Predigt zur Instalation des neuen Provinzialrates

Zwei Jünger gehen.
Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern, liebe Gottesdienstgemeinde!
Habt ihr schon einmal nachgedacht: Warum sagen wir: Wie geht es dir? Es geht!
Zwei Jünger gehen. Es geht ihnen schlecht. Sehr schlecht.
Total enttäuscht sind sie. Alles vorbei. Alles war so gut - früher. Aber jetzt??
Alles vorbei – offensichtlich! Eine Zukunft sehen sie nicht.
Doch dann geht einer mit, ein Fremder scheinbar, Jesus geht mit, aber sie erkennen ihn nicht.
Was tut er? Nichts tut er. Nichts, damit es ihnen wieder besser gehen würde. Nein, sogar das Gegenteil: Er fragt dumm! Kein Trösten, kein Erklären - sondern dumm fragen: Was denn?
Was ist denn Schreckliches passiert?
Dumme Frage. So, als wäre er nicht mit dabei gewesen. So, als hätte er nichts damit zu tun. Er fragt: Was denn?
Ist die Frage wirklich so dumm? Ist sie nicht sogar sehr klug? Geschickt?…
Durch das Fragen motiviert Jesus die Beiden zum Erzählen, alles Leid aussprechen, beklagen, vielleicht sogar weinen…
Im Gehen reden die beiden Jünger sich alles von der Seele und plötzlich geht es wieder. Zumindest geht es ihnen besser.
Weil sie jemanden zum Reden hatten. Weil jemand mit-geht, Fragen stellt und zuhört.

Liebe Mitbrüder,
ich weiß eigentlich nicht, auf welchen Weg ihr mich geschickt habt. Ein wenig ratlos bin ich auch, wie die Jünger damals. Und auch die Situation ist ähnlich: Es ist halt Vieles nicht mehr so wie auch ich es noch, ein wenig zumindest, kannte.
Verständlich, wenn wir manchmal traurig stehen bleiben… und zurückschauen.
Zwei Jünger gehen, bleiben nicht stehen, bleiben nicht hängen am Beweinen der Vergangenheit sondern gehen weiter.
Und sie können es, weil sie miteinander gehen.
Sie können es, weil sie sich einander erzählen und zuhören.
Sie können es, weil sie sich fragen lassen, vielleicht auch hinterfragen – von dem, der mit ihnen geht.
Sie merken, dass sie nicht alleine sind. Sie nehmen den an, der an ihrer Seite ist.
Miteinander gehen und begleitet werden – die Erzählung der Emmaus Jünger macht mir Mut für die ersten Schritte.

Hoffentlich werde ich mich auf dem kommenden Weg oft daran erinnern.
Oder noch besser: Erinnern wir uns gegenseitig öfter daran. Und probieren wir es immer wieder auch gleich aus. Ob es stimmt? Ob es besser geht wenn man miteinander geht? Ob es mir besser geht, wenn ich mit jemanden rede?
Probieren wir es! Damit wir auch auf unserem Weg Jesus öfter eine Chance geben, sich dazuzugesellen. Damit es besser geht, wenn wir miteinander gehen, hier in St. Gabriel und in allen Häusern, Distrikten, Niederlassungen unserer Provinz.

Ortswechsel – Israel, das Heilige Land.
Bei einer Pilgerfahrt unserer Pfarre vor drei Jahren sind wir auch durch Emmaus gefahren. Später hat mir jemand erzählt, dass es nicht nur einen Ort mit Namen Emmaus gäbe, sondern drei. Drei Orte, drei Kirchen – alle erbaut um jenen Ort zu kennzeichnen, wo das Haus des Kleopas gestanden sein soll. Welcher Ort war es? Oder war es überhaupt an keinem dieser Orte? Vielleicht ganz wo anders - ein viertes Emmaus?
Es ist eigentlich auch egal.
Denn Emmaus ist an keinen Ort gebunden. Es ist ein Geschehen. Es ereignet sich überall dort, wo Menschen miteinander gehen, wo Begegnung und Beziehung gelingt, wo Dinge zur Sprache kommen, die unser Innerstes berühren, wo offen und ehrlich ausgesprochen wird, was einem bewegt, wo Menschen einander zuhören und nicht gleich Ratschläge erteilen, wo in der zwischenmenschlichen Beziehung das Herz zu brennen beginnt und plötzlich die Gegenwart Gottes spürbar wird - da ist Emmaus. Und das ist an keinen Ort gebunden.

Ich wünsche uns allen, dass wir immer Menschen haben, die mit uns gehen. Dass wir uns oft Zeit nehmen hinauszugehen, zu zweit, zu dritt,.. gehen und reden.
Über alles reden was uns bewegt. Über Gott und die Welt.
Und ich wünsche uns die Erfahrung, dass es uns dann dadurch oft wieder viel besser geht als zuvor. Emmaus geschieht auch heute.
„Sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns, denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt.“
Heute Abend ist Jesus bei uns, der Tag hat sich schon geneigt.
Wie damals. Und ich werde heute auch schon hier bleiben – obwohl ich noch viele Sachen drüben habe. Das Abschied-nehmen darf auch ein Emmaus Gang sein, ein wenig traurig und ein wenig dauern.

Ich möchte Jesus heute bitten, dass er uns viele Emmaus Erfahrungen schenken möge.
Ich bitte Jesus und seinen Heiligen Geist uns zu helfen, dass wir miteinander gut beginnen und uns gegenseitig unterstützen auf unserem gemeinsamen Weg.
Jesus geht mit uns - wo wir miteinander gehen.
Und nur so geht es!
P. Provinzial Josef Denkmayr SV, 30. April 2010