Franz-Josef Himbert SVD

17.12.2004

Paris / Frankreich - Als kleine Gemeinschaft von Steyler Missionaren leben wir seit 1. September 2004 in einer Stadt von über 40 000 Einwohnern, von denen rund 2000 als Katholiken mehr oder weniger Kontakt zur Kirche haben. 840 besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst in den drei Pfarreien der Stadt.

Advent 2004

Liebe Bekannte, Freunde und Verwandte,

aus ROSNY-SOUS-BOIS, einem Winkel des Ballungsraumes Paris mit seinen 12 Millionen Einwohnern sende ich Euch herzliche Segensgrüße zum Advent. Viele, ich weiß es, denken, der Franz-Josef meldet sich überhaupt nicht mehr, der hat uns vergessen und den kann man vergessen. Für diesen Eindruck von mir habe ich volles Verständnis und ich nehme das auch niemandem übel.

Ich darf aber auch ehrlich bekennen, dass ich hier in meiner neuen Aufgabe mehr als gefordert bin, manchmal überfordert. Es bleibt mir nicht viel Zeit, auf Nachrichten oder Briefe zu antworten oder von mir aus mich zu melden. Ich brauche Zeit, um mich körperlich und geistlich zu erholen, Kräfte zu sammeln für das, was ansteht in meinem neuen Lebensumfeld. Davon will ich nur ganz kurz berichten. Generell kann ich ich sagen: ich bin zufrieden, manchmal glücklich, ganz sicher froh und dankbar, hier leben und arbeiten zu dürfen.

Als kleine Gemeinschaft von Steyler Missionaren leben wir seit 1. September 2004 in einer Stadt von über 40 000 Einwohnern, von denen rund 2000 als Katholiken mehr oder weniger Kontakt zur Kirche haben. 840 besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst in den drei Pfarreien der Stadt. Sicher gibt es noch mehr Katholiken. Da es aber in Frankreich keine offizielle Religionszugehörigkeitsstatistik gibt, kann man nur von Schätzungen ausgehen. In unserer Stadt gibt es außerdem eine ganz kleine Baptistengemeinde, rund 750 jüdische Familien und eine immer stärker werdende Gemeinde von Muslimen, vor allem aus Nordafrika und Mali. Das Viertel, in dem die Pfarrei „Maria Heimsuchung“ (Notre Dame de Visitation) liegt, ist bereits zu 52 % von diesen Einwanderern bewohnt, in konkreten Zahlen heißt das über 6000. Immer mehr Geschäfte gehen über in Hände von Muslimen oder werden von ihnen neueröffnet. Es gibt ein gutes Einvernehmen mit der baptistischen Gemeinde und auch mit der jüdischen Gemeinde. Da kann man sprechen von einem Dialog. Mit den Muslimen gestaltet sich ein Dialog sehr schwierig. Er bleibt eine Aufgabe, der wir nicht ausweichen können.

Zwei der drei Pfarreien sind uns anvertraut St. Genoveva und St. Laurentius (Sainte Geneviève et Saint Laurent). Mit mir sind vier weitere Steyler Missionare in der Gemeinschaft. Vaclav Mucha, Slowake, arbeitet mit Kindern und der Jugend; Peter Accorley, Ghanaer, studiert Spiritualität für seinen Dienst in Togo und Benin; Karl-Heinz Arenz, Deutscher, studiert Geschichte Brasiliens für seine Arbeit in Brasilien; Marian Brudny, Pole, macht ein Jahr Weiterbildung für seinen Dienst in der Republik Kongo. Die drei letzteren helfen durch einige Dienste in der Seelsorge, sie sind aber hier, um sich ganz ihrem Studium zu widmen. Meine Mitbrüder sind alle vier um die vierzig also rund 20 Jahre jünger als ich.

In den Pfarreien gibt es rund 200 Frauen und Männer, die ehrenamtlich verantwortliche Aufgaben übernehmen: Religionsunterricht der Kinder und Jugendlichen, Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente, Begleitung der Erwachsenen, die sich auf Taufe, Firmung und Kommunion vorbereiten, Vorbereitung der Eltern und Paten auf die Taufe, Mitarbeit bei der Vorbereitung auf die Ehe, Gestaltung der Liturgie, Beerdigungsliturgie, Verwaltung und Unterhalt der kirchlichen Einrichtungen, nicht zu vergessen die verschiedenen Vereine der Jugend und der Erwachsenen. Durchschnittlich vergeht kaum ein Tag ohne wenigstens ein bis zwei Versammlungen, an denen ich teilnehme. Dazu die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit den Menschen, die kommen mit all ihren Freuden und Sorgen.

In der Zuversicht, dass dieses Lebenszeichen die Verbindung erhält und Euch ermutigt, mich an Eurem Leben teilhaben zu lassen, wünsche ich allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr des Herrn 2005. Im Gebet verbunden grüße ich Euch.

Euer Franz-Josef Himbert

Franz-Josef Himbert