Angelika und Josef Zauner

06.11.2004

Donkorkrum / Ghana - Über einen Monat sind wir mittlerweile in Ghana. Aus den ersten Eindrücken wurden Selbstverständlichkeiten. Die Gesichter der Menschen, besonders jener, die näher, vertrauter geworden sind, bekommen immer mehr Kontur. Das Klima beginnt sich zu verändern, der Jahreszeit entsprechend.

Donkorkrum, 28. Oktober 2004

38. Tag in Afrika

Kakra nkakra a koko benom nsuo.
Langsam, langsam trinkt die Henne das Wasser.

Über einen Monat sind wir mittlerweile in Ghana. Aus den ersten Eindrücken wurden Selbstverständlichkeiten. Die Gesichter der Menschen, besonders jener, die näher, vertrauter geworden sind, bekommen immer mehr Kontur. Das Klima beginnt sich zu verändern, der Jahreszeit entsprechend. Der letzte Regen liegt beispielsweise schon fast zwei Wochen zurück und viel wird nicht mehr kommen bis in den April hinein.

Wie viel haben wir gehört bevor wir hierher kamen: Über Malaria, Hygiene, Ungeziefer, Schutz vor Moskitos, Skorpionen, Schlangen. Nein, nicht dass es keine Themen wären, die Auseinandersetzung, der Stellenwert hat sich geändert, ist konkreter geworden. Insektenschutz wurde ganz wichtig, anderes trat zurück.

Meinen ersten Eindruck von der ausgezeichneten Versorgung kann ich nur bestätigen. Die Küche ist großteils ausgezeichnet. Angelika würde sagen: kein Kinki (Maisklösse!), kein Banku und Fufu nur mit Abstrichen, doch gibt es ausreichend Fleisch, Saucen, Reis, Kochbananen, Yams in vielen Varianten (wie die Kartoffel bei uns), Salat und besonders Früchte (im Moment viel Papayas, Grapefruits und Orangen, die Bananen sind im Kommen). Die Unterkunft, der Ort, der Markt, vieles ist uns sehr vertraut geworden.

Gewöhnungsbedürftig - oh, ist es nicht? - ist der Lärm. Nicht nur, dass die Hähne eifrig krähen und die Fledermäuse ultraschallen oder die Eidechsen über Deckenbretter krabbeln. Dazu gesellte sich vor einigen Nächten ein Nachtvogel, eine Eule wurde uns erzählt, die bei ihrem Landen auf unserem Blechdach für gewaltige Rumpler sorgte. Das wichtigste Gerät scheint der Lautsprecher zu sein. So wird bei Begräbnissen quer durch alle Bevölkerungsschichten tagelang lauthals durchgefeiert. Der Lärm der Muslime steht mit den 10 Prozent am Bevölkerungsanteil nicht im Verhältnis. Dass der Muezzin jeden Tag um 4, halb5 und 5 in der Früh zum Gebet ruft scheint mir bereits übertrieben, dazu gesellen sich an Markttagen (immer donnerstags) und jetzt im Ramadan weitere Frühmorgens-Aktionen. Viele sind wichtig hier und weil sie nicht wie Hähne krähen können, brauchen sie einen Lautsprecher. So manche der vielen Kirchen feiert am Samstag die Nacht durch, Amen, Halleluja. Wenigstens nur einmal in der Woche.

Politisch steht in Ghana ein Großereignis an. Am 7. Dezember sind die Präsidentschafts-Wahlen. Deswegen kam der Vizepräsident des Landes zu Besuch um ein Band zu durchschneiden, das symbolisch für die Eröffnung und Durchführung von einigen Projekten in den Afram Plains dienen sollte. Keine Frage, dass auch hier der Lautsprecher kräftig zum Einsatz kam. Die Wahl scheint offen zu sein. Ohne Fernseher und Radio Ghana bekommen wir nicht so viel mit. Solange alles so friedlich wie bisher und unter normalem Tamtam abläuft, tangiert es uns weniger. Eher spielt eine Rolle, dass die neue Regierung dann die Benzinpreise erheblich erhöhen wird müssen, weil dies aus Wahltaktik die letzten eineinhalb Jahre nicht geschehen ist. Das dürfte dann die Inflation anheizen.

Die Arbeit im Zentrum bekommt langsam ein Gesicht und wird zunehmend konkreter. Zum einen wenn es darum geht ein Grundkonzept zu entwickeln, zum anderen wenn es um konkrete Ausbildungs- oder Fortbildungstage geht wie zum Beispiel für den Jugendrat in den Afram Plains. Wer sich Konkretes vorstellen möchte kann dies mit einem Bildungshaus vergleichen, freilich füge ich wie im Eingangssprichwort ein kakra, kakra (small, small) hinzu.

Beim vorvorgestrigen Besuch bei den Schwestern in Kwasefante, die dort eine Krankenstation betreiben, sehr gepflegt, sehr missionarisch, mit eigenem Garten, kleiner Ananasanpflanzung und mit Solarenergie, kamen wir auch in Tease vorbei. Erstmals sah ich, wovon ich vorher in Wien nur gehört habe: Am Vorabend zum 26. Oktober hören wir hier viel über Österreich. Österreicher haben hier einen Namen und ein Gesicht, ob dies Josef Pichler, Othmar Auinger SVD oder Josef Denkmayr SVD sind oder unsere Vorgänger als Missionare auf Zeit Stefan bzw. Berni. Tankstellen, Tischlereien, Bäckereien, Schulen, Kirchen und vor allem viele Münder sprechen davon.

Zur Zeit bewegen wir uns in einer Zwischenphase. Wir merken unser Ankommen, setzen erste Schritte von Aktivitäten, erfahren langsam (kakra) mehr über die Kultur, bewegen uns leichter in der Sprache und dann haben wir den Eindruck so schrecklich zu stagnieren, der/die andere tut sich viel leichter, geht leichter auf Menschen zu, wirkt plötzlich so groß, ich kann nichts, wünsche mir Unterstützung und desgleichen der/die Partner/in. Kommen dazu noch blöde oder "gescheite" Bemerkungen von außen, dann ist das Chaos perfekt. Aber Nächte vergehen trotz Lärm immer wieder und manchmal sehr schnell und dann sind wir zuversichtlich, öffnen die Augen für das tolle Licht der Morgen und der Abende, die Menschen um uns und unsere Batterien laden sich rasch wieder auf.

So hoffen wir, dass es euch so gut geht wie uns zur Zeit hier und wünschen euch alles Gute.

Angelika und Josef Zauner