Gebhard Grausam

18.11.2004

La Paz / Bolivien - Zu Beginn meiner Zeit im KH San Gabriel schrieb ich von meinem Einsatz im Psychol.- Team, das auch für die Eltern u. Kinder mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten da ist. Ich bin jetzt schon fast 2 Mon. auf einer gemischten Station mit med., traum., chir., urol.,... Verletzungen od. Erkrankungen.

An alle Lieben zu Hause oder sonst wo auf der Welt!

Danke denen, die mir durch ihre Gedanken, Gebet, Mails od. Post die Stange halten und mir das Leben verschönern.

Bin jetzt schon über 3 Mon. hier, u. es hat sich viel ereignet.

Zu Beginn meiner Zeit im KH San Gabriel schrieb ich von meinem Einsatz im Psychol.- Team, das auch für die Eltern u. Kinder mit Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten da ist. Ich bin jetzt schon fast 2 Mon. auf einer gemischten Station mit med., traum., chir., urol.,... Verletzungen od. Erkrankungen.

Eine Frage war, was ich dort mache:

Angefangen von Medikam. vorbereiten u. verabreichen über Hilfestellung bei Verbandswechsel (machen hier üblicherweise die Ärzte), Vitalzeichenkontr., Infusionen nachhängen,...

Die Pat. bzw. deren Angehörigen müssen die Medi., Infus., Inkontinenz-Versorgungen, ... in der Apotheke kaufen, damit wir etwas haben. Das was nicht besorgt wurde, wird vom KH in Rechnung gestellt. Doch oft fehlt es trotzdem an den einfachsten Dingen, wie am Papier oder Lappen z.B. zur Reinigung der Intimregion nach Stuhlgang (in Wasser getränkte Watte wird verwendet), Händedesinfektionsmittel hab ich noch keins gesehen. Zum Reinigung der Pflegeartikel wird Waschpulver u. Wasser verwendet. Aus leeren Plastikinfusionsflaschen werden Einmalnierentassen oder Behälter für andere Verwendungszwecke gebastelt, Infusionsschläuche (in Stücke geschnitten) als Strohhalme od. als Schnüre für sonst was verwendet. Wenn man wenig Mittel hat, hat man Ideen.

Meine Kenntnisse in der Krankenpflege, (wie z.B. ein Lagewechsel bei Pat. durchgeführt wird) kann ich in meinen Bereich teilweise so ausführen wie ich möchte, d. h. zum anderen Teil, wird mir auch angeschafft es anders zu machen. Da fehlt mir oft auch die Sprache um es fein auszudrücken, warum u. wieso es vielleicht anders für Pat. u. Personal besser wäre. Aber dies geht ja auch oft nicht in der Eile der Zeit. Aber manchmal sag ich schon etwas, wenn es mir ganz zuwider ist. Wir sind ja nun schließlich am Lernen. Wir haben ja auch viel Spaß bei der Arbeit.

Am Montag half ich in der Diabetes Kampagne mit (im ambul. Bereich). Die Leute konnten sich gratis auf Diab. untersuchen lassen. Finde solche Kamp. zum Inform. u. zum Steigern des Gesundheitsbewusstseins sehr gut.

Vor 2 Wochen hatten wir (die MaZ von Bolivien) die Möglichkeit in Cochabamba sich an einem Wochenende auszutauschen u. die Zeit miteinander zu genießen. Katharina, eine MaZlerin erzählte von ihrem Projekt, mit 17 Straßenkinder in einem Haus, wo es vielleicht gut wäre dort zu sein.

Eine weitere Frage war, die nach der Freizeit, Kultur, Musik ...:

Am Allerheiligentag wurde im der Fam. , wo ich wohne ein kl. Altar aufgebaut, geschmückt mit Blumen, Bilder der Verstorbenen der Fam., Kerzen, Bananen, Brot,.... Die Verstorbenen kommen nach dem Glauben der Aymara um 1 Uhr mittags für 1 Tag zur Fam. zurück. Zu diesem Anlass wird im erweiterten Fam.kreis Mahl gehalten, wo für den, die Zurückgekommenen auch ein Teller des Festessens am Altar serviert wird. Im Laufe des Nachmittags kommen Freunde, Nachbarn, ein kl. Musikgruppe (Flöten u. Trommeln) kommt auch u. spielt auf. Man unterhält sich, kaut Cocablätter u. trinkt ein Gläschen.

Am Allerseelentag waren wir dann am Friedhof. Nach einer 3 stündigen Fahrt mit einem Lastauto (auf der Ladefläche) auf der Hochebene des Altiplano dahin, vorbei am Titicacasee kamen wir in ein kl. Dorf. Am Friedhof wurde wieder gebetet, gefeiert, gegessen, getrunken, Musikgruppen spielten auf. Wir Jüngeren hatten die Gelegenheit, nebenan war ein Fußballfeld, zum Fußballspielen genützt. Schließlich waren am Abend fast alle mehr oder weniger betrunken, einschließlich des LKW Fahrers. Wir Jüngeren richteten uns ein am LKW zu übernachten. Es war aber dann doch noch ein Onkel, der nach Hause fuhr u. nicht so betrunken schien u. mit dem ein Teil der Leute mitfahren konnte. Wobei die Fahrt auch nicht ganz "ohne" war.

Die Leute sind sehr dankbar, wenn man ihre Bräuche teilt und ich hab Allerheiligen überlebt. Wir backten in einer Bäckerei eines Onkels für Allerheiligen von 140 kg Mehl Brot. Man lasst sich ja nicht lumpen, wenn die Verstorbenen zurückkommen. Davon zehrten wir dann noch 14 Tage. Die Leute kamen mit ihren Zutaten, daraus machten die Bäcker dann das Brot. Ich war von 6.30 morgens - 10 Uhr abends dort u. half mit. Die Leute waren begeistert von den geflochtenen Sternen und Striezel. War schon wieder mal dort in der Bäckerei, um im Flechten zu unterrichten.

Ich hätte mir noch viel notiert zu schreiben, es wird zuviel.

Ich hoffe es geht auch denen gut, von denen man nicht so viel hört, liebe Grüße, Gottes Segen, un fuerte abrazo

Gebhard

Gebhard Grausam