Das "Hinübergehen" des Hl. Arnold Janssen

Woran würden sie zuerst denken, wenn sie das Wort „hinübergehen“ hören? Es scheint, dass viele  gleich an Tod und Sterben denkenwerden. Da gibt es zum Beispiel ein Buch von Dr. Monika Renz, mit dem Titel: „Hinübergehen: Was beim Sterben geschieht…“ Oder das Bistum Trier verbreitet Flugblätter unter dem Titel: „Hinübergehen – eine Tür ist dir geöffnet“ mit Untertitel – „den Abschied gestalten“.
Vielleicht würden sie sich wundern, wenn ich jetzt ihnen verrate, dass auch in der Spiritualität unserer Gesellschaft, der Steyler Missionare und auch der Steyler Missionsschwestern,  der Begriff „hinübergehen“ (passing over auf English) eine bedeutende Rolle spielt. Doch dabei handelt es sich überhaupt nicht um das Begleiten der Personen, die sich schon auf das Jenseits bereiten. Nicht um den Tod geht es dabei, sondern um das Leben. Es handelt sich dabei um die Verkündigung der Frohen Botschaft Jesu Christi „über die Grenzen (geographischen, sozialen, kulturellen, religiösen…) hinaus“. Das ist die Sendung und Aufgabe der Missionare: das Leben zu verkünden und zu bezeugen, das sich in Jesus Christus offenbart hat. In dem Dokument des 13s Generalkapitels 1988 lesen wir: „Wir sind zu diesem "Hinübergehen" gerufen, wenn wir in andere Kulturen eintreten, wenn wir uns mit den Armen identifizieren und wenn wir uns auf den Dialog einlassen.“ „Hinübergehen“ zu den anderen Kulturen, zu den Armen, zum Dialog – das charakterisiert unsere Mission als Steyler Missionare.
In unseren Konstitutionen ist dieses „Hinübergehen“ so zum Ausdruck gebracht: „Wer sich unserer Gesellschaft anschließt, muss bereit sein, in Erfüllung unseres missionarischen Auftrags dorthin zu gehen, wohin der Obere ihn sendet, auch wenn diese Bestimmung den Verzicht auf die Heimat, die Muttersprache und den angestammten Kulturraum bedeutet. Diese Bereitschaft ist ein wesentliches Merkmal unserer missionarischen Berufung.“ (Konst. 102)

Warum aber spreche ich von diesen Begriff überhaupt? Heute feiern wir den Hl. Arnold Janssen, der uns das „Hinübergehen“ vorgelebt hat. Es gibt in seinem Leben drei Ebenen, wo wir es merken können.
Auf der horizontalen (geographischen und sozialen) Ebene sehen wir, dass er ein Deutscher war, in Goch, in Niederrhein geboren. Er ist in die Niederlande gegangen, hat dort gelebt, dort drei Missionskongregationen ins Leben gerufen, und dort ist er auch gestorben und begraben. Doch, ist er nicht ein Niederländer geworden, sondern, überraschenderweise, ein Österreicher. Damit er ein Ausbildungszentrum in der österreichisch-ungarischen Monarchie gründen konnte, musste er die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Er hat sie beantragt und auch bekommen. 1885 verlieh ihm  die kleine Gemeinde Goggendorf im Weinviertel das Bürgerrecht. So können wir sagen von: Arnold Janssen - als Deutscher geboren, und als Österreicher in den Niederlanden gestorben. Alles, um der Frohen Botschaft willen.

Auf der vertikalen Ebene können wir sein „Hinübergehen“ in seiner Beziehung zu Gott sehen. Arnold pflegte über die Grenze der sichtbaren Welt hinauszugehen und in die Wirklichkeit Gottes einzutauchen. Das war ein „Hinübergehen“ zu Gott. Dieses „Hinübergehen“ könnte man besser als „Hineingehen“ in sich selbst beschreiben, in sein Herz gehen, wo Gott lebt. Deshalb hat er uns als Motto den Ausruf hinterlassen: „Es lebe der heilige dreieinige Gott in unseren Herzen und in den Herzen aller Menschen!“ Dieses „Hinübergehen“ bedeutete für ihn dann konkret: beten, die Geheimnisse Gottes zu betrachten, Liturgie feiern…; einfach, in der Gegenwart Gottes zu leben. Von seinem Büro war es wirklich „hinüber“ in die Oberkirche, wo er stundenlang betete und die Zeit mit Gott verbrachte.

Auf der intrapersonalen Ebene (Umgang mit sich selbst) sehen wir sein „Hinübergehen“ darin, dass er versuchte dem Ruf zur Umkehr, dem Ruf zur Heiligkeit nachzugehen. Er wusste, dass er an sich ständig arbeiten muss, dass er seine eher kalte, distanzierte Natur, ändern muss. Deshalb betete er, damit der Heilige Geist sein Herz verwandle und es mit Liebe erfülle. Und der Heilige Geist, auf dessen Wirken er sich eingelassen hat, hat ihn über die Jahre hinweg verwandelt. Pater Gier, einer seiner frühen Kritiker, sagte, dass für diejenigen, die Arnold in früheren Jahren gekannt hatten, Arnold im Alter, besonders nach dem Jahr 1890 wie eine andere Person war.
„Hinübergehen“ – das könnte auch die Botschaft des hl. Arnold für uns alle heute sein, nicht nur für die Steyler Missionare und Missionarinnen. Als Getaufte sind wir auch „missionarisch“ geprägt, es ist auch unsere Aufgabe von der Frohen Botschaft Christi Zeugnis abzulegen. Und das können wir in diesem dreifachen Hinübergehen, wenn wir die verschiedenen Grenzen überschreiten:
Im „Hinübergehen“, zu den Armen und Ausgegrenzten… – in unserem solidarischen Umgang mit ihnen.
Im „Hinübergehen“ zu Gott, wenn wir auch erkennen, dass ohne Gebet, ohne seinen Segen  uns nichts gelingen wird.
Im „Hinübergehen“ zu Heiligkeit, wenn wir uns damit nicht zufrieden geben, wie wir sind, sondern offen bleiben für die immer neue Herausforderungen des Wortes Gottes und des Geistes, die uns zur persönlichen Veränderung, zur Liebe, Barmherzigkeit, zur Heiligkeit rufen.
Möge uns der Heilige Arnold auf diesen Weg des „Hinübergehens“ mit seiner Fürsprache begleiten.

Pater Peter Dusicka SVD