben betreffendes Anliegen ist. Aus dieser Auffassung heraus haben die Steyler schließlich VIVAT International ins Leben gerufen und treten mit dieser Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen für soziales, wirtschaftliches und ökologisches Wohlergehen ein.

Nach der Taifun-Katastrophe 2013 machte sich der Steyler Missionar ein Bild von den Schäden vor Ort und sprach mit Menschen, denen die Steyler Missionare beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen konnten.  
Nach der Taifun-Katastrophe 2013 machte sich der Steyler Missionar ein Bild von den Schäden vor Ort und sprach mit Menschen, denen die Steyler Missionare beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen konnten.

Was bedeutet es für Sie, dass der Papst den 1. September zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung erklärt hat?

Der Tag gibt uns Gelegenheit, Gott für die Gabe des gesamten Reichtums aller Geschöpfe zu danken und unseren eigenen Lebensstil zu reflektieren. Wir Steyler möchten ihn zum Anlass nehmen, unter den Menschen Bewusstseinsbildung zu betreiben und unsere Solidarität mit anderen Christen auszudrücken, wie Papst Franziskus es formuliert hat.


Was halten Sie von der Initiative der Steyler Provinzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, den Schöpfungstag zum Anlass für eine gemeinsame Themenwoche zu nehmen?

Ich gratuliere den Steylern in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu dieser wunderbaren Initiative. In unserer Welt hat jede Kultur ihre eigene Weise, die Natur zu respektieren und mit Gott in Verbindung zu bringen. In den drei Provinzen gibt es Gemeinschaften mit Missionaren, die aus ganz verschiedenen Nationen kommen. Gleichzeitig sind Steyler Missionare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in unterschiedlichsten Teilen der Welt im Einsatz. Von daher glaube ich, dass sie ein sehr reichhaltiges und umfassendes Verständnis von der Bewahrung der Schöpfung vermitteln können. Ich bete zu Gott um seinen Segen für diese Initiative.

Christian Tauchner SVD
 
Themenwoche