Elisabeth Menth

16.12.2005

Las Cuevas / Argentinien - Las Cuevas ist ein kleines Fischerdörfchen, an einem der vielen Seitenarme des Paraná gelegen. Die Leute hier leben sehr einfach, teilweise in Häusern nur mit Stroh gedeckt, ohne Wasser und Strom.

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte!

 
Inzwischen bin ich schon vier Monate in Argentinien und habe viele eigentlich noch gar nicht so richtig informiert, was ich den ganzen Tag so mache und wie es mir dabei so ergeht. Deswegen hier endlich ein erster ausführlicher Bericht.

 
Nachdem wir vier Wochen zwecks Sprachkurs in Cordoba verbracht haben, sind wir, Sabine meine Mit-MaZlerin und ich, nach Las Cuevas aufgebrochen. Das ist ein kleines Fischerdörfchen, an einem der vielen Seitenarme des Paraná gelegen (die nächstgrößere Stadt ist Dimante, ca. 40 km von Las Cuevas entfernt). Die Leute hier leben sehr einfach, teilweise in Häusern nur mit Stroh gedeckt, ohne Wasser und Strom. Ihren Hauptwohnsitz haben sie auf den vielen Inseln mitten im Paraná gelegen. Die Häuser am Ufer werden dann benötigt, wenn zum Beispiel der Fluss sehr hoch anschwillt und die Inseln überflutet. Dann werden alle Tiere usw. ans Festland evakuiert. Früher gab es auf den Inseln auch kleine Schulen unter der Leitung von Missionsschwestern, die aber bei solchen Hochwassern regelmäßig zerstört wurden und deshalb beschlossen die Schwestern, sie ans Festland zu verlegen. So entstand das Centro Misional hier in Las Cuevas, da in den dreißig Jahren seit Gründung immer weiter gewachsen ist. Inzwischen beinhaltet es eine Schule mit etwa 200 Schülern und eine Art Internat mit 80 Kindern (35 Jungen und 45 Mädchen). Sie kommen teilweise von den Inseln oder aus zerrütteten Familienverhältnissen, die es schwierig machen, die Kinder bei ihren Eltern wohnen zu lassen.

 
Die Arbeit mit diesen Kindern ist meine Hautaufgabe. Unter der Woche sieht mein Tagesablauf etwa folgendermaßen aus: Jede zweite Woche bereite ich mit Sabine das Frühstück für die Kinder vor. Dann heißt es um 5.45 Uhr aufstehen, Mate kochen, Feuer im Herd machen, Brot vorbereiten und selber noch schnell etwas frühstücken. Kurz nach halb sieben werden die Kinder aufgeweckt. Ich bin dabei mit für den Jungenschlafsaal zuständig, zusammen mit Raúl, der auch noch mit den Jungen schläft. Es ist immer eine ganze Zeremonie, bis auch der letzte sich bequemt, aufzustehen, alle Betten gemacht sind, alle dem Wetter entsprechend richtig angezogen sind, auch der letzte sich gewaschen und die Zähne geputzt hat und bei jedem der Seitenscheitel richtig sitzt. Danach geht's zum Frühstück. Ich helfe mit, den Mate auszuteilen und achte darauf, dass alle anschließend mithelfen, den Speisesaal sauberzumachen. Während die Kinder in der Schule sind, habe ich frei. Ich nutze die Zeit, um noch ein bisschen zu schlafen, Briefe zu schreiben, zu lesen oder bastle mit einer der Schwestern. Manchmal, wenn Not am Mann ist, helfe ich auch in der Küche mit, die Brote für die Pause vorzubereiten oder helfe Kartoffeln oder ähnliches für das Mittagessen zu schneiden. Nachdem ich mit Sabine, Raúl und Norma, der Betreuerin im Mädchenschlafsaal, gegessen habe, teilen wir um zwölf das Mittagessen für die Kinder aus. Anschließend haben die Kinder noch bis um ein Uhr Pause, die ich mit beaufsichtige. Meistens ist das die anstrengenste Zeit, weil etwa 250 Kinder (die größeren haben einen anderen Stundenplan) im Hof herumwuseln und so allerhand anstellen, was sie eigentlich nicht sollten. Man muss seine Augen einfach überall haben. Wenn die Kinder wieder in der Schule sind, bringe ich die Kindergartenkinder zum Siesta-Schlafen. Die anschließende Freizeit nutze ich meistens zum Wäschewaschen. Um halb drei kommen die großen aus der Schule und ich setze mich manchmal zu ihnen, um ungestört mit ihnen ein wenig zu plaudern. Wenn eine Stunde später der Rest der Bande Schule aus hat, verteilen wir Brot und, wenn vom Morgen etwas übrig geblieben ist, Mate oder Milch. Nach einer kurzen Verschnaufpause müssen die Kinder kleine Arbeiten, wie Wäsche zusammenlegen, kehren, Feuer machen für das Duschwasser, oder Gartenarbeit verrichten. Mit den kleinsten gehe ich Papiere aufsammeln, die hier jeder wo er gerade steht und geht fallen lässt. Anschließend geht's an die Hausaufgaben und am späten Nachmittag wird (jeden zweiten Tag) geduscht. Auch hier helfe ich wieder bei den Jungen mit. Um halb acht gibt es für alle Kinder Abendessen, danach noch ein wenig Fernsehen, oder jetzt wo es so warm ist, dürfen sie draußen spielen. Um etwa halb neun geht's ins Bett. Wenn dann auch der letzte Junge im Bett liegt drehe ich noch eine letzte Runde durch den Jungenschlafsaal, wünsche allen eine gute Nacht, drücke den einen oder anderen noch mal oder plaudere ein paar Minuten mit den großen. Oft sitze ich danach noch ein wenig draußen, genieße die lauen Nächte und den gigantischen Sternenhimmel. Jedes zweite Wochenende bleiben einige Kinder. Wir machen kleine Unternehmungen und versuchen, so gut es geht, ein bisschen Abwechslung und Spaß in die Langeweile, die man hier wochenends verspürt, zu bringen. Bleiben keine Kinder, fahren wir oft nach Diamante. Ansonsten erhole ich mich und genieße ein wenig die sonst so wenig vorhandene Ruhe.
 

Alles in allem gefällt es mir wirklich gut hier, auch wenn es Tage gibt, an denen gar nichts funktioniert und alles frustriert. Meistens finde ich aber doch einen Moment - das Lächeln eines Kindes, der wunderschöne Sonnenuntergang, oder eine sternklare Nacht - er mich froh macht, hier zu sein. So langsam knüpfe ich auch Kontakt zu den Bewohnern des Dorfes. Doch leider ist es wie so oft: Wenn es am schönsten ist, ist es Zeit, aufzuhören... Hier beginnen jetzt die Sommerferien und alle Kinder fahren bis Februar nach Hause. Für uns gibt es hier in dieser Zeit nicht viel Arbeit und so machen wir uns wiederum auf in Richtung Cordoba. Dort werden wir während der Ferien in einem Heim für Waisenkinder mithelfen. Mal sehen, was die Tage dort so bringen - ich werde euch davon berichten!
 

Ich wünsche euch allen jetzt einen schönen Rest-Advent, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2006.

Macht's gut, bis zum nächsten Mal.
Grüße aus dem sonnig-heißen Argentinien,


Elisabeth

Oskar Berger